Zusammenfassung

  • Das IANA-Register der IPv4-Adressräume führt zwei /8-Blöcke mit dem Datum 1993-05, die heute AFRINIC verwaltet, und daneben 041/8, das im April 2005 an AFRINIC zugeteilt wurde. Verwaltung und Zuteilung sind zwei verschiedene Beziehungen zum selben Adressraum.
  • Wer die Übergabe von RIPE NCC an AFRINIC liest, sollte deshalb auf die Spalten für Datum und Bezeichnung schauen: Was 2005 wechselte, war die Verwahrung der Datensätze – WHOIS, Reverse DNS und RDAP sind die Stellen, an denen diese Verwahrung sichtbar wird. Die Zuteilungsdaten von 1993 blieben, wie sie waren.

Zwei Zeilen, die nicht zusammenpassen wollen

Ein Register ist kein Erzähler. Es sortiert. Wer die Tabelle der IPv4-Adressräume bei der IANA öffnet, sieht Zeilen, die nach Präfix, Datum, Bezeichnung und zuständiger Registry geordnet sind, und genau diese Ordnung ist der eigentliche Text. In der Fassung, die hier als Auszug vorliegt (IANA-Register der IPv4-Adressräume), stehen fünf Zeilen mit AFRINIC-Bezug: 041/8 mit dem Datum 2005-04, 102/8 mit 2011-02, 105/8 mit 2010-11, dazu 154/8 und 196/8, beide mit 1993-05.

Die beiden letzten Zeilen sind die interessanten. Sie tragen nicht die Bezeichnung einer Zuteilung, sondern den Vermerk, dass AFRINIC sie verwaltet. Und sie tragen ein Datum, das älter ist als die Registry, die sie heute führt. Ein Mai 1993, in dem AFRINIC Adressen zugeteilt hätte, ist nach der Anerkennungschronologie, die die beiden RIPE-NCC-Darstellungen beschreiben, nicht denkbar; darum steht in der Zeile auch nicht „zugeteilt an", sondern „verwaltet von".

Was das Register selbst definiert

Der entscheidende Satz steht nicht in einer Resolution, sondern im Kopf derselben Tabelle. Der hier vorliegende Auszug ist anbieterseitig wiedergegeben: ein Zitat aus der Datei, keine Zeile-für-Zeile-Lesung des Originals. Dort heißt es zur Herkunft solchen Adressraums: „LEGACY: allocated by the central Internet Registry (IR) prior to the Regional Internet Registries (RIRs).

This address space is now administered by individual RIRs as noted, including maintenance of WHOIS Directory and reverse DNS records." Und, in derselben Definition, „Assignments from these blocks are distributed globally on a regional basis." Die Gegenkategorie ist knapper: „ALLOCATED: delegated entirely to specific RIR as indicated."

Das ist mehr als Terminologie. Die eine Definition beschreibt eine Delegation: Der Adressraum ist einer Registry übertragen, und diese Registry ist die Quelle der Entscheidung. Die andere beschreibt eine Verwaltung: Die Entscheidung fiel vor der Existenz der Regionalregistries, und die heutige Registry führt sie fort – ausdrücklich einschließlich der Pflege des WHOIS-Verzeichnisses und der Reverse-DNS-Datensätze. Ein Register, das solche Zeilen führt, unterscheidet also nicht zwischen wichtig und unwichtig, sondern zwischen „entschieden von" und „geführt von".

Die Arithmetik, die niemand bestreiten muss

Ein /8 enthält 16.777.216 IPv4-Adressen. 154/8 und 196/8 zusammen enthalten 33.554.432 Adressen, und jede davon trägt im Register den Mai 1993. 041/8 enthält 16.777.216 Adressen und trägt April 2005 – das früheste Zuteilungsdatum an AFRINIC unter den hier berichteten Blöcken. 33.554.432 ist ziemlich genau das Doppelte von 16.777.216.

Man kann diese Zahlen als Kuriosität lesen. Sinnvoller ist, sie als Größenordnung der Verwahrung zu lesen: Der Adressraum, den AFRINIC aus dem Jahr 1993 heraus verwaltet, ist doppelt so groß wie der erste Block, den das Register als an AFRINIC delegiert verzeichnet. Wer über afrikanische Adresspolitik spricht, spricht also überwiegend über Raum, dessen Zuteilungsentscheidung nicht bei AFRINIC lag – und dessen laufende Pflege sehr wohl.

Was die Übergabe belegt – und was nicht

Die Übergabe ist hier aus zwei Darstellungen des abgebenden Registers bekannt, nicht aus dem Instrument selbst. RIPE NCC schreibt in seiner Ankündigung, AFRINIC sei 2005 als Regional Internet Registry für Afrika anerkannt worden, und die Übergabe habe darin bestanden, die Verwaltung von IP-Adressraum für die afrikanische Region an AFRINIC zu übertragen (Ankündigung des RIPE NCC). In einer späteren Darstellung beschreibt sich RIPE NCC als de-facto-Registry für Afrika vor der Anerkennung im April 2005 und hält fest, dass Altregistrierungen bestehen blieben (spätere Darstellung des RIPE NCC). Beide sind hier als das zitiert, was RIPE NCC über sich selbst sagt.

Das ist eine belastbare Grundlage für eine Aussage über den Dienst, nicht für eine Aussage über jedes einzelne Datum. Die Übergabe beschreibt einen Wechsel in der Zuständigkeit für Adressraum und dessen Pflege. Sie beschreibt nicht, dass 1993 neu geschrieben wurde, und eine Zusage über die Vollständigkeit der migrierten Datensätze lässt sie nicht erkennen. Wer aus der Ankündigung ableitet, AFRINIC habe die afrikanischen Adressen „übernommen", übernimmt eine Formulierung, die der Registertext gerade nicht stützt: Übernommen wurde die Führung, nicht die Entscheidung.

Die stille Schieflage der Quellenlage

An dieser Stelle lohnt eine Beobachtung über das Material, nicht über die Beteiligten. Die Übergabe ist in dem, was diese Prüfung erreichen konnte, überwiegend durch die Erzählung des abgebenden Registers dokumentiert. Die empfangende Seite unterhält eine Seite, die sich an Halter von Legacy-Ressourcen richtet (Seite für Legacy-Halter bei AFRINIC); ihr Inhalt wurde in dieser Prüfung nicht erlangt. Die ICANN-Unterlagen vom 31. März 2005 stehen an den zitierten Adressen – eine Beschlussvorlage (ICANN-Beschlussvorlage vom 31. März 2005) und eine begleitende Pressemitteilung (ICANN-Pressemitteilung vom 31. März 2005) –, ihre operative Formulierung wurde hier ebenfalls nicht erlangt. Von sechs herangezogenen Quellen liegt damit eine als zitierfähiger Auszug vor, zwei als wiedergegebene Zusammenfassung, und drei sind identifiziert, ohne dass ihr Text hier erlangt wurde.

Dass ein Text in dieser Prüfung nicht erlangt wurde, ist eine Aussage über die Prüfung, nicht über die Existenz des Dokuments. Es bleibt aber eine strukturelle Eigenschaft des öffentlich greifbaren Materials: Die eine Seite beschreibt ihren Abschied, die andere beschreibt ihre Regeln für Altbestände, und die verbindende Akte liegt in einem Bestand, der hier nicht geöffnet werden konnte. Ein Leser, der wissen will, was 2005 wirklich vereinbart wurde, hat es mit einer Quellenlage zu tun, in der die Selbstbeschreibung des Abgebenden den Ton angibt.

Das ist kein Vorwurf; es ist der Grund, warum die Registerzeilen in diesem Text so viel Gewicht tragen. Sie sind die einzige Stelle, an der beide Daten ohne institutionelle Selbstdarstellung nebeneinander stehen.

Wo die Verwahrung tatsächlich anfasst

Die Definition nennt zwei Pflichten, und beide sind praktisch überprüfbar: die Pflege des WHOIS-Verzeichnisses und die Reverse-DNS-Datensätze. Für den Halter einer Adresse ist das die entscheidende Ebene. Ein Zuteilungsdatum sagt ihm, wann eine Entscheidung fiel. Ein WHOIS-Eintrag sagt ihm, wer heute als verantwortlich geführt wird, und eine Reverse-DNS-Delegation sagt ihm, wessen Zone die Zuordnung von Adresse zu Name trägt. Fällt eine dieser beiden Ebenen aus, merkt das der Betrieb innerhalb von Stunden – nicht das Register.

Das Register zeigt für AFRINIC eigene WHOIS- und RDAP-Handles; dort würden die genannten Pflegepflichten ausgeführt. Damit lässt sich die Übergabe präziser beschreiben, als es die Formel vom „Transfer" tut: Die administrativen Endpunkte, an denen Rechte an Adressen sichtbar werden, wechselten die Institution; die Zuteilungsentscheidung von 1993 wechselte nicht mit, und die Rechte der damaligen Empfänger wurden durch den Wechsel nicht neu begründet.

Die offene Flanke ist der Übergang, nicht das Datum

Aus dem Material dieser Prüfung ergibt sich eine Reihe von Fragen, die weder durch die Registerzeilen noch durch die beiden Selbstbeschreibungen beantwortet werden: ob Registrierungsobjekte während der Übergabe migriert, kopiert oder neu angelegt wurden; wie mit Adressübertragungen verfahren wurde; ob Zertifizierungsdienste und Reverse-DNS-Delegationen für die Blöcke mit dem Datum 1993 ohne Unterbrechung fortbestanden; wie viele Altregistrierungen afrikanische Organisationen halten; welche Regeln AFRINIC heute Legacy-Haltern setzt; und welche Summe an Adressraum in den Jahren 2004 und 2005 tatsächlich bewegt wurde.

Diese Punkte sind als Grenze dieser Prüfung festgehalten, nicht als Befund.

Deshalb bleibt die These eng: Die Übergabe hat die Verwahrung afrikanischer Adressdaten verschoben; die Daten selbst tragen weiterhin ihre alten Entscheidungsdaten. Wer daraus eine Bewertung ableiten will, sollte zwischen diesen beiden Ebenen unterscheiden, statt sie in einem Wort wie „abgeschlossen" zu verschmelzen. Die eine Ebene ist im Register nachlesbar. Die andere hängt an der Dokumentation des Übergangs.

Wie man das am Datum abliest

Ein Test genügt, um zu sehen, warum die Unterscheidung nicht akademisch ist. Man nehme an, ein Betreiber in Lagos prüft, ob die Adressen, die er von einem Vorgänger übernommen hat, sauber dokumentiert sind. Sieht er im Register ein Datum von 1993 mit dem Vermerk „verwaltet von AFRINIC", dann zeigt ihm das: Die Entscheidung ist alt, die Verwaltung ist neu, und die Belegkette beginnt nicht bei AFRINIC. Er wird deshalb nicht bei AFRINIC nach dem Ursprung fragen, sondern bei dem, was AFRINIC über Altbestände dokumentiert – und genau dort liegt die Lücke, die oben benannt ist.

Für die Registry ist die Lage spiegelbildlich unbequem. Sie führt Aufzeichnungen, deren Anfangsdatum sie nicht gesetzt hat, und sie muss für Rückfragen zu Entscheidungen geradestehen, die vor ihrer Anerkennung fielen. Der Registertext gibt ihr dafür eine klare Rolle, aber keine neue Begründungsmacht. Die Formel „verwaltet von" ist insofern eine der ehrlichsten Stellen im gesamten Adressverwaltungssystem: Sie behauptet keine Urheberschaft.

Was übrig bleibt

Alles, was über den Inhalt des Übergabedokuments, über die Behandlung von Übertragungen oder über die Fortdauer von Zertifizierungen gesagt werden könnte, wäre eine Vermutung mit institutionellem Klang; dieser Text sagt es deshalb nicht.

Was trägt, ist ein Befund, der ohne diese Dokumente auskommt: Zwei Achtelblöcke afrikanischen Adressraums tragen den Mai 1993 und werden heute von AFRINIC verwaltet; ein Achtelblock trägt April 2005 und wurde ihr zugeteilt. Die Übergabe von RIPE NCC betraf die Verwaltung, nicht diese Daten. Wer die beiden Ebenen auseinanderhält, liest das Register richtig; wer sie verschmilzt, schreibt 1993 der falschen Institution zu.

Der Verzeichniseintrag zu diesem Vorgang, einschließlich der dort geführten Angaben, findet sich im Verzeichniseintrag Nur für Strategic Circle.