Zusammenfassung

  • 2CRSi beziffert das mögliche Umsatzpotenzial des ersten Aether-Ausbaus im Geschäftsjahr 2026/27 auf mehr als eine Milliarde Euro. Einen entsprechenden Auftrag hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
  • Für das frühere Dumarey-Powerglide-Werk bestehen ein Kaufversprechen und ein Mietvertrag für verfügbare Flächen. Eigentumsübergang, Genehmigungen, Strom und Geräteauslieferung sind getrennte Schritte.
  • 2CRSi strebt im selben Geschäftsjahr auch insgesamt eine Milliarde Euro Konzernumsatz an. Die öffentlichen Angaben erklären nicht, wie sich dieses Ziel und das standortbezogene Potenzial überschneiden.

Das Potenzial braucht erst noch Verträge

2CRSis Mitteilung vom 12. Oktober verbindet eine große Umsatzschätzung mit einem frühen Immobilientermin. Aether Infrastructures unterzeichnete am 9. Oktober ein vorläufiges Kaufversprechen für das frühere Dumarey-Powerglide-Industriegelände im Straßburger Hafenviertel Port du Rhin. 2CRSi ist Mitglied des Konsortiums und vorgesehener Serverlieferant. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte der Ausbau der anfänglichen Rechenkapazität der AI Factory dem Konzern im Geschäftsjahr 2026/27 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz bringen.

Zum Vergleich: 2CRSi meldete für 2025/26 416,2 Millionen Euro Umsatz, nach 220,7 Millionen Euro im Vorjahr. Der Standortwert übersteigt damit das 2,4-Fache des jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahres. Das zeigt die Größenordnung, nicht die Wahrscheinlichkeit. Die Mitteilung nennt weder Serverzahlen noch Stückpreise, Auftragswerte, Margen, Anzahlungen, Liefertermine oder Abnahmekriterien. „Potenzial“ ist daher nicht dasselbe wie ein gebuchter Auftrag oder Umsatz.

Auch der Grundstückskauf ist noch nicht abgeschlossen. 2CRSi bezeichnet die Unterschrift als weiteren Schritt im Erwerbsprozess. Ein Mietvertrag erlaubt die Nutzung bereits verfügbarer Bereiche ab dem 15. Oktober. In einer Mitteilung vom August nannte das Unternehmen den 31. Dezember als unverbindliches Ziel für den endgültigen Kaufvertrag. Das Gelände umfasst ungefähr 90 Hektar und 110.000 Quadratmeter Gebäude; Fläche allein belegt keine Bestellung von Servern.

Die öffentlich genannten Standortcodes widersprechen sich. 2CRSi bezeichnet das ehemalige Dumarey-Powerglide-Werk in den Mitteilungen vom August und Oktober als FR-SXB2. DCD nannte in seinem Bericht vom 14. Oktober dieselbe frühere Getriebefabrik FR-SXB1 und beschrieb FR-SXB2 als einen weiteren Standort. 2CRSi hatte im August eine Anteilsübernahme bei FR-SXB1 von einem Asset Deal für FR-SXB2 unterschieden. Eine öffentliche Erklärung für die abweichende Benennung fand sich nicht; deshalb verwendet dieser Bericht den Standortnamen statt einen Code als geklärt darzustellen.

25 Megawatt sind eine Ausgangslage, keine Umsatzformel

Laut 2CRSis August-Mitteilung stehen am Standort 25 MW Leistung zur Verfügung. Mehr Kapazität hängt davon ab, was der Netzbetreiber zusätzlich bereitstellen kann. Im Oktober nannte das Unternehmen gesicherte Versorgung, Speicher und eine Biomasse-Thermolyseanlage als Lösungen, die noch geprüft würden. Sie sind keine bereits angeschlossenen zusätzlichen Megawatt.

Die veröffentlichte Schätzung verknüpft die 25 MW nicht mit Servermengen oder Umsätzen. Aether plant drei Einheiten: Aether Utilities für Energie, Aether Facilities für Campus und Gebäude sowie Aether Compute für den Betrieb der AI Factory. Das vorgesehene Angebot umfasst Rechenzentrumsdienste, dedizierte Bare-Metal-Server und Cloud. Das sind mögliche Betriebserlöse. Die >1-Milliarde-Euro-Schätzung von 2CRSi betrifft dagegen den Konzern als Ausrüster. Die Angaben lassen zudem offen, welcher Anteil auf den Campus und welcher auf Module für externe Kunden entfällt.

Zwei Milliarden-Zahlen im selben Geschäftsjahr

Bereits im Juli bestätigte 2CRSi das Ziel von einer Milliarde Euro Konzernumsatz für 2026/27. Im Oktober schätzte das Unternehmen das Potenzial des ersten Aether-Ausbaus allein auf mehr als eine Milliarde Euro für dasselbe Geschäftsjahr, das Ende Juni 2027 endet. Die öffentlichen Angaben sagen nicht, ob die Standortschätzung in der Konzernambition enthalten ist, zu ihr beitragen soll oder einen anderen Umfang hat. Beide Zahlen zu addieren, wäre unbelegt.

Ein früheres Beispiel der Firma macht die zeitliche Trennung sichtbar: Im Juli erklärte 2CRSi, dass ein separates Rahmenabkommen über 610 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025/26 keinen Umsatz erzeugt habe. Der damalige Zuwachs stammte aus anderen ausgelieferten und fakturierten Aufträgen. Das war kein Aether-Vertrag und sagt nichts über künftige Aether-Käufe aus. Es zeigt lediglich, warum Rahmenvereinbarungen und realisierte Lieferungen nicht gleichgesetzt werden sollten.

Ein kleinerer Dienstleistungsumsatz ist dagegen bereits offengelegt. 2CRSi teilte mit, Aether Infrastructures im Geschäftsjahr 2025/26 Dienstleistungen über 629.760 Euro netto in Rechnung gestellt zu haben. Die Governance-Mitteilung vom 5. August bezeichnete Holding Alain Wilmouth als Präsidentin und Alleingesellschafterin von Aether Infrastructures. Diese Angaben beschreiben den kommerziellen und gesellschaftsrechtlichen Zusammenhang, legen aber keine Serverbestellung oder deren Konditionen offen.

Das europäische Vergabeverfahren ist ein eigener Schritt

Am 15. Oktober war der EuroHPC-Aufruf für AI Gigafactories noch offen; die Frist endete am 3. Dezember. Gesucht werden Konsortien, die Anlagen errichten und betreiben, aus denen die öffentlichen Auftraggeber Rechenzugang erwerben. 2CRSi erklärte im August, Aether wolle sich bewerben. In den geprüften Quellen war noch keine Vergabe an Aether belegt.

Eine Auswahl könnte die Nachfrageperspektive des Betreibers verbessern. Sie legt jedoch nicht die Kaufbedingungen für Server zwischen Aether und 2CRSi fest. Grundstücksübertragung, Genehmigungen, Strom, Komponenten, Fertigung, Lieferung und Abnahme bleiben weitere Stationen. 2CRSi warnt selbst, dass Genehmigungs- oder Komponentenverzögerungen Teile oder sämtliche Lieferungen über das Ende des Geschäftsjahres im Juni 2027 hinausschieben könnten.

Die aussagekräftigsten nächsten Dokumente wären der endgültige Kaufvertrag, tatsächlich zusätzlich zugesagte Netzleistung, das Ergebnis des EuroHPC-Verfahrens und ein verbindlicher Serverauftrag mit Mengen, Preisen, Terminen und Abnahmeregeln. Zum Stichtag belegen die öffentlichen Angaben ein Kaufversprechen, einen Mietvertrag, 25 MW verfügbare Leistung und eine hohe Umsatzschätzung. Die Aufträge und Lieferungen, die daraus Umsatz machen würden, sind noch nicht offengelegt.

Quellen