Summary

  • Die W3C Data Shapes Working Group veröffentlichte am 17. September 2026 den ersten öffentlichen Entwurf namens SHACL 1.2 Inference Rules. Ein erster Entwurf SHACL 1.2 Rules lag bereits im Dezember 2025 vor.
  • Der Text unterscheidet Basisgraph und Inferenzgraph. sh:sourceRule kann ein erzeugtes Tripel mit seiner Regel verknüpfen; die Erzeugung solcher Spuren ist für Regelmaschinen jedoch nur eine Option.
  • Der Entwurf ist weder eine W3C Recommendation noch eine Zustimmung der Mitglieder. Auch ein bestandener Testsatz belegt nicht die vollständige Konformität.

Eine Datenbank kann eine Aussage zweimal auf verschiedenen Wegen erhalten: als Eintrag aus einer Quelle und als Ergebnis einer Regel. RDF gibt beiden dieselbe Form. Das ist für den Austausch praktisch, für eine spätere Entscheidung aber unzureichend. Ohne Herkunft lässt sich nicht beurteilen, ob ein Mensch etwas erklärt hat oder ob eine bestimmte Version eines Programms es aus anderen Angaben berechnet hat.

Der W3C-Text vom 17. September macht diesen Unterschied zum Gegenstand eines eigenen Arbeitsentwurfs. Neu ist nicht die Grundidee von SHACL-Regeln; dazu erschien schon am 9. Dezember 2025 ein erster Entwurf. Inference Rules ist die nun veröffentlichte Fassung unter diesem Namen. Während SHACL Core Formen und Validierung behandelt, beschreibt sie die Ableitung zusätzlicher Tripel aus vorhandenen Daten.

Im Ausführungsmodell bleiben Ausgangsdaten im Basisgraphen, neue Aussagen im Inferenzgraphen. Für die Regelanwendung werden beide zum Evaluationsgraphen vereint. Regeln laufen in Schichten und einer festgelegten Ordnung; Zwischenergebnisse können als temporäre Tripel auftreten und nach der Berechnung verschwinden. Ein später exportierter Endgraph ist somit kein vollständiges Protokoll aller Zwischenschritte.

Eine Spur mit bewusst enger Reichweite

Abschnitt 9 nennt sh:sourceRule als Verbindung zwischen einem abgeleiteten Tripel und der Regel, die es hervorgebracht hat. Eine Regelmaschine darf entsprechende zusätzliche Tripel erzeugen. Sie muss es nicht. Werden sie erzeugt, dürfen die laufenden Regeln diese Spuren nicht sehen. So bleibt die Beschreibung der Ableitung von der Ableitung selbst getrennt.

Wer aus einem Ergebnis eine Klassifikation oder einen anderen wirksamen Beschluss macht, benötigt gegebenenfalls mehr als den Namen der Regel. Welche Eingabeversion lag vor? Welche Regelsammlung und welcher Prozessor liefen? Wurde die Ausführung vollständig beendet? Wer akzeptierte das Resultat? Der Entwurf beantwortet nicht automatisch alle diese Fragen. Das ist keine Behauptung über einen konkreten Schadensfall, sondern die Folge einer optionalen Herkunftsfunktion beim Übergang in eine andere Anwendung.

Auch Fehler dürfen nicht verschwinden. Trifft eine Maschine auf einen Regeltyp, den sie nicht ausführen kann, muss sie einen Fehlschlag melden. Bei konfigurierten Obergrenzen für Durchläufe oder erzeugte Tripel darf sie ebenfalls abbrechen. Der Sicherheitsteil warnt vor hohem Rechen- und Speicherbedarf sowie vor beliebigen Anwendungsdaten, die Regeln erzeugen können. Eine unvollständige Berechnung als fertige Aussage auszugeben, würde den technischen Grenzfall in einen Entscheidungsfehler verwandeln.

Der institutionelle Status bleibt begrenzt. Ein First Public Working Draft auf dem Recommendation-Pfad bedeutet laut W3C keine Billigung durch das Konsortium oder seine Mitglieder; der Text kann sich ändern. Seine Tests decken nur geprüfte Aspekte ab. Lu Hengs Gedanke vom Vorrang tatsächlich laufender Technik dient hier als redaktioneller Prüfmaßstab, nicht als Beleg für W3C-Implementierungen.

Sources