Zusammenfassung

  • Jarkko Oikarinen schrieb IRC im August 1988 für OuluBox. Als zeitweise mehr als zehn Personen den Dienst nutzten, bat er weitere finnische Hochschulen um Server.
  • 1991 erreichte IRC bereits Hochschulnutzer in Australien. RFC 1459 beschrieb später einen Serverbaum und die Rechte der Operatoren, räumte aber Unterschiede zwischen Implementierungen ein.

Am Anfang stand eine praktische Reparatur. Jarkko Oikarinen betreute einen Unix-Server an der Universität Oulu in Finnland und arbeitete an einem umfassenderen Kommunikationsprogramm für OuluBox, das öffentlich zugängliche BBS der Universität. Es sollte Diskussionsgruppen und Gespräche in Echtzeit ermöglichen. Das vorhandene Mehrbenutzerprogramm MultiUser Talk funktionierte oft nicht zuverlässig; deshalb setzte Oikarinen IRC als ersten Teil des Vorhabens um. In seiner späteren Erinnerung entstand IRC im August 1988, das genaue Datum wusste er nicht mehr. Oikarinen über die IRC-Geschichte ist ein Rückblick eines Beteiligten, kein zeitgenössisches Betriebsprotokoll.

Oikarinen schildert die Ausbreitung als Folge von Menschen, die einen weiteren Server betrieben. Als IRC zeitweise mehr als zehn Nutzer hatte, bat er Freunde an der Tampere University of Technology und der Helsinki University of Technology, Server bereitzustellen. Weitere finnische Hochschulen folgten. Später gab er das Programm an Kontakte weiter, die er über BITNET Relay kennengelernt hatte. Nutzer an der University of Denver und der Oregon State University starteten eigene Server und wollten sie mit dem finnischen Netz verbinden. Das sind benannte Stationen der frühen Ausbreitung, keine vollständige Hostliste.

Die Architektur machte diese Vervielfältigung möglich. Ein Client verband sich mit einem Server; Server verbanden sich untereinander und leiteten Nachrichten für Nutzer und Kanäle weiter. RFC 1459, im Mai 1993 von Oikarinen und Darren Reed veröffentlicht, beschreibt einen Serverbaum: Für jeden Server gab es im Netz genau einen Weg nach oben. Das vermied Schleifen, konnte aber dazu führen, dass ein abgebrochener Serverlink den dahinterliegenden Ast abtrennte. Beispiele in der RFC bewahren Namen aus dem realen Betrieb, darunter Oulus tolsun.oulu.fi und einen Server der Boston University. RFC 1459

Das Dokument behauptet nicht, alle Implementierungen seien bereits einheitlich. Es hält fest, das Protokoll sei über mehrere Jahre entwickelt worden, und beschreibt den damaligen Stand. Als einzige aktuelle Implementierung nennt der Abschnitt IRC-Serverversion 2.8; zugleich räumt er Abweichungen durch Rückwärtskompatibilität ein. Die Einschränkung ist aufschlussreich: Die RFC brachte die gemeinsame Sprache und das Verhalten eines laufenden Systems zu Papier, ließ Unterschiede aber sichtbar. Eine Spezifikation konnte die Interoperabilität besser beschreibbar machen, beweist jedoch nicht, dass jeder Server sie gleich umsetzte.

Eine Studie von 1991 hält einen Zustand vor der RFC fest. In Electropolis beschreibt Elizabeth Reid von der University of Melbourne IRC als synchrone Mehrbenutzerkommunikation und untersucht, wie Nutzer über Spitznamen, Kanäle und laufende Gespräche Gemeinschaften bildeten. Sie betrachtet die Nutzung in Australien vor dem Hintergrund des akademischen Netzes AARNet. Ihre Arbeit schätzt, dass es bereits Hunderte Server gab; das ist eine zeitgenössische Schätzung, keine weltweite Zählung. Sie zeigt, dass IRC schon vor der formellen Protokollbeschreibung ein sozialer Raum über große Entfernungen war. Reid, Electropolis (1991)

Auch der Betrieb war verteilt, aber nicht machtlos. RFC 1459 gab Operatoren Wartungsbefehle für das Netz, darunter das Trennen und erneute Verbinden von Servern zur Korrektur von Routen. Operatoren durften außerdem Nutzer aus dem verbundenen Netz entfernen. Channel-Operatoren verwalteten Mitglieder in einem engeren Bereich. Reids beobachtete Operator-Mitteilungen zeigen, dass diese Rechte im Betrieb sichtbar waren; ihre Studie belegt nicht, dass alle IRC-Netze sie gleich handhabten.

IRC wuchs durch wiederverwendbare Software, Institutionen, die Server bereitstellten, und ein Protokoll, das erst später beschrieben wurde. Es war kein zentraler Dienst, der von einer Stelle aus ausgerollt wurde. Trotzdem blieb der Serverbaum von Verbindungen und den Menschen abhängig, die sie reparieren durften. RFC 1459 dokumentierte diese Betriebsform; sie schuf weder die bereits bestehende Gemeinschaft noch machte sie örtliche Entscheidungen überflüssig. RFC 2810 aus dem Jahr 2000 datiert den Beginn der Protokollentwicklung rückblickend auf 1989 und sagt, RFC 1459 habe sie 1993 erstmals formal beschrieben. Das lässt sich mit Oikarinen 1988er Datum für die erste Implementierung vereinbaren: Gemeint sind verschiedene Meilensteine. RFC 2810