Zusammenfassung

  • Nebius meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gruppenumsatz von 582,3 Mio. USD, ein Plus von 454 Prozent im Jahresvergleich, und eine annualisierte Run-Rate von 3,0 Mrd. USD — bei rund 5,7 Mrd. USD Kapitalaufwand in einem einzigen Quartal.
  • 5 GW sind vertraglich gesicherte Leistung, nicht angeschlossene und nicht aktive Leistung: Für 2026 nennt das Unternehmen nur eine Prognose von 800 MW bis 1 GW angeschlossener Leistung, die erst im Laufe des ersten Halbjahres 2027 aktiv werden soll.

Drei Begriffe und eine Leiter

Wer die Quartalszahlen von Nebius liest, findet schnell eine große Zahl: 5 GW. Diese Zahl ist weder eine Messung noch eine betriebliche Kapazitätszusage. In der Offenlegung zum ersten Quartal 2026 definiert das Unternehmen drei Formen von Leistung: vertraglich gesicherte Leistung als Leistung, die durch vertraglich gebundene Grundstücks- und Energiezusagen gesichert ist; angeschlossene Leistung als Leistung, die in vollständig gebaute und ausgestattete Rechenzentren angeschlossen ist; und aktive Leistung als Leistung, die von installierter, betriebsbereiter IT-Ausrüstung verbraucht wird und für die Umsatzgenerierung verfügbar ist (Quartalsmitteilung Q1 2026; Einreichung bei der SEC).

Die drei Begriffe stehen für drei verschiedene Dinge. Die erste Größe entsteht aus Verträgen über Grundstücke und Strom; die zweite aus Bau und Ausrüstung; die dritte aus installierter Hardware, die tatsächlich rechnet. Nur die dritte erzeugt Umsatz — und für die dritte veröffentlicht Nebius im Berichtszeitraum keinen Wert zum Periodenende.

Die Zahlen des Quartals

Das in Amsterdam ansässige Unternehmen veröffentlichte am 12. August 2026 ungeprüfte Ergebnisse für die drei und sechs Monate zum 30. Juni 2026 (Pressemitteilung Q2 2026). Der Gruppenumsatz lag bei 582,3 Mio. USD nach 105,1 Mio. USD im zweiten Quartal 2025, ein Anstieg um 454 Prozent; im ersten Halbjahr 2026 erreichte er 981,3 Mio. USD nach 156,0 Mio. USD, ein Plus von 529 Prozent (Pressemitteilung Q2 2026). Auf das KI-Cloud-Geschäft entfielen rund 575 Mio. USD, ein Anstieg um 514 Prozent im Jahresvergleich und rund 98 Prozent des Gruppenumsatzes (Aktionärsbrief Q2 2026). Das bereinigte EBITDA betrug 236,2 Mio. USD, nach einem Verlust von 21,0 Mio. USD im Vorjahresquartal; der Nettoverlust aus fortgeführten Geschäften lag bei 190,4 Mio. USD gegenüber einem Nettogewinn von 502,5 Mio. USD im zweiten Quartal 2025 (Pressemitteilung Q2 2026).

Die annualisierte Run-Rate (ARR) definiert Nebius als KI-Cloud-Umsatz des letzten Monats eines Quartals multipliziert mit zwölf. Ende Juni 2026 lag sie bei 3,0 Mrd. USD, ein Plus von 598 Prozent im Jahresvergleich und von 56 Prozent gegenüber 1,9 Mrd. USD Ende März (Aktionärsbrief Q2 2026). Ende März 2026 hatte die Kennzahl 1,92 Mrd. USD betragen, ein Anstieg um 674 Prozent im Jahresvergleich und um 54 Prozent gegenüber 1,25 Mrd. USD Ende Dezember 2025 (Quartalsmitteilung Q1 2026). Die ARR ist eine Einmonats-Annualisierung des Cloud-Umsatzes — kein geprüfter wiederkehrender Umsatz, kein vertraglich gesicherter Auftragsbestand und keine Angabe über die zugrunde liegende Rechenlast.

Kapitalaufwand und Finanzierung

Der Kapitalaufwand betrug im zweiten Quartal 2026 rund 5,7 Mrd. USD; die Käufe von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten beliefen sich auf 5.657,4 Mio. USD im Quartal und 8.130,3 Mio. USD im ersten Halbjahr, getrieben vor allem durch GPUs und GPU-nahe Hardware sowie durch den Ausbau von Rechenzentren (Aktionärsbrief Q2 2026; Pressemitteilung Q2 2026). Im ersten Quartal 2026 waren es rund 2,5 Mrd. USD (Quartalsmitteilung Q1 2026). Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Unternehmen seine Prognose: ARR von 7 bis 9 Mrd. USD, Gruppenumsatz von 3,0 bis 3,4 Mrd. USD, eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 40 Prozent und einen Kapitalaufwand von 20 bis 25 Mrd. USD (Aktionärsbrief Q2 2026; Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026).

Zum 30. Juni 2026 wies Nebius Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente von 8.042,1 Mio. USD aus, gegenüber 3.678,1 Mio. USD zum 31. Dezember 2025, dazu kurzfristige passivische Rechnungsabgrenzungsposten von 979,4 Mio. USD, langfristige von 4.995,8 Mio. USD und langfristige Schulden von 8.499,0 Mio. USD gegenüber 4.103,2 Mio. USD zum Jahresende 2025 (Pressemitteilung Q2 2026). Der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit fortgeführter Geschäfte betrug 2.246,1 Mio. USD im Quartal und 4.504,1 Mio. USD im Halbjahr, nach Mittelabflüssen von 167,7 Mio. USD und 352,0 Mio. USD in den Vergleichsperioden 2025 (Pressemitteilung Q2 2026). Zu den Finanzierungsmaßnahmen zählten die Ausgabe von 12,7 Mio. Aktien der Klasse A über ein At-the-Market-Programm zu einem gewichteten Durchschnittspreis von rund 224 USD für brutto rund 2,8 Mrd. USD, 12,3 Mio. weitere zum 30. Juni verfügbare Aktien sowie im Juli 2026 eine mit vertraglichen Cashflows besicherte Asset-Backed-Fazilität über 775 Mio. USD (Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026).

Die Leiter: 5 GW, 800 MW, aktiv ab 2027

Im ersten Quartal 2026 gab Nebius eine vertraglich gesicherte Kapazität von mehr als 3,5 GW an, wovon mehr als 75 Prozent auf eigene Standorte entfielen; die Prognose für vertraglich gesicherte Leistung wurde auf mehr als 4 GW zum Jahresende angehoben, während die Prognose für angeschlossene Leistung bei 800 MW bis 1 GW für das Jahr blieb (Einreichung bei der SEC). In derselben Offenlegung erklärte das Unternehmen, die eigenen Anlagen würden über fünf Standorte hinweg 3 GW Kapazität liefern, und beschrieb ein kapital-effizientes Modell mit attraktiven langfristigen Stückökonomien (Einreichung bei der SEC).

Im zweiten Quartal 2026 hob Nebius das Ziel für vertraglich gesicherte Leistung auf 5 GW bis Ende 2026 an, nach mehr als 4 GW im Vorquartal (Aktionärsbrief Q2 2026; Reuters, 12. August 2026). Für angeschlossene Leistung blieb es bei der Erwartung von 800 MW bis 1 GW im Jahr 2026 (Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026). Zwischen beiden Größen liegt nicht nur eine Zahl, sondern ein Zeitplan: Auf die Frage, wie angeschlossene Leistung zu Umsatz wird, beschrieb das Management die Reihenfolge Inbetriebnahme des Rechenzentrums, Aufbau des Netzwerks, Aufbau der Cluster, Bereitstellung der Plattform, Onboarding der Kunden und erst danach Umsatzgenerierung; dieser Ablauf dauere einige Monate, und die 800 MW bis 1 GW angeschlossener Leistung sollten im Laufe des ersten Halbjahres 2027 aktiv sein (Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026).

Fast die gesamte vertraglich gesicherte Leistung von 5 GW soll nach Angaben des Managements innerhalb von etwa zwei bis dreieinhalb Jahren ans Netz gehen, mit dem Plan, ab 2027 mehr als 1 GW pro Jahr in Betrieb zu nehmen (Aktionärsbrief Q2 2026; Reuters, 12. August 2026). Das Management sagte zudem, das Unternehmen habe seine Kapazität ausverkauft, weil sie so schnell verkauft werden könne, wie sie online gehe, und es könne seine gesamte Kapazität für 2027 zu den ausgehandelten Bedingungen verkaufen, während es bewusst Kapazität zurückhalte (Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026; Aktionärsbrief Q2 2026).

Nachfrage, Vorauszahlungen und Standorte

Für 2026 erwartet Nebius Kundenvorauszahlungen von mehr als 9 Mrd. USD; rund 70 Prozent der im zweiten Quartal 2026 abgeschlossenen Verträge enthielten Vorauszahlungen, die 50 bis 60 Prozent des zugehörigen Kapitalaufwands abdeckten (Telefonkonferenz zum zweiten Quartal 2026; Aktionärsbrief Q2 2026). Diese Quote gilt für die im Quartal geschlossenen Verträge, nicht für das gesamte Vertragsbuch, und die 9 Mrd. USD sind eine Erwartung, kein zugeflossenes Geld.

Im zweiten Quartal erweiterte das Unternehmen seinen Standortbestand um zusätzliche Standorte in Großbritannien, Estland und Finnland, während an einigen eigenen KI-Fabriken in den Vereinigten Staaten gebaut wird (Aktionärsbrief Q2 2026). In Mäntsälä in Finnland kündigte Nebius ein zweites Rechenzentrum mit bis zu 70 MW an, die ab 2027 online gehen sollen; damit steigt die Gesamtkapazität des Landes auf 455 MW über drei Standorte (DataCenterDynamics).

Firmenprofil im Verzeichnis: Nebius.

Was die Offenlegung nicht zeigt

Drei Grenzen sind für die Bewertung wichtiger als die Wachstumsraten. Erstens: Für angeschlossene und aktive Leistung zum Periodenende veröffentlicht das Unternehmen keinen MW-Wert; die verfügbaren Zahlen sind Prognosen, Standortziele und langfristige Ausbaupläne. Ein gemessenes Umwandlungsverhältnis von vertraglich gesicherter zu aktiver Leistung lässt sich daraus nicht berechnen.

Zweitens: Das Unternehmen veröffentlicht keinen quantifizierten Vergleich von Inbetriebnahmezeit, Auslastung oder Kosten zwischen eigenen und angemieteten Kapazitäten — die Aussage zum kapital-effizienten Modell ist eine Unternehmensangabe ohne veröffentlichten Betriebsmaßstab. Drittens: Die Quartalszahlen sind unternehmensseitig und ungeprüft, und mehrere Managementzitate stammen aus einem Transkript eines Drittanbieters. Die belastbare Aussage dieses Berichts ist deshalb keine Prognose, sondern eine Abgrenzung: Die 5 GW beschreiben Beschaffung, nicht laufende Rechenlast.