Zusammenfassung

  • Die am 10. September angekündigte Partnerschaft erschließt öffentliche Auftraggeber über Carahsofts Händlernetz und mehrere Beschaffungswege.
  • Neue Behördenaufträge mit Auftragswerten oder unabhängig gemessene Zustellergebnisse in Notfällen wurden nicht veröffentlicht.

Ein Kommunikationsdienst muss zunächst durch den Einkauf, bevor er Teil des Arbeitsalltags einer Leitstelle werden kann. Die Vereinbarung zwischen Syniverse und Carahsoft erleichtert vor allem diesen ersten Schritt. Ob daraus belastbare Abläufe entstehen, entscheidet sich später.

Laut der Mitteilung vom 10. September übernimmt Carahsoft den Vertrieb an den öffentlichen Sektor über seine Wiederverkäufer. Genannt werden GSA Schedule, NASA SEWP V, ITES-SW2, NASPO ValuePoint und OMNIA Partners. Das sind Beschaffungswege, keine Liste neu gewonnener Behördenprojekte. Einen neuen Auftragswert oder einen einheitlichen Dienstetarif nennt die Mitteilung nicht.

Was die Nachrichtenzustellung leisten soll

Zum Angebot gehören das private IPX-Netz von Syniverse und der Emergency Messaging Service, kurz EMS. Die Produktdarstellung von Carahsoft beschreibt EMS als unter fremder Marke nutzbares Nachrichten-Gateway auf einer vom öffentlichen Internet getrennten Infrastruktur. Sie wirbt mit bevorzugter Verarbeitung und der Vermeidung von Spamfiltern der Mobilfunkanbieter. Die neue Mitteilung nennt zudem geografisch abgegrenzte Gruppenkommunikation für Einsatzteams.

Das sind Leistungsbeschreibungen der Anbieter. Daraus folgt nicht, dass ein Endgerät ohne nutzbaren Netzzugang erreichbar wäre. Ebenso wenig bedeutet die Annahme einer Nachricht am Gateway, dass ein Mensch sie gelesen oder darauf reagiert hat. Ein privater Transportabschnitt kann eine Abhängigkeit verringern, ohne die gesamte Kette zwischen Leitstelle und Einsatzkraft unabhängig zu machen.

Bereits die Produktseite beschreibt bestehende Anwendungen in der öffentlichen Sicherheit. Die Partnerschaft belegt also keinen erstmaligen Einstieg von Syniverse in Notfallkommunikation. Der Lösungskatalog führt IPX-Signalisierung, den cloudbasierten CPaaS Concierge und mobile Nachrichten als unterschiedliche Angebote auf. Ein gemeinsamer Katalog ist weder ein automatisch vollständiges Leistungspaket noch ein einheitliches Güteversprechen für alle Produkte.

Der einzelne Auftrag bleibt entscheidend

Die Syniverse-Beschaffungsseite bestätigt mehrere Wege für Bundesbehörden sowie bundesstaatliche und lokale Stellen. Sie legt jedoch nicht allein fest, wer ein bestimmtes Verfahren nutzen darf, welche Leistung eine Bestellung umfasst oder was sie kostet.

Eine veröffentlichte Rahmenvereinbarung für Dienste zeigt, wo weitere Festlegungen nötig sind. Sie nennt Syniverse Technologies, LLC als Anbieter und verweist für Preise und Bedingungen auf dienstespezifische Anlagen. Zu den Kundenpflichten gehört auch die Mitwirkung an Schnittstellen sowie betroffenen Einrichtungen oder Betriebsabläufen. Das allgemeine Dokument beweist keinen unterzeichneten EMS-Auftrag und keine identischen Bedingungen für sämtliche angekündigten Beschaffungswege.

Ein Vertriebspartner kann Produktsuche und Bestellung unterstützen. Wer Empfängerlisten aktuell hält, Leitstellensoftware anbindet, Zustellung testet und bei Störungen die Eskalation übernimmt, ist damit noch nicht beantwortet. Diese Aufgaben gehören zur Kosten- und Verantwortungsrechnung einer Einführung. Die Vertriebsmeldung ist kein Nachweis, dass sie bereits erledigt sind.

Die geschäftliche Chance liegt darin, einen bestehenden Dienst für öffentliche Käufer leichter zugänglich zu machen. Aussagekräftiger als die Zahl der Katalogeinträge wäre nun ein klar umrissener Dienst, der unter nachvollziehbaren Verpflichtungen tatsächlich eingesetzt wird.