Zusammenfassung

  • draft-mo-cats-agent-selection-mapping-00 verlangt, ein als Perzentil formuliertes Ziel am angegebenen Rang und Fenster zu prüfen; ein Mittelwert darf keine Tail-Constraint erfüllen.
  • Erst Constraints filtern, dann Forwarding, Computing und Storage bewerten. Auswahl, Commitment, Handoff, Ausführung und Ergebnis bleiben getrennte Belege.

Bei agentischen Sessions entscheidet häufig der langsamste Aufruf. Mehrere Werkzeuge können parallel arbeiten, doch der Turn endet erst, wenn die benötigten Ergebnisse vorliegen. Eine gute Durchschnittslatenz kann deshalb genau jene Fälle verdecken, die Budget, Nutzererlebnis und Geschäftsprozess bestimmen.

Der am 30. September 2026 veröffentlichte Entwurf überträgt dieses Problem auf Computing-Aware Traffic Steering. Er ist ein individueller Informational Internet-Draft in der CATS-Diskussion, kein RFC, kein angenommenes Working-Group-Dokument und kein Implementierungsnachweis. Er definiert ausdrücklich weder neues Protokoll noch Encoding, Transport oder konkretes Datenmodell.

Sein Modell nimmt lange, zustandsbehaftete, diskrete und heavy-tailed Agentensessions ernst. Der nächste Schritt kann andere Fähigkeiten brauchen, einen größeren Kontext mitbringen oder nach einer Pause auf einen inzwischen entfernten Cache treffen. Placement und State-Migration sind langsam; Metriken ändern sich schnell.

Drei Ebenen halten die Entscheidung auseinander. Der Step Descriptor benennt Fähigkeiten, Working Set, Constraints, Budget, Tail-Ziel, erlaubte Degradation und Freshness. Die Resource View beschreibt Forwarding, Computing und Storage. Der Selection Context setzt Decision Point, Commitment, Resthorizont und Stability Rule.

Zuerst wird gefiltert. Capability, Context Window, Memory Fit, Locality, Tenant, Jurisdiction und echte Budgetgrenzen sind keine Gewichte. Fehlende, alte oder herkunftslose Werte sind unknown und erfüllen keine Constraint. Erst im zulässigen Kandidatensatz darf Ranking stattfinden.

Damit beginnt der Entwurf dort, wo die bestehende BTW-Analyse normalisierter CATS-Scores endet. Ein gemeinsames Zahlenformat kann vergleichbare Kandidaten sortieren. Es darf keine verbotene oder technisch ungeeignete Instanz freikaufen.

Storage wird elementweise betrachtet. Context Cache, abgerufene Dokumente, Tool-Ergebnisse, Plan/Scratch und Langzeitgedächtnis haben unterschiedliche Größe, Reproduzierbarkeit und Ortsbindung. Ein nicht idempotentes Tool-Ergebnis kann klein und trotzdem unersetzlich sein. Jedes Element braucht Presence, Residency, Alter, Retention, Retrieval-, Recompute-Kosten und Governance.

Auch die Kosten sind asymmetrisch: Transfer fällt einmal beim Wechsel an, Storage und Compute während der Schritte. Die illustrative Wahl zwischen Transfer und Neuberechnung ist kein Benchmark. Sie zwingt Einheiten, Quelle und Alternative in die Entscheidung.

State Affinity ist somit eine begründete Präferenz, kein Besitzrecht. Ein Holder kann verlieren, wenn Transfer billig und über den Resthorizont rentabel ist. Er kann trotz höherer Queue gewinnen, wenn Context-Rebuild das Budget zerstören würde.

Entschieden wird an Admission, Turn- oder Step-Beginn, Wake-up, Freshness-Ablauf, nachhaltiger Verbesserung, Constraint-Risiko, Tail Event, Budgetgrenze und Close. Neue Telemetrie ist zwischen diesen Punkten kein Move-Befehl.

Normale Wechsel brauchen Mindestzeit, Mindestverbesserung und einen Nettovorteil nach Change Cost. In-flight Work wird nicht wegen einer Präferenz verschoben. Drohende Constraint-Verletzung oder nicht absorbierbarer Tail Event hat eine andere Dringlichkeit.

Der Handoff reserviert zuerst, transferiert oder rekonstruiert danach und committed erst bei nutzbarem Working Set. Scheitert das, wird abgebrochen und die Quelle bleibt nutzbar. Retries müssen idempotent sein.

Fallback lockert zuerst Preferences, wendet nur erlaubte Degradation an, verschiebt weiterhin zulässige Arbeit, meldet den Step mit Gründen als gescheitert und beendet oder vertagt erst zuletzt die Session. Stilles Retry bis zum Budgetende ist kein Schutz.

Descriptor, Resource Snapshot, Decision Record, Commitment und Handoff Record sind eigenständige Artefakte. Ein Advertisement reserviert nichts. Selected beweist weder Steering noch Ausführung noch Outcome. Da ein Anbieter State oder Capability übertreiben kann, braucht jede Quantität Beobachtungszeit, Freshness, Source und Confidence.

Lu Hengs Reality-Layer-Prinzip macht daraus eine Führungsfrage: Ein Symbol darf nur die Schicht vertreten, die es tatsächlich beobachtet. Sonst wird aus einer vergänglichen Auswahl eine unverdiente Erfolgsaussage.

Quellen