Zusammenfassung
- ServiceNow kündigte AI Passport am 15. Oktober als signierten Ausweis für eigene und fremde Agenten mit Prüfung des Berechtigungsumfangs zur Laufzeit an. Die Verfügbarkeit ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
- Der offene Entwurf vom 22. Oktober enthält Geschäftsbezug und Identitätsbindungen. Seine Widerrufsprüfung kann den gesamten Agenten stoppen; über einzelne Aktionen entscheiden die Regeln des empfangenden Systems.
Ein Ausweis ist noch kein Schlüssel
Am Empfang weist sich ein Besucher aus. Ob er anschließend eine Zahlung freigeben darf, entscheidet eine andere Stelle. Bei KI-Agenten wird dieser Unterschied leicht hinter dem Wort „Governance“ versteckt. Der veröffentlichte AI-Passport-Entwurf legt ihn offen.
Die Ankündigung vom 15. Oktober verspricht kryptografisch signierte Ausweise für eigene und externe Agenten sowie eine Prüfung ihres Berechtigungsumfangs während der Ausführung. ServiceNow erwartet die Verfügbarkeit im vierten Quartal 2026. Der öffentliche v1-Entwurf vom 22. Oktober beschreibt hingegen die gemeinsamen Datenfelder: Aussteller, Agent, zuständige Person, Organisationseinheit, Anbieter, Risikoklasse, Zweck, Bindungen an authentifizierte Identitäten und eine Adresse zur Widerrufsprüfung. Er erklärt ausdrücklich, keine Richtlinie festzulegen. Beschränkungen dessen, was der Agent tun darf, sind für eine spätere Ausgabe vorgesehen.
Der Prüfer muss den Agenten unabhängig authentifizieren, diese Identität mit der Bindung abgleichen, Signatur und Gültigkeit kontrollieren und anschließend den Widerrufsstatus erfragen. Der zugehörige Entwurf liefert ein Stoppsignal, keine Erlaubnis für eine Handlung. In v1 betrifft der Widerruf den gesamten Agenten. Das Feld revoked_scopes ist vorhanden, hat aber keine registrierten Eintragstypen; ein v1-Dienst sendet eine leere Liste. Kann der Prüfer keine Antwort erhalten, muss er ablehnen. Cache-Regeln begrenzen die Haltbarkeit früherer Antworten.
Das offizielle Projekt erlaubt eine gebührenfreie Umsetzung des Formats. Andere können also Ausweise ausstellen oder prüfen. Der praktische Aufwand bleibt: einen Agenten einem tatsächlichen Verantwortlichen und Unternehmensdatensatz zuordnen, Lesen und Ändern eines Vorgangs unterscheiden und einen verlässlichen Widerrufsdienst betreiben. ServiceNow baut einen Aussteller, der an seine Daten und Arbeitsabläufe anschließt. Wenn dort die täglichen Entscheidungen landen, liegt die wirtschaftliche Macht am Berechtigungsschalter und nicht in der offenen Dateiform.
Ein Käufer sollte eine einzelne Aktion vorführen lassen: Welcher Agent will welchen Datensatz verändern, welche Regel entscheidet, und was geschieht nach dem Widerruf? Erst dann ist zu erkennen, ob der Pass tatsächlich an eine Tür angeschlossen ist.
Quellen
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