Zusammenfassung
- Die geplante Verzweigung von TAT-8 machte die europäischen Landepunkte zu einer physischen und geschäftlichen Entscheidung: Die Verbindung sollte New Jersey mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich verbinden; ein spanischer Zweig hätte die Zustimmung aller Miteigentümer erfordert.
- Optische Kapazität war kein offener Gemeingut-Pool für beliebige Netze. Die Eigentümer reservierten Kapazität nach ihren Prognosen; Nicht-Eigentümer waren auf Überschüsse oder einen genehmigten Mietvertrag angewiesen.
Der Abzweig am Meeresboden legte die Karte fest
Eine Kabelroute kann auf einer Karte unvermeidlich wirken. Der TAT-8-Entwurf von 1984 zeigt, dass sie es nicht war. Eine Studie des kanadischen Kommunikationsforschungszentrums beschrieb einen Atlantikstrang von Tuckerton in New Jersey bis zu einer Unterwasser-Verzweigung nahe dem europäischen Kontinentalschelf. Von dort sollten zwei Äste weiterführen: nach Widemouth in England und nach Penmarc’h in Frankreich. Das Konsortium hatte zusätzliche Abzweige nach Kanada, Spanien und Portugal verworfen. Spanien blieb eine mögliche spätere Erweiterung, allerdings nur mit Zustimmung aller Miteigentümer.
Diese Verzweigungseinheit war kein IP-Router. Sie teilte ein physisches Übertragungssystem und die Kapazität, die den jeweiligen Strecken zugeordnet wurde. Das ist ein wichtiger Unterschied: Internetprotokolle können zwischen Routen wählen, die Betreiber bereitgestellt haben. Sie können aber weder einen Landepunkt noch ein Faserpaar erzeugen, das die Eigentümer nicht gebaut und zugeteilt haben. Bei TAT-8 stand die Geografie vor dem Routing.
Ein Atlantiksystem, drei Lieferanten
Die Studie von 1984 ordnete den langen US-Strang AT&T, den britischen Ast STC und den französischen Ast Submarcom zu; AT&T sollte außerdem die systemweite Kompatibilität überwachen. Robert Paskis technischer Beitrag von 1989 berichtet, dass die Eigentümer TAT-8 nach drei Angeboten in drei getrennt zu liefernde Teilstrecken aufteilten. Das Kabel war eine einzige Route und zugleich eine ausgehandelte Grenze zwischen Lieferanten.
Die Aufteilung verteilte den Bau auf Unternehmen mit unterschiedlichen nationalen und technischen Interessen, schuf aber an den Übergängen Integrationsarbeit. Der optische Pfad musste sich wie ein einziges Kommunikationssystem verhalten, obwohl kein Lieferant alle Abschnitte herstellte. Das ist eine andere Koordination als bei einem Internetstandard: Physische Geräte und Dienstverträge müssen zusammenpassen, bevor ein Protokoll auf einer höheren Ebene gewählt werden kann.
Digital heißt nicht Internet
TAT-8 ging im Dezember 1988 als digitales Kabel für allgemeine Kommunikation in Betrieb. Zeitgenössische Berichte nannten Sprache, Computerdaten und Video; der technische Beitrag von 1989 bezeichnete es als erstes digitales transozeanisches Glasfasersystem. Daraus folgt weder, dass das Kabel selbst ein Internetprotokoll war, noch welche IP-Leitungen es später nutzten. „Digital“ beschreibt die Übertragung, nicht die Anwendung oder das Netzwerkprotokoll auf einer gemieteten Leitung.
Der CERN-Jahresbericht 1989 liefert einen vorsichtigen Vergleich: Er vermerkt eine bestellte 1,5-Mbit/s-Verbindung von NSFnet über Cornell, finanziert von IBM. Eine spätere CERN-Geschichte ordnet diese Verbindung der Entwicklung von EASInet und dem europäischen Internet zu. Der Jahresbericht nennt jedoch kein Unterseekabel für diese Leitung. Deshalb wird sie hier nicht als TAT-8-Verbindung bezeichnet. Die Quellen belegen, dass in derselben Zeit eine schnelle akademische Verbindung vorbereitet wurde, aber nicht ihren genauen Verlauf am Meeresboden.
Die Kapazität hatte Eigentümer, bevor sie Nutzer hatte
Die FCC-Entscheidung von 1984 behandelte Kapazität als Vermögenswert, der zwischen Miteigentümern aufgeteilt wurde. Ihre Anteile richteten sich nach prognostiziertem Bedarf für 1988 bis 1995. Der Antrag sah keinen gemeinsamen US-Kapazitätspool zur späteren Verteilung vor: Nicht-Eigentümer konnten Überschüsse über den Gesamtbedarf der Eigentümer hinaus anfragen; die Übertragung oder Vermietung gemeinsam gehaltener Kapazität erforderte die Zustimmung des betroffenen Miteigentümers. Ein gemeinsam genutztes Kabel war nicht automatisch für alle offen.
Diese Unterscheidung hilft, TAT-8 in der Internetgeschichte einzuordnen. Protokolle erlauben unabhängigen Systemen den Zusammenschluss, ohne dass eine zentrale Stelle den gesamten Verkehr steuert. Das Kabel darunter braucht dennoch Kapital, Landegenehmigungen, abgestimmte Lieferantenschnittstellen und Kapazitätsrechte. TAT-8 erfand nicht die dezentrale Architektur des Internets. Es macht einige konzentrierte Infrastrukturentscheidungen sichtbar, die diese Architektur nicht aufheben konnte.
Primärquellen
- John Lit, Study of the Activities in Fiber Optics in Canada (1984)
- R. M. Paski, “The TAT-8 undersea cable system” (1989)
- FCC, American Telephone and Telegraph Company et al., 98 FCC 2d 440 (1984)
- FCC, Trans-Ocean Fiber Optic Cable Capacity (2001)
- The Los Angeles Times, Bericht zur Inbetriebnahme von TAT-8 (14. Dezember 1988)
- CERN, Annual Report 1989, Volume 2
- Olivier Martin, “Gigabits, the Grid and the Guinness Book of Records” (2004)
- Lu Heng, Notiz 64 — Minimum Initial Specification, Localized Future Decision, and Voluntary Adoption
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