Zusammenfassung
- Orange hat die private 5G-Kernnetztechnologie Dome von Obvios übernommen und die an ihrer Entwicklung beteiligten Fachleute in seine Teams aufgenommen
- Dome soll Organisationen den unabhängigen Betrieb privater Mobilfunknetze ermöglichen und zugleich die öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur ergänzen
Die Fakten
Orange teilte am 2. September mit, Dome übernommen zu haben, eine vom französischen Unternehmen Obvios entwickelte private 5G-Kernnetztechnologie. Zudem seien die an der Entwicklung beteiligten Fachleute in die Teams von Orange aufgenommen worden. Orange bezeichnete die Transaktion als Übernahme der Vermögenswerte von Obvios und machte keine Angaben zum Kaufpreis. Dome ist eine cloudnative Plattform, mit der Organisationen private Mobilfunknetze unabhängig aufbauen und betreiben können, während sie zugleich die öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur ergänzt.
Orange richtet die Technologie auf Einsatzbereiche in Verteidigung, öffentlicher Sicherheit, Energie, Verkehr und Rettungsdiensten aus. Dazu zählen Militärstützpunkte, verlegbare taktische Netze, Drohneneinsätze sowie die Überwachung von Häfen, Flughäfen und anderen kritischen Standorten. Nach Angaben von Obvios kann Dome auf Standard-Serverhardware betrieben werden, Installationen an einem oder mehreren Standorten unterstützen und internen Datenverkehr mittels Local Breakout vor Ort halten. Seit der Übernahme hat Orange keinen konkreten Kundeneinsatz von Dome genannt.
Die Einordnung
Durch die Übernahme werden ein privates 5G-Kernnetz und die zugehörige Entwicklungskompetenz innerhalb von Orange gebündelt. Das Kernnetz steuert zentrale Netzwerkfunktionen wie die Geräteanbindung und die Verarbeitung des Datenverkehrs. Orange kann diesen Teil einer Dome-Installation nun direkt weiterentwickeln und integrieren, statt ihn ausschließlich als Technologie eines anderen Unternehmens zu behandeln.
Das ist insbesondere bei der Netzplanung und Integration relevant. Eine private 5G-Installation benötigt weiterhin Funkzugang, Frequenzspektrum, Server und Verbindungen zwischen den einzelnen Komponenten. Dome verschafft Orange die Kontrolle über einen weiteren Teil dieser Architektur, einschließlich Konfigurationen, die den Datenverkehr lokal halten oder getrennt von öffentlicher Telekommunikationsinfrastruktur arbeiten können. Die Übernahme allein zeigt jedoch nicht, wie unabhängig oder widerstandsfähig künftige Installationen von Orange sein werden. Das hängt von der für den jeweiligen Standort gewählten Architektur ab.
Für die Leserinnen und Leser von BTW besteht die praktische Veränderung darin, dass Orange nun einen größeren Teil des privaten 5G-Technologiestacks kontrolliert, den das Unternehmen an sensiblen Standorten einsetzen kann. Kundenprojekte werden zeigen, ob Dome als lokales eigenständiges Kernnetz, innerhalb eines hybriden Netzes oder in mobilen Systemen installiert wird und welche Netzwerkfunktionen vor Ort verbleiben.
Worauf zu achten ist
Entscheidend werden der erste namentlich genannte Einsatz von Dome durch Orange und die dafür gewählte Architektur sein. Angaben dazu, wo die Kernnetz- und User-Plane-Funktionen ausgeführt werden, wie das Funkzugangsnetz mit ihnen verbunden ist und ob der Datenverkehr lokal bleibt, würden zeigen, wie die Übernahme die Bereitstellung privater 5G-Netze durch Orange in der Praxis verändert.
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