Zusammenfassung

  • Microsoft hat Windows CLAT für Windows 11 Client 25H2 ab Build 26200.9550 allgemein verfügbar gemacht. Die Konfigurationsermittlung könne bei fehlender IPv4-Verbindung oder nach DHCPv4-Option 108 beginnen.
  • Auf der RIPE 93 sagte Wilhelm Boeddinghaus, Option 108 aktiviere WinCLAT. Ohne Antwort des DHCPv4-Relays zeige Windows einen APIPA-Fehler. Einen lokalen Dienst, der nur Option 108 und keine IPv4-Adresse vergibt, wollte er noch mit Windows testen.

Einordnung

Ein altes Fachprogramm, das nur IPv4 spricht, wird durch die Umstellung eines Büros auf IPv6-only nicht automatisch modern. Damit es weiter einen IPv4-Dienst erreicht, braucht der Windows-Client CLAT. Die Funktion übersetzt den IPv4-Verkehr des Programms in IPv6; NAT64 im Netz führt ihn zum IPv4-Ziel. Genau hier wird die Startfrage praktisch: Der Übersetzer muss aktiv sein, und sein Signal muss den Client erreichen.

Microsofts Ankündigung vom 27. Oktober nennt Windows 11 Client 25H2 ab Build 26200.9550. Die Konfigurationsermittlung könne starten, wenn IPv4-Konnektivität fehle oder DHCPv4-Option 108 IPv6-only signalisiere. Zwei Tage später sagte Boeddinghaus in der IPv6-Arbeitsgruppe der RIPE, WinCLAT sei aus der Vorschau heraus, müsse aber noch eingerichtet werden. Er nannte netsh und die Gruppenrichtlinie von Active Directory; eine grafische Einstellung gab es damals nicht.

Option 108 ist eine DHCPv4-Antwort. Sie teilt einem passenden Client mit, dass er für eine begrenzte Zeit keine IPv4-Adresse beziehen muss. Zuvor müssen Anfrage und Antwort zwischen Client und DHCPv4-Server ankommen.

Dort hakt der Umzug: Der PC steht bereits in einem IPv6-only-Büro, der zentrale DHCPv4-Server läuft aber weiter im IPv4-Netz. Wie gelangen Anfrage und Option-108-Antwort über diese Lücke? Boeddinghaus nannte drei Wege: einen IPv4-Tunnel, den er unattraktiv fand; DHCPv4 über DHCPv6 nach RFC 7341 mit Relay-Unterstützung nach RFC 9928; oder einen zustandslosen lokalen DHCPv4-Dienst auf jedem Switch, der nur Option 108 und keine IPv4-Adresse ausgibt.

Der lokale Dienst war auf Windows noch nicht geprüft. Laut Boeddinghaus funktionierte er mit einem anderen Client; Tests mit Windows-Versionen standen aus. In der Fragerunde ging es um die Frage, ob Windows CLAT ohne DHCPv4-Antwort einfach starten könne. Boeddinghaus sagte, Windows werte die danach auftauchende APIPA-Adresse als Fehler und starte den Übersetzer nicht. Das Transkript nennt weder die getestete Build noch einen Paketmitschnitt.

Microsoft spricht von „Konfigurationsermittlung“, Boeddinghaus von Option 108 als Startsignal für WinCLAT. Das könnte zwei Schritte beschreiben: erst den Übersetzer aktivieren, dann das NAT64-Präfix suchen. Auch andere Builds oder Bedingungen könnten eine Rolle spielen. Der öffentliche Mitschnitt zeigt nicht, was die unterstützte Windows-Version tut, wenn DHCPv4 gar nicht antwortet.

Für den Betreiber ist das die Frage vor dem IPv4-Rückfalltimer. Vor dem Abschalten des Relays sollte er auf der geplanten Build DHCPDISCOVER und Option-108-Antwort, den IPv4-Status, die NAT64-Präfixsuche und den CLAT-Status mitschneiden. Danach folgt der Test mit dem alten IPv4-Programm. Startet CLAT auch ohne Antwort, gehören die Bedingungen in die Dokumentation. Andernfalls muss DHCPv6-Transport oder ein lokaler Switch-Dienst das Signal liefern.

Quellen