Zusammenfassung
- Seit dem 10. September 2026 konnte Cloudflares Resolver 1.1.1.1 ML-DSA-44 für Testzonen validieren. Joe Abley stellte bei RIPE 93 einen DNSSEC-Test mit Browsermessung vor.
- Bei validierenden Resolvern lag der doppelt signierte Pfad gegenüber der klassischen Kontrolle im Median 1 ms und beim p99 1.405 ms höher. Die Folien nennen für das aggregierte Ergebnis 6,0 Prozent Net Breakage. Der frühe, verrauschte Versuch belegt keine Ausfallquote für die gesamte Nutzerschaft.
Der Median beruhigt, der lange Schwanz weckt den Bereitschaftsdienst
Eine Millisekunde mehr im Median: Das ist die Zahl, die eine Upgrade-Ankündigung groß drucken würde. Joe Abley brachte bei RIPE 93 die ungemütlichere Zeile mit: Beim p99 lag der doppelt signierte Pfad 1,405 Millisekunden über der klassischen Kontrolle. Dort sitzt das langsame Ende der Verteilung, an dem einige Nutzer warten, während die vielen schnellen Antworten den Durchschnitt hübsch halten.
Die Grafik in den Originalfolien von RIPE 93 zieht bei validierenden Resolvern die Zeit der Kontrolle mit Algorithmus 13 von der Zeit der Doppelsignatur ab. Die Differenzen betragen +1 ms im Median, +147 ms beim p90, +618 ms beim p95 und +1.405 ms beim p99. Gemessen wurde die verstrichene Zeit des Browser-Tests, nicht allein die Dauer der kryptografischen Prüfung. Als nicht validierende Vergleichslinie zeigte Abley außerdem eine absichtlich kaputte klassische Algorithmus-13-Signatur gegenüber der Kontrolle: 0, +73, +215 und +1.132 ms an denselben Perzentilen.
Der Test sammelte rund 140.000 Datenpunkte; die Browseraufgabe wurde einem von 1.000 Nutzern angezeigt. Jede Aufgabe startete vier parallele HTTPS-Abrufe für von Cloudflare bereitgestellte DNS-Namen: eine Algorithmus-13-Kontrolle, eine absichtlich fehlerhafte Algorithmus-13-Signatur, einen ML-DSA-44-Pfad mit Algorithmus 18 und einen Namen mit beiden Signaturen. Folie 19 nennt für validierende Resolver aggregiert 6,0 Prozent „Net Breakage“. Abley berichtete von deutlich mehr Fehlern in ungefähr 20 autonomen Systemen; in den meisten beobachteten AS gab es keinen Unterschied. Die Präsentation ordnet nicht jedem Fehler eine Ursache zu.
Die neue Signatur kann den alten Notausgang schließen
Möglich war der Test, weil 1.1.1.1 seit dem 10. September ML-DSA-44 für alle Clients validieren konnte, allerdings in Testzonen. Das war Validierungsunterstützung, kein Start eines Post-Quantum-Signierdienstes für Kunden. Das IANA-Register führt Algorithmus 18 als ML-DSA-44 und markiert Signierung und Validierung jeweils mit MAY. Algorithmus 13, ECDSA P-256 mit SHA-256, ist als RECOMMENDED eingetragen.
Bei gewöhnlichem DNSSEC kann ein Resolver einen RRset annehmen, wenn eine der ihn abdeckenden RRSIG gültig ist. RFC 6840 sagt, ein Resolver sollte jede gültige Signatur akzeptieren und den RRset erst dann als bogus markieren, wenn alle scheitern. RFC 4035 überlässt den Umgang mit Konflikten der lokalen Sicherheitsrichtlinie. Cloudflares strengere Post-Quantum-Regel schließt diesen Notausgang: Ist eine Signatur mit Algorithmus 18 vorhanden, muss sie validieren. Eine gültige Algorithmus-13-Signatur kann eine kaputte ML-DSA-44-Signatur nicht retten. So soll verhindert werden, dass ein Angreifer die Post-Quantum-Aufrüstung unauffällig auf die klassische Signatur zurückstuft.
Der Schutz macht die neue Signatur zugleich zur Verfügbarkeitsbedingung. Ist sie fehlerhaft, kann der Resolver auch eine Antwort verwerfen, die allein mit der klassischen Signatur authentifiziert wäre. Das ist eine lokale Entscheidung des Resolvers und keine Änderung am DNSSEC-Grundprotokoll.
Der Browser war kein Reinraum
Abley nannte die Ergebnisse sehr früh und verrauscht. Der Test verwendete dieselben DNS-Namen wiederholt, sodass Caches den Vergleich beeinflussen konnten; Cache-Busting fehlte. HTTPS-Weiterleitungen kosteten zusätzliche Zeit. Wer die Aufgabe schnell abschloss, konnte die Messung früh verlassen; ein Zwei-Sekunden-Limit schnitt langsame Anfragen ab. Heimnetz und Browser brachten weiteres Rauschen. Die Folien liefern damit einen Prüfhinweis, aber keine Ursache für jeden einzelnen Fehler.
Die Rollout-Entscheidung war noch offen. Cloudflare experimentierte weiter mit Online-Signierung durch ML-DSA-44 und hatte keinen Termin für die Verfügbarkeit bei Kunden genannt. Compliance-Anforderungen könnten Nachfrage nach einer freiwilligen Option schaffen; Doppelsignaturen als Voreinstellung erforderten großes Vertrauen, dass sie den Dienst nicht stören. Joe Ableys individueller Internet-Draft schlägt ein Extended-DNS-Error-Signal vor, das eine strenge lokale Resolver-Richtlinie von einer unerklärten negativen Antwort unterscheidbar macht.
Ein randomisierter Wiederholungstest mit Cache-Busting und Resolver-Traces würde die Rollout-Entscheidung verändern: Er könnte DNS-Validierungsfehler von Weiterleitungen, Browserabbrüchen und Zeitüberschreitungen trennen. Bis dahin ist die Form des Ergebnisses die belastbare Nachricht: In der Mitte fast flach, am Rand steil — und die Richtlinie zählt die Post-Quantum-Signatur mit.
Quellen
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