Zusammenfassung

  • NovaCloud (Tech Tide Portugal Unipessoal LDA, AS209874) bewirbt „direkte Kontrolle über Routing und Peering“ und drei Rechenzentren; die öffentliche Service-Ebene zeigt ein anderes Bild.
  • Die Web-DNS-Delegation läuft über Cloudflare-Nameserver, während Mail unter der eigenen Namespace nc-h.com betrieben wird — eine geteilte DNS-Autorität, die der Storefront-Erzählung widerspricht.
  • Der eigene Instatus-Verlauf dokumentiert einen Ausfall des Standorts FFM2 vom 20. Juli bis 8. August 2026 (rund 19 Tage), mit gestaffelter Wiederherstellung und Selbstattribution auf einen Rechtsstreit zwischen Colocation-Anbieter und Rack-Betreiber im NTT FRA1.
  • Drittquellen sehen 4.352 IPv4-Adressen, 1.206 gehostete Domains, 8 Peers und keine nach Portugal geolokalisierten IPs trotz portugiesischer Registrierung; im angekündigten Adressraum tauchen drei unterschiedliche Präfix-Halter auf (Tech Tide Portugal, NovaCloudHosting, KEKSHOST SRL).
  • Der Betreiber betreibt zwei parallele Instatus-Statusseiten für dieselbe Marke — ein doppelter Accountability-Surface, der die Zuordnung von Betriebszuständen erschwert.

NovaCloud tritt am Markt als kleines europäisches Hosting-Unternehmen auf, gegründet 2023, mit Rechenzentren in Frankfurt, Nürnberg und Eygelshoven und dem Anspruch, Routing und Peering direkt zu kontrollieren (About-Seite). Die rechtliche Trägerschaft ist Tech Tide Portugal Unipessoal LDA in Faro, mit der Marken-Domains nc-h.com und as209874.net unter einer Gesellschaft gebündelt (Impressum).

Die DNS-Ebene zeigt eine geteilte Autorität: die Web-Präsenz ist über Cloudflare-Nameserver delegiert, A-Records liegen in Cloudflare-Bereichen, während Mailserver unter dem eigenen Namespace nc-h.com laufen (host.io-DNS-Aggregation). Das ist für kleine Betreiber eine gängige Fronting-Praxis, steht aber in Spannung zu Marketingansprüchen über „direkte Kontrolle“.

Der belastbarste Betriebsnachweis ist der eigene Incident-Verlauf: eine als „Major“ eingestufte Störung am Standort FFM2 von 20. Juli, 8:05 UTC bis 8. August 2026, 14:00 UTC — rund 19 Tage mit gestaffelter, komponentenweiser Wiederherstellung (Incident-Seite). Eine zweite, separate Instatus-Seite für dieselbe Marke dokumentiert weitere FFM2-Störungen ab 17. Juli 2026 (zweite Statusseite). Laut einer im Community-Forum reproduzierten Kunden-E-Mail beruhte die Störung auf einem Rechtsstreit zwischen dem Colocation-Anbieter und dem Rack-Betreiber im NTT FRA1; ab dem 20. Juli, 9:55 Uhr bestand kein physischer Zugang mehr, später wurden Ersatzinfrastruktur in den Niederlanden, Credits und sieben freie Tage angeboten (LowEndTalk-Diskussion). Diese Ursachenattribution beruht ausschließlich auf der Selbstauskunft des Betreibers.

Drittseitige ASN-Ansichten verzeichnen 4.352 IPv4-Adressen, 1.206 gehostete Domains über 415 IPs, 8 Peers und keine nach Portugal geolokalisierten IPs (IPinfo). Innerhalb des angekündigten Adressraums erscheinen drei Präfix-Halter: Tech Tide Portugal, NovaCloudHosting und KEKSHOST SRL (IPregistry). Der eigene ASN-Auftritt listet die Upstreams AS62403 (PletX), AS49581 (Tube-Hosting) und AS48314 (IP-Projects) (as209874.net).

Diese Befunde beweisen keinen Zusammenbruch. Sie zeigen vielmehr, wie weit die überprüfbare Service-Ebene — DNS-Delegation, doppelte Statusseiten, Incident-Mechanik, Präfix-Halter-Sichtbarkeit — von der Marketing-Ebene der Storefront entfernt sein kann. Für Kunden und Downstream-Netze entsteht der relevante Prüfungsraum genau dort, wo Claims auf öffentliche Artefakte treffen.