Zusammenfassung

  • draft-ietf-mpls-stamp-pw-21 hält fest, dass Rate Limiting auf dem Punt-Pfad von echtem Netzverlust ununterscheidbar sein und als Packet Loss erscheinen kann.
  • Für eine belastbare Zuordnung müssen Kapselung, LSP/PW-Kontext, Punt-Queues und Limiter beider Enden, Reflexion, Rückweg und richtungsabhängige MTU zusammengeführt werden.

Die Verlustzahl kann stimmen und trotzdem auf die falsche Ursache zeigen.

Revision 21 beschreibt STAMP für Punkt-zu-Punkt-LSPs und Single-Segment-Pseudowires. Format 1 führt IP/UDP mit, Format 2 verzichtet darauf und unterscheidet Sender und Reflector durch eigene G-ACh-Typen. Der Test soll den relevanten MPLS-Kontext und möglichst das ECMP-Verhalten des gemessenen Verkehrs teilen.

An den PE-Endpunkten wird OAM-Verkehr jedoch abgefangen und zur Ausnahmeverarbeitung an das Control Plane übergeben. Jedes Paket benötigt CPU und Speicher. Rate Limiting schützt deshalb vor DoS und unbeabsichtigter Überlastung. Dieser Schutz liegt aber mitten im Messweg.

Verwirft der Limiter ein Paket vor der Reflexion, bleibt die Antwort aus. Für STAMP sieht das wie Netzverlust aus. Dasselbe Symptom kann im Vorwärts-LSP, in der Punt-Queue, im Reflector-Prozess, bei fehlendem Rückkontext, auf einem schwächeren Rückweg oder am Punt des Senders entstehen. Auch GAL- und G-ACh-Overhead können eine richtungsabhängige MTU überschreiten; dann wird ohne Fragmentierung verworfen.

Format 2 macht die lokale Identität sichtbar. Ohne IP/UDP-Vierertupel muss die SSID mit empfangenem LSP/PW-Kontext, Gegenrichtung und lokal provisionierten Sitzungsdaten kombiniert werden. Eine gleiche SSID beweist keine gemeinsame Sitzung. Abweichende Konfiguration führt zum Verwerfen.

Der Schwerpunkt ist nicht die allgemeine Frage, ob eine Sonde den Produktionsfluss repräsentiert. Er liegt nach der Pfadauswahl: Selbst im vorgesehenen Labelkontext kann der Diagnosekanal seine eigene Probe wegen eines Control-Plane-Budgets verlieren.

Ein Zuordnungsbeleg beginnt mit Rate, Größe, Format, Label Stack, Channel Type, SSID und eindeutigem LSP/PW. Für beide Richtungen gehören MTU und reservierte Messbandbreite dazu. An beiden Enden müssen Punt-Zulassung, Queue, Limiter-Regel und -Drops, Reflector-Eingang, Rückkontext, Rücksendung und Empfang erhalten bleiben. Erst die Verknüpfung über Sequenz und Zeitfenster erlaubt den Vergleich mit Data-Plane-Zählern.

Der Entwurf empfiehlt, angewandtes Rate Limiting sichtbar zu machen, damit Warnsysteme es mit Fehlern korrelieren können. Ein globaler Drop-Zähler genügt nicht, wenn er sich nicht der alarmierenden Sitzung zuordnen lässt.

Der Rückweg braucht eine eigene Kapazitätsrechnung. Der Reflector erzeugt eine ähnliche Rate wie der Hinweg; die Rückrichtung kann kleiner sein. Symmetrische Testdaten treffen nicht automatisch auf symmetrische Infrastruktur.

Automatisierung darf wegen einer fehlenden Antwort untersuchen. Sie sollte aber weder LSP-Ausfall noch Kundenverlust erklären, bevor Punt, Limiter, Reflector, Rückweg und MTU ausgeschlossen sind. Bis dahin lautet der ehrliche Status: Verlust beobachtet, Ursache offen.

Revision 21 vom 10. September 2026 ist weiterhin ein Standards-Track-Internet-Draft. Sie belegt weder Einsatz noch Störung. Sie begrenzt, was eine Verlustquote ohne ergänzende Belege aussagen darf.

Quellen