Zusammenfassung

  • SwissIX bietet unter bestimmten Bedingungen einen Reserveport an einem anderen Kernstandort. Die erlaubte Gesamtauslastung richtet sich weiterhin nach den bezahlten Ports.
  • Die Route-Server-Dokumentation ist öffentlich. Sie erklärt einen weiteren Unterschied: Ein funktionierender Anschluss garantiert noch keine akzeptierte Route.

Wer zwei Ports mit je 10G bestellt, erwartet vielleicht 20G. Beim kostenlosen Reserveport von SwissIX wäre diese Rechnung falsch. Das veröffentlichte Beispiel verlangt für einen bezahlten 10G-Port und seinen gleich schnellen Ersatzanschluss zusammen weniger als 8G Verkehr. Die zusätzliche Buchse soll Ausfallsicherheit schaffen, nicht die gekaufte Kapazität verdoppeln.

Die allgemeine Bedingung lautet: Für einen bezahlten Port an einem Kernstandort kann ein gleichwertiger Reserveport an einem anderen Kernstandort bereitgestellt werden; die aggregierte Spitzenauslastung muss unter 80 Prozent der Kapazität der bezahlten Ports bleiben. Damit wird eine Einkaufsentscheidung zur Planungsfrage. Wie viel Luft bleibt, wenn ein Anschluss ausfällt?

SwissIX beschreibt sich als nicht gewinnorientierten Verein mit Präsenz in acht Schweizer Rechenzentren. 400G-Ports nennt der Betreiber für Colozueri.ch, Digital Realty ZUR1 und Equinix ZH4. Die Bezeichnung als grösster Schweizer Internetknoten nach Portkapazität und Bandbreite ist eine eigene Angabe; eine unabhängige Rangliste wurde hier nicht ermittelt.

Die schnelle Buchse hat einen eigenen Preis

Auch ohne Reserveport lohnt ein zweiter Blick in den Tarif. Seit Juli 2026 stehen für einen 400G-LR4-Port monatlich 1.000 Schweizer Franken in der Tabelle. Der volle 400G-Dienst kostet weitere 3.100 Franken. Die Summe von 4.100 Franken versteht sich vor Mehrwertsteuer und sonstigen anwendbaren Kosten, nicht als Komplettpreis für die Anbindung. Den Cross-Connect bestellt das angeschlossene Netz beim Rechenzentrum; an Equinix-Standorten kommt ein Portzuschlag hinzu.

Auf dem 400G-Port lassen sich auch niedrigere Dienste mit Burst-Möglichkeit buchen. Das kann Wachstum erleichtern. Es bedeutet aber, dass zwei Angebote mit derselben Portgeschwindigkeit keineswegs dieselbe Leistung verkaufen.

Welche Ziele darüber erreichbar werden, entscheidet sich beim Routing. SwissIX veröffentlicht im Route Server Guide AS42476 und die IPv4-Adressen der beiden Server, 91.206.52.252 und 91.206.53.253. Die Parameter sind öffentlich, nicht nur im Mitgliederportal verfügbar. Sie sind allerdings keine vollständige Aufstellung sämtlicher Nummernressourcen des Vereins.

Der Route-Server vermittelt Erreichbarkeitsinformationen. Die Nutzdaten laufen zwischen den Routern der angeschlossenen Netze über die Switching-Infrastruktur. RFC 7947 trennt diese Aufgaben ausdrücklich. Ein transparenter Route-Server fügt seine eigene AS-Nummer normalerweise nicht in den AS_PATH ein. Wer sie dort nicht findet, hat damit noch keine Nichtnutzung des Internetknotens nachgewiesen.

Die veröffentlichte Filterpolitik hat handfeste Folgen. Bei gewöhnlichen Routen wird ein RPKI-Invalid-Ergebnis abgelehnt; bei NotFound hängt die weitere Entscheidung von IRR-Daten ab. Zusätzlich gelten andere Prüfungen. Ein Link kann also technisch einwandfrei sein, während eine benötigte Route abgewiesen wird. Mehr Portkapazität beseitigt keine falsche Ursprungsautorisierung.

Über die öffentliche Looking-Glass-Beschreibung verweist SwissIX zudem auf Suchmöglichkeiten und Ablehnungsgründe. Für diesen Bericht wurden keine Live-Abfragen oder unabhängigen Verkehrsmessungen vorgenommen. Dokumentierte Einsehbarkeit ist nicht dasselbe wie ein nachgewiesenes Leistungsniveau.

Korrektur vom 25. Oktober 2026: Die frühere Fassung bezeichnete Route-Server-Parameter und Routing-Dokumentation fälschlich als nicht öffentlich. Der offizielle Leitfaden und die Looking-Glass-Beschreibung sind öffentlich zugänglich. Auch die Vermischung von Routenvermittlung und Pakettransport wurde korrigiert. Wann die Dokumente erstmals erschienen, ist nicht festgestellt.