Zusammenfassung
- ReuNION soll 2028 in Betrieb gehen. Vorgesehen sind 16 Faserpaare mit jeweils 20 Tbps Auslegungskapazität, nicht bereits vermarktete oder genutzte Bandbreite in dieser Höhe.
- Für terrestrische Dienste auf Réunion gibt es öffentliche Kataloge. Zu klären bleibt, wie diese Leistungen mit einem konkreten Angebot für das neue Seekabel zusammenpassen.
Für einen Netzplaner ist das Ende eines Kabels kein besonders hilfreiches Ende. Dort muss ein nächster Anschluss beginnen. Wer Kapazität auf ReuNION kaufen will, braucht deshalb mehr als eine Linie zwischen Réunion und Südafrika: einen Übergabepunkt, Platz für Geräte, Strom und eine Verbindung ins eigene Netz.
Orange beschreibt in der Ankündigung vom 2. September 2026 seine Aufgabe auf der Insel recht konkret. Das Unternehmen übernimmt als Landungspartner Genehmigungen, Tiefbau, eine gesicherte Station und die Anbindung an terrestrische Netze. Die Infrastruktur soll allen Betreibern zugänglich sein. Das Kabel ist mit 16 Faserpaaren und je 20 Tbps geplant.
Die technische Größe lässt sich leicht vergleichen. Beim Zugang beginnt die eigentliche Einkaufsarbeit: Wo genau endet die Leistung des Verkäufers, und welche Strecke muss der Käufer selbst schließen?
Es gibt schon einen Katalog
Die Antwort beginnt nicht bei null. La Réunion Connectée veröffentlicht Servicekataloge für GAZELLE: unbeschaltete Glasfaser, Ethernet-Verbindungen, Geräteunterbringung und die Miete von Leerrohren. Das Angebot richtet sich an Betreiber und geschlossene Nutzergruppen; Unternehmen können über einen Betreiber Dienste beziehen. FTTH-Vertragsunterlagen stehen gesondert bereit.
Im verlinkten Katalog kostet etwa ein 1-Gbps-Ethernet-Punkt-zu-Punkt-Anschluss jährlich 7.200 Euro je Verbindung, ohne Mehrwertsteuer. Standortanschlüsse werden separat berechnet. Für einen Geräteplatz von 600 mal 600 Millimetern stehen 750 Euro Anschlussgebühr und 7.500 Euro Jahresgebühr im Katalog, ebenfalls ohne Mehrwertsteuer. Enthalten ist 1 kW Leistung; die Bereitstellung hängt von einer Machbarkeitsprüfung ab.
Das sind keine ReuNION-Preise. Der nicht vertragliche Katalog beschreibt bestehende Landdienste. Er widerlegt aber die pauschale Vorstellung, es gebe auf der Insel überhaupt keine öffentlich dokumentierten Zugangsangebote. Und er macht sichtbar, welche Positionen ein Vergleich reiner Seekabelkapazität ausblenden kann.
Auch Orange trennt in seinem allgemeinen Unterseekabelangebot Kapazität zwischen Landestationen von einer optionalen Weiterführung zu einem Netzknoten oder Kundenstandort. Ein günstiger Preis für die erste Strecke muss daher nicht der günstigste Preis für die ganze Verbindung sein.
Wer Faserpaare bekommt, beantwortet eine andere Frage
Nach der Projektplanung entfallen zwölf Faserpaare auf La Réunion Connectée, zwei auf Orange sowie je eines auf Telco OI und Reunicable. Daraus lassen sich weder Eigentumsquoten noch die späteren Großhandelsbedingungen für andere Betreiber ablesen. Eine Kapazitätszuteilung ist noch kein Beleg für deren Ausschluss.
Der Finanzierungsplan beläuft sich auf 93,1 Millionen Euro: 30 Millionen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, 20 Millionen aus der Fazilität „Connecting Europe“, 6,5 Millionen vom französischen Staat und 36,6 Millionen vom Konsortium. Die Europäische Kommission führt die EU-Förderung von 20 Millionen Euro in ihrem Projektregister. Ein Förderbetrag ist allerdings keine Quittung für bereits erfolgte Auszahlungen.
Vorgesehen sind Untersuchungen 2026, Fertigung, Verlegung und Stationsbau 2027 sowie der Betrieb ab 2028. Orange Marine soll das Kabel verlegen, Alcatel Submarine Networks es entwickeln und herstellen. Eine Verlängerung Richtung Singapur gehört zu den späteren Ambitionen.
Für den Käufer wird der Plan dann belastbar, wenn aus diesen Bausteinen eine durchgehende Leistungsbeschreibung entsteht. Die untersuchten Ankündigungen liefern noch kein vollständiges ReuNION-Angebot für jeden externen Betreiber. Sie belegen damit auch nicht, dass andernorts keine Vereinbarungen existieren. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine Zeichnung mit benannten Übergaben und Zuständigkeiten. Daran lässt sich prüfen, ob die neue Verbindung tatsächlich dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Aktualisiert am 25. Oktober 2026: Die öffentlich verfügbaren GAZELLE-Angebote wurden ergänzt. Bestehende Landdienste, geplante Seekabelkapazität und ReuNION-spezifische Vertragsbedingungen werden getrennt behandelt.
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