Zusammenfassung
- RFC 1063 definierte die je vier Byte langen Optionen Probe MTU (11) und Reply MTU (12), um die kleinste MTU eines IPv4-Pfads zu ermitteln und zurückzusenden.
- RFC 1191 ersetzte diese Fortschreibung auf dem erfolgreichen Pfad durch eine Fehlermeldung: DF und ICMP Typ 3, Code 4 mit der Next-Hop MTU.
Der Absender setzte das Zwei-Byte-Feld der Probe zunächst auf die MTU seines direkt angeschlossenen Netzes. Jedes Gateway verglich diesen Wert mit der MTU des eingehenden und des ausgehenden Links. War eine davon kleiner, schrieb es den niedrigeren Wert in die Option. Auch der Zielhost prüfte den eingehenden Link und konnte den Wert auf die größte von ihm akzeptierte Datagrammgröße senken.
Mehr brauchte das Format nicht: ein Typbyte, ein Längenbyte mit dem Wert vier und zwei Byte für die MTU. Option 11 sammelte das Minimum, Option 12 brachte es zurück. Im bevorzugten IP-Schicht-Modell von RFC 1063 löste eine empfangene Probe genau eine Reply-Option in einem Rückpaket aus; danach wurde der zwischengespeicherte Wert verworfen.
Damit wurde Messarbeit Teil der Weiterleitung. RFC 1063 wies offen darauf hin, dass Gateways beim Verarbeiten von IP-Optionen womöglich noch nicht beide Schnittstellen kannten. Die Unterstützung konnte deshalb erhebliche Softwareänderungen verlangen. Zur Begrenzung des Aufwands sollte eine Probe ungefähr einmal pro Umlaufzeit gesendet werden, nicht in jedem Datagramm.
Auch das Anheben des Cachewerts war absichtlich träge. Ein kleineres Ergebnis galt sofort. Ein größeres sollte erst übernommen werden, wenn die alte Schätzung gealtert war; wechselnde Routen konnten sonst das Minimum ständig hin und her bewegen.
RFC 1191 erklärte RFC 1063 formell für obsolet und verlegte die Beobachtung an den Fehlerpunkt. Der Host setzte Don't Fragment. Traf ein zu großes Datagramm auf einen schmaleren nächsten Link, verwarf der Router es und sandte ICMP Destination Unreachable, Typ 3, Code 4. Die unteren 16 Bit eines zuvor ungenutzten Feldes enthielten nun die größte ohne Fragmentierung weiterleitbare Datagrammgröße; die oberen 16 Bit blieben null.
Für Router war dieses Feld laut RFC 1191 die einzige erforderliche Änderung. Erfolgreiche Pakete mussten kein laufendes Minimum mehr tragen. Der Host übernahm jedoch mehr Verantwortung: Er musste auch alte ICMP-Antworten mit einem Nullwert verarbeiten, Verringerungen schnell erkennen und Erhöhungen nur selten erproben.
RFC 7126 führte Probe und Reply MTU 2014 als obsolet, beschrieb manipulierte Schätzwerte als Leistungsrisiko und empfahl, Pakete mit diesen Optionen zu verwerfen. Daraus folgt keine belastbare Aussage über die frühere Verbreitung. Belegt sind die Spezifikation, der architektonische Wechsel und die spätere Betriebsempfehlung.
Quellen
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