Zusammenfassung
- Mistral Compute erscheint in öffentlichen Quellen als vier verschiedene Größen: 1.400 MW Entwurfsleistung am geplanten Campus in Fouju, 700 MW bei RTE vorreservierte und ausdrücklich nicht angenommene Netzkapazität, gestaffelte Anschluss-Tranchen von 240 MW und 700 MW sowie 44 MW finanzierte Rechenleistung in Bruyères-le-Châtel.
- Kein öffentlich einsehbares Dokument datiert eine Inbetriebnahme der 44-MW-Kapazität. Ein Anlagenverzeichnis führt den Standort als „Operational“ und zugleich als „Operational: not published“; ein Aggregator behauptet dort 18.000 GB200-Systeme, was nicht die 13.800 GB300-Einheiten der Finanzierungsberichte sein können.
Vier Zahlen, drei Zeitachsen
Die erste Zahl ist ein Entwurf. Am Standort ZAC des Bordes in Fouju (Seine-et-Marne, Île-de-France) sieht die Netzplanung einen Anschluss in zwei Leistungsstufen vor: zunächst 700 MW im Fast-Track-Programm für die ersten Projektphasen, später bis zu 1.400 MW bei Vollausbau. Die technische Lösung verlangt eine neue 400-kV-Umspannanlage im Doppelschnitt an den 400-kV-Leitungen Chesnoy–Morbras 1 und 2, mit schrittweiser Inbetriebnahme ab 2028. Dieselbe Projektseite hält fest, dass die vertragliche Vereinbarung zwischen RTE und Campus IA derzeit nur diese erste Anschlussleistung von 700 MW umfasst (Konsultationsplattform Campus IA).
Die zweite Zahl ist eine Vorreservierung. Der französische Staat hat RTE gebeten, an vier geeigneten Standorten Kapazität vorzureservieren, darunter 700 MW am Standort ZAC des Bordes; die Regulierungskommission CRE billigte das Verfahren am 7. Mai 2025, um sehr leistungsstarke Verbrauchsanlagen schnell anzuschließen. RTE beschreibt den Status dieser Kapazität in eigener Sprache: Sie sei sofort reserviert und werde in den Erkundungsstudien sowie den technischen und finanziellen Angeboten berücksichtigt — „und nicht angenommen“ (RTE).
Die dritte Zahl ist eine Tranche. Die Vereinbarung sieht nach dem Projektdokument eine erste Leistungstranche von 240 MW bis Ende 2027 und eine zweite von 700 MW vor Ende 2029 vor; die elektrische Infrastruktur wird so ausgelegt, dass sie eine Steigerung auf 1.400 MW erlaubt — eine Auslegungsfähigkeit, nicht kontrahierte Leistung (Projektdokument Campus IA/RTE). Eine Senatsanfrage aus Mai 2026, aufbereitet in einem Infrastruktur-Tracker, bestätigt das Ziel von 1,4 GW und das öffentliche Beteiligungsverfahren und hält fest, dass bislang nur 700 MW mit dem Netzbetreiber RTE kontrahiert seien — die Hälfte der Schlagzeile. Derselbe Tracker führt das Projekt unter „Permitting“ mit der Angabe „1.4 GW announced“ und einem erwarteten Datum im Dezember 2028 (BEP Research).
Die vierte Zahl ist finanziert. Im März 2026 nahm Mistral 830 Mio. USD Schulden auf, um 13.800 NVIDIA-Chips für ein großes Rechenzentrum bei Paris zu kaufen; es war die erste Schuldenaufnahme des Unternehmens (Reuters). Ein Konsortium aus sieben Banken — Bpifrance, BNP Paribas, Crédit Agricole CIB, HSBC, La Banque Postale, MUFG und Natixis CIB — finanzierte den Vorgang; die 13.800 GB300-GPUs bringen die Gesamtkapazität auf 44 MW, der Betrieb sollte im zweiten Quartal 2026 beginnen (CNBC). Die Hardware steht in einem Rechenzentrum in Bruyères-le-Châtel südlich von Paris, das der französische Anbieter Eclairion besitzt und betreibt; Mistral wollte den Betrieb dort bis Ende Juni aufnehmen. Der ursprüngliche Plan hatte 18.000 GB200-GPUs von Scaleway bei 40 MW und eine erste Tranche im Sommer 2025 vorgesehen; das Projekt verzögerte sich, und Mistral wechselte auf die neuere Hardware-Generation. Das erklärte Ziel bleibt 200 MW Kapazität in Europa bis Ende 2027 (Data Center Dynamics).
Wie die Ankündigungen aufeinander folgten
Im März 2025 kündigten Fluidstack und Eclairion einen Cluster für Mistral AI am 40-MW-Standort von Eclairion in Bruyères-le-Châtel an, rund 40 Kilometer südlich von Paris, auslegbar auf mehr als 18.000 GPUs mit Expansionspotenzial über 100 MW; die erste Tranche sollte bis zum Sommer 2025 betriebsbereit sein und mit 100 % dekarbonisiertem Strom laufen (Business Wire). Im Juni 2025 ergänzte NVIDIA, Mistral baue in Frankreich eine Ende-zu-Ende-Cloud-Plattform auf Basis von 18.000 NVIDIA-Grace-Blackwell-Systemen in der ersten Phase, mit geplanter Erweiterung über mehrere Standorte im Jahr 2026 (NVIDIA Newsroom).
Die Produktseite für die eigene AI-Cloud datiert die unternehmenseigenen Meilensteine anders: Im Juli 2025 trafen GB200-Racks ein, im Dezember 2025 kam GB300 an und der Alpha-Stack lief auf GB200, im Februar 2026 diente GB200 der Produktion; der schwedische Standort bei EcoDataCenter sei im Aufbau; das Ziel von 1 GW souveräner Kapazität in der EU bis 2030 bleibt bestehen (Mistral AI).
Was öffentlich nicht datiert ist
Kein Dokument dieser Sammlung hält ein datiertes Ereignis fest, an dem die 44 MW in Bruyères-le-Châtel tatsächlich ans Netz gingen. Ein Anlagenverzeichnis führt den Standort unter dem Status „Operational“ mit 44 MW als Betriebskapazität, 13.800 GB300-GPUs und Eclairion als Eigentümer und Betreiber — während derselbe Eintrag „Operational: not published“ vermerkt und den Betriebsbeginn nur als Ziel „Ende Juni 2026“ beschreibt (Scrutica). Ein Aggregator geht weiter und behauptet, der 44-MW-Standort sei mit 18.000 NVIDIA-GB200-Systemen in Betrieb, als erster Knoten einer europäischen 200-MW-Roadmap bis 2027 und eines geplanten 1,4-GW-Campus (AI Chat Daily). Diese Flottenbeschreibung passt nicht zu den 13.800 GB300-Einheiten der Finanzierungsberichte.
Der CTO des Unternehmens, Timothée Lacroix, beschrieb im Mai 2026 den bestehenden 40-MW-Standort in Bruyères-le-Châtel — gebaut mit Eclairion — als seit Anfang 2026 im Modelltraining; ein neuer 10-MW-Standort in Les Ulis soll im dritten Quartal 2026 eröffnen, ein Standort im schwedischen Borlänge bis 2027 für NVIDIA-Vera-Rubin-GPUs entwickelt werden. Das Programm umfasse 4 Mrd. EUR Investitionen in Rechenzentren in Frankreich und Schweden mit einer Roadmap von 200 MW bis 2027 und 1 GW bis 2030 (VentureBeat).
Die Trennung, auf die es ankommt
Entwurfsleistung, vorreservierte Netzkapazität, kontrahierte Tranchen und installierte, finanzierte Hardware sind vier verschiedene Dinge mit vier verschiedenen Risikoprofilen. Die öffentliche Debatte addiert sie zu einer Zahl; wer diese Zahl für eine Zusage hält, verwechselt eine technische Auslegungsfähigkeit mit einer Lieferverpflichtung. Die belegbare Schnittmenge ist schmaler: ein Standort mit 44 MW finanzierter Leistung, dessen Inbetriebnahme nicht datiert ist, und ein Netzanschluss, dessen erste 700 MW noch nicht angenommen sind. Der Verzeichniseintrag zu Mistral Compute bündelt die öffentlich belegten Angaben.
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