Zusammenfassung
- Der Gateway Internet Access Service (GIAS) verband ein internationales Gateway mit einem inländischen Zugangssystem aus Telefonleitungen, Standleitungen und dem öffentlichen Datennetz I-NET des Department of Telecommunications (DoT).
- Die Quellen zeigen mehrere Teile dieses Systems, belegen aber nicht, dass jede angekündigte Verbindung jedem Kunden tatsächlich zur Verfügung stand.
Das Gateway war nur ein Ende der Verbindung
Im August 1995 begann Videsh Sanchar Nigam Limited (VSNL), Indiens staatlicher Anbieter internationaler Telekommunikation, Internet kommerziell anzubieten. Später nahm das Unternehmen den Namen Tata Communications an. Beim genauen Startdatum weichen die Quellen um einen Tag voneinander ab. T. C. James, ein indischer Regierungsbeamter, nannte in einem Beitrag für ein WIPO-Seminar von 1998 den 15. August; auch die spätere Chronik der Telecom Regulatory Authority of India (TRAI) verwendet dieses Datum. The Indian Techonomist berichtete am 14.
August vom Start, erklärte aber, eine Einschätzung des tatsächlichen Dienstes sei erst nach dem Feiertag am 15. möglich. Die Belege verorten den Beginn um den Unabhängigkeitstag; sie dokumentieren nicht die erste erfolgreiche Verbindung eines Kunden.
„Gateway“ bezeichnete den internationalen Übergang. Eine Auslandsverbindung brachte noch keine Leitung in die Wohnung, keinen Anschluss an die örtliche Vermittlungsstelle und keinen Transport aus einer entfernten Stadt bis zu einem VSNL-Knoten. Dafür waren weitere Netze, Technik und Betreiber nötig.
Für Kunden führte der Weg weiter durchs Land
Ein zeitgenössischer Bericht über die VSNL-Mitteilung sagte, GIAS solle zunächst in Bombay, Delhi, Kalkutta und Madras verfügbar sein; Pune und Bangalore sollten folgen. Nutzer an anderen Orten sollten über I-NET, das öffentliche X.25-Datennetz des DoT, mit Standleitung oder vergünstigtem Wählzugang zum Dienst gelangen. Der Bericht erwähnte zudem, VSNL werde für Standleitungen mit dem Telefonmonopol zusammenarbeiten. Das ist die Beschreibung eines angekündigten Angebots, kein unabhängiger Nachweis für den Betrieb jeder Stadtverbindung. The Indian Techonomist, 14. August 1995
Ein Kunde brauchte mehr als internationale Kapazität. Computer und Modem mussten an eine Telefonleitung; der Anruf musste einen Zugangsknoten erreichen; das inländische Netz musste ihn bis zum Gateway weiterleiten. Eine Standleitung ersetzte den Wählanruf, blieb aber von dem Telekommunikationsanbieter abhängig, der sie bereitstellte. Der internationale Charakter des Dienstes beseitigte diese lokalen Voraussetzungen nicht.
Zwei Angaben zur Reichweite, keine gemeinsame Karte
Der Economic Survey 1996–97 der indischen Regierung berichtete, dass Internetdienste von DoT und VSNL zehn Städte abdeckten. Im nächsten Satz behandelte er INET gesondert: Das öffentliche Datennetz war auf 25 von 89 geplanten Städten ausgebaut. Außerdem erwähnte der Bericht den Zugang über STD-Telefone im ganzen Land. Die Zahlen erfassen verschiedene Dinge: zehn Städte mit Internetdiensten und 25 Städte im INET-Ausbau. Keine Zahl ist eine geprüfte GIAS-Kundenzahl oder ein Nachweis zuverlässiger Zugangspunkte. Economic Survey 1996–97, Kapitel 9
Getrennt betrachtet erklären die Angaben die Funktion des Gateways. Auch wer außerhalb eines Hauptknotens wohnte, konnte sich über das öffentliche Datennetz dem Internet nähern. Der Weg durchlief mehrere Netze und Zuständigkeitsbereiche.
Ein Artikel in Yojana beschrieb GIAS 1999 rückblickend als Dienst über normale Telekommunikationsleistungen, mit Wählzugang oder Standleitung. Die Internetknoten in den Metropolen seien über DoT-Fernverbindungen an den Hauptknoten angeschlossen gewesen. Die Angaben zu frühen Kunden und Kapazitäten sind rückblickend und kein einheitliches Betriebsregister. Die Beschreibung der Leitungen macht die Abhängigkeit von Telefonie und innerindischem Transport jedoch deutlich. Yojana, April 1999
Neue Gateways bauten keine lokale Leitung
James bezeichnete 1998 ein nationales Telekommunikations-Backbone und ausreichend Telefonleitungen als Prioritäten für den Ausbau des Internets. Die spätere TRAI-Chronik hält fest, dass die Regierung im November 1998 privaten Anbietern Internetdienste erlaubte, ihnen freie Tarifgestaltung einräumte und eigene internationale Gateways zuließ. Die Zugangsregeln änderten sich; innerstädtische und interurbane Verbindungen sowie Teilnehmerleitungen mussten weiterhin gebaut und betrieben werden. James, WIPO-Beitrag, April 1998 · TRAI, Empfehlungen zu Breitband, 2008
GIAS war ein Dienst aus mehreren Abschnitten: internationaler Transit, inländischer Transport und schließlich eine Telefon- oder Standleitung bis zum Nutzer. Wer Zugang messen will, braucht Belege für jeden Abschnitt. Die Eröffnung eines Gateways sagt nicht, wie viele Menschen es erreichten, wie stabil die Verbindung war oder was der lokale Anschluss kostete.
Quellen
- T. C. James, „The Internet as a Challenge for Intellectual Property Protection: An Indian Perspective“, WIPO, April 1998
- The Indian Techonomist, „VSNL starts India’s first Internet service today“, 14. August 1995
- Indische Regierung, Economic Survey 1996–97, Kapitel 9
- Yojana, April 1999, Abschnitt „GIAS“
- TRAI, Recommendations on Broadband, 2008
- Tata Communications, FAQ zur Unternehmensgeschichte
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