Zusammenfassung

  • LocalNet befreite 2001 Anrufe zu einer eigens eingerichteten lokalen Nummer von der Internet-Zeitgebühr. Damit wurden weder alle Internetzugänge noch Telefongespräche kostenlos.
  • Die PNCC führte die Preissenkungen von 2005 auf neu verhandelte Satellitenkosten zurück. Das amtliche Jahrbuch erfasst den regulären PalauNet-Tarif, aber keine LocalNet-Nutzung.

Bei Palau ging es in der frühen Internetökonomie nicht allein darum, ob ein Modem eine Verbindung herstellen konnte. Ebenso wichtig war, wann der Gebührenzähler lief und welcher Teil der Kosten vor Ort verändert werden konnte. Die überlieferten Quellen zeigen zwei Antworten: eine gezielte Ausnahme für eine Einwahlnummer im Jahr 2001 und später niedrigere Kosten für internationale Kapazität.

Die Internationale Fernmeldeunion berichtete 1998, die Palau National Communications Corporation (PNCC) habe kurz zuvor einen Internetdienst mit einer 64-kbit/s-Leitung zu ihrem Internet-Gateway eingeführt. Der internationale Verkehr lief über eine Standard-B-Erdfunkstelle mit Verbindungen zum US-amerikanischen Festland, nach Hawaii, Guam und Japan. Das ist eine zeitgebundene Ausgangslage, keine Messung der für LocalNet verfügbaren Kapazität drei Jahre später. ITU, Pacific Islands Telecommunications, Abschnitt 2.8

Eine spätere PNCC-Chronik datiert den Start des PalauNet-Wählzugangs auf den 17. März 1997. 2001 habe das Unternehmen LocalNet als kostengünstigen Zugang zu Websites in Palau eingeführt, um das nationale Internetangebot zu fördern. Der praktische Unterschied lag in der gewählten Nummer: Für Anrufe zum LocalNet-Zugang fiel keine zeitabhängige Internetgebühr an. Laut Bericht ermöglichte das zugleich unbegrenzt lange internationale E-Mail-Nutzung. APT / PNCC, Palau APT J3 Final Report, „ICT History in Palau“, S. 11–13

Diese Ausnahme ist eng auszulegen. Die Regierungstabellen führten Ortsgespräche bereits als kostenlos. LocalNet erließ also nicht den Preis für ein Telefongespräch, sondern die gesonderte Internet-Zeitgebühr für Anrufe zu einer bestimmten Nummer. Auch der Hinweis auf Websites in Palau belegt weder, dass jede lokale Seite über diesen Zugang erreichbar war, noch dass alle Kunden ihn nutzten. Der Bericht beschreibt Zweck und Tariflogik, enthält aber keine Verkehrsmessungen.

Der normale Tarif bestand daneben weiter. Das Statistical Yearbook 2002–2003 der Republik Palau, das PNCC als Datenquelle nennt, weist für die reguläre Internetnutzung 8 US-Cent je Minute in den Jahren 2001 und 2002 aus. Die Tabelle trennt Einwahlgebühr, Anschlussgebühr, Online-Zeit, Dateitransfer, Weblink und Speicherplatz. Ab Juli 2003 stiegen die in mehreren Tarifen enthaltenen gebührenfreien Stunden. Das Jahrbuch hält außerdem fest, dass PalauNet mit der neuen Software Rodopi auf 2,50 US-Dollar je Stunde umstellte. Republik Palau, Statistical Yearbook 2002/2003, Kap. 15, Tabellen 15.5–15.6

Auch die Nutzerzahlen ergeben keine gerade Wachstumslinie. Für PalauNet sind 914 Abonnenten 2001, 1.836 im Jahr 2002 und 1.639 im Jahr 2003 verzeichnet. Die gemeldeten Umsätze stiegen über diesen Zeitraum von 904.565 auf 1.057.820 US-Dollar. Das Jahrbuch schlüsselt jedoch weder LocalNet-Konten noch den Abruf lokaler Ziele auf. Es handelt sich um vom Betreiber gemeldete Abonnentenzahlen und Erlöse, nicht um eindeutige Personen oder einen Nachweis, dass LocalNet das Wachstum verursachte.

Für Dezember 2005 beschreibt die PNCC einen anderen Hebel. Das Unternehmen führte nach eigener Darstellung erstmals einen unbegrenzten Wähltarif ein und senkte die DSL-Breitbandpreise um bis zu 50 Prozent oder mehr, nachdem die internationalen Satellitenkosten erfolgreich neu verhandelt worden waren. Die rückblickende Chronik nennt weder Vertragspreise noch Kapazitäten; die Einsparung lässt sich daher nicht beziffern. Sie dokumentiert aber den vom Betreiber behaupteten Zusammenhang zwischen einem Vorleistungsinput und Endkundenpreisen.

LocalNet änderte, wann der Gebührenzähler des Kunden lief; die Neuverhandlung änderte die Kosten der internationalen Verbindung, mit denen die PNCC nach eigener Aussage konfrontiert war.

PalauNet war damit weder ausschließlich eine Frage nationaler Tarife noch bloß eine Folge der Insellage. LocalNet machte einen Teil des Zugangs gestaltbar: Für Anrufe zu einer bestimmten Nummer galt eine andere Internet-Zeitgebühr als für den normalen Zugang. E-Mail musste trotzdem Grenzen überschreiten, und die internationale Verbindung blieb in eine Satellitenkostenstruktur eingebettet. Als die PNCC 2005 breitere Preisentlastungen erklärte, verwies sie auf eine Veränderung dieser vorgelagerten Kosten, nicht auf deren Beseitigung durch LocalNet.

Die Quellen tragen eine begrenzte Schlussfolgerung. LocalNet sollte die Nutzung lokaler Websites und von E-Mail weniger empfindlich gegenüber der normalen Zeitabrechnung machen. Der übrige Dienst blieb von gemessenen Tarifen und internationalen Kapazitätskosten geprägt. Ob die Ausnahme tatsächlich mehr lokale Inhalte hervorbrachte, bleibt offen: Die Unterlagen enthalten eine Tarifregel und spätere Preisänderungen, aber nicht die Inhalte, Verkehrsflüsse oder Vergleichsdaten, die eine Antwort belegen könnten.