Zusammenfassung

  • Bunyips Kunden waren Betreiber von Archie-Diensten. Sie konnten Lizenzen und Unterstützung kaufen, ohne jede Suchanfrage ihrer Nutzer zu berechnen.
  • Archie entstand aus Alan Emtages automatisierter Softwaresuche. Zeitgenössische Quellen beschreiben das spätere Geschäftsmodell, belegen aber keine geprüften Gewinne.

Fünf Vollzeitkräfte und zwei Teilzeitkräfte: Diese unspektakuläre Angabe macht aus der Geschichte von Archie auch eine Unternehmensgeschichte. So beschrieb ein Bericht von 1993 über Peter Deutsch und Bunyip Information Systems die damalige Belegschaft. Hinter der Suche nach Dateien stand längst Arbeit, die jemand finanzieren musste.

Bunyip verlangte Lizenz- und Supportgebühren von den Standorten, die Archie anboten. Die meisten ließen ihre Nutzer weiterhin ohne Gebühr pro Abfrage suchen. Kostenlose Suche bedeutete also nicht, dass die Software kein Geschäftsmodell hatte. Nutzer und Käufer waren nicht dieselben.

Zuerst sollte eine lästige Aufgabe verschwinden

Alan Emtage studierte an der McGill University und arbeitete im technischen Support. Zu seinen Aufgaben gehörte es, nützliche Software im Internet aufzuspüren. Über die langsame Verbindung immer wieder entfernte Archive zu durchsuchen, war umständlich. In einem Interview von 2019 schilderte er, wie er Skripte nachts arbeiten ließ, wenn die Leitung weniger beansprucht wurde.

Deutsch brachte Anfragen von außerhalb der Universität an ihn heran. Bill Heelan wirkte laut dem zeitgenössischen Bericht an der ersten Implementierung mit. Aus einer persönlichen Arbeitserleichterung wurde ein Angebot für Menschen, die keinen der Beteiligten kennen mussten.

Archie sammelte Dateinamen aus öffentlich zugänglichen FTP-Archiven. Der Index verriet, wo eine Datei lag; heruntergeladen wurde sie anschließend am Ursprungsort. Das war keine Volltextsuche im heutigen Web. Der RFC 1689 beschreibt unter anderem Telnet, eigene Clientprogramme und E-Mail als Zugänge.

Eine 1992 veröffentlichte, von Emtage mitverfasste Studie nennt ungefähr 1.100 monatlich abgefragte Archive, 2,6 Millionen Dateien und 13 replizierte Server. Das sind damalige Systemangaben, keine Kundenzahlen. Wer einen Dateinamen suchte, musste nicht mehr vorher wissen, welcher Rechner die Datei verwahrte.

Aus dem Index wurde ein betreutes Produkt

Der Bericht von 1993 datiert die Gründung durch Deutsch und Emtage auf Januar 1992. Eine vollständig neu geschriebene Fassung mit kommerzieller Unterstützung folgte im Oktober. Lizenzierung und gesponserte Entwicklungsaufträge nennt auch der im August 1994 erschienene RFC 1689 als Finanzierungsquellen. Er unterscheidet kommerziellen Serversupport von freiwilliger Hilfe für kostenlose Clients.

Die Angaben stammen von den Verantwortlichen der Werkzeuge. Sie sind ein zeitgenössischer Beleg für das beschriebene Geschäft, aber kein geprüfter Jahresabschluss. Umsatz, Gewinn und Konditionen einzelner Verträge lassen sich daraus nicht berechnen. Ebenso wenig belegen sie, dass Lizenznehmer für Exklusivität bezahlten.

Bei der frühen Datierung bleibt eine Abweichung: Die Biografie der Internet Hall of Fame nennt 1989, Deutsch verortete die Skripte zum Sammeln von Verzeichnissen im Juni 1990. Eine eindeutige Zuordnung zu Erfindung und Veröffentlichung geben die Quellen nicht her. Die späteren datierten Geschäfts- und Technikberichte werden dadurch nicht wertlos.

Kein Lebenslauf endet an einer Serveradresse

Auch eine Universitätsadresse ersetzt keinen Nachweis über Rechte. Nach Emtages Rückblick von 2019 hatte das Team vor der Bereitstellung keine Erlaubnis eingeholt. Aus dem Hostnamen kann weder vorherige Zustimmung noch Softwareeigentum abgeleitet werden.

Seine spätere Laufbahn ist durchaus dokumentiert: McGill News stellte ihn im Oktober 2017 als technischen Leiter der New Yorker Webentwicklungsfirma Mediapolis vor. Das belegt eine damalige Funktion, nicht seinen heutigen Arbeitsplatz.

Archie nahm Suchenden einen wiederkehrenden Umweg ab. Damit dieser Vorteil erhalten blieb, mussten andere den Index aktualisieren, Software pflegen und Fragen beantworten. Die interessante Verbindung zwischen Erfindung und Geschäft liegt hier nicht in einem verschwundenen Vermögen, sondern in der ganz gewöhnlichen Frage, wer diese Arbeit übernimmt.

Korrektur vom 21. Oktober 2026: Zeitgenössische Quellen beschreiben Bunyips Geschäftsmodell und Personal; auch Emtages spätere Tätigkeit ist dokumentiert. Zurückgenommen werden die gegenteiligen Aussagen, die aus dem Hostnamen abgeleitete Universitätserlaubnis und die nicht ausreichend verifizierte Auflösung im Jahr 2003.