Zusammenfassung

  • Nach ICANNs Mitteilung vom 15. Oktober gab es bei 87,5 Prozent von mehr als 70 abgeschlossenen Sanierungsplänen gegen DNS-Missbrauch bis dahin keinen Hinweis auf Wiederholung. Gezählt werden Pläne, nicht sämtliche Untersuchungen oder Domains.
  • ICANN prüft neue Beschwerden, Testmeldungen und Reaktionszeiten, nennt aber weder den genauen Nenner noch die Beobachtungsdauer der einzelnen Pläne.

Ein schädlich genutzter Domainname kann gesperrt sein, während die langsame oder fehlerhafte Missbrauchsbearbeitung beim Registrar weiterbesteht. ICANN lässt manche Compliance-Untersuchung noch Monate nach der ersten Abhilfe offen, um genau diese zweite Ebene zu prüfen. Das ist eine bessere Frage als „Ist die Domain weg?“. Die dazu veröffentlichte Erfolgszahl hat jedoch keine Zeiteinheit.

Im Compliance-Bericht vom 15. Oktober nennt ICANN mehr als 70 abgeschlossene Abhilfepläne aus der Zeit vom 5. April 2024 bis 5. August 2026. Bei 87,5 Prozent sei bislang kein Indikator für erneutes Versagen sichtbar. Für die übrigen Pläne habe es beschleunigte Compliance-Schritte gegeben, darunter Vertragsverletzungsanzeigen und gegebenenfalls Kündigung. ICANN erwähnt weitere Beschwerden, Testberichte sowie Messungen von Antwort- und Abhilfezeiten. Nicht genannt werden die exakte Planzahl, der Beginn und die Dauer der Beobachtung je Plan oder die jeweilige Schwelle für eine Wiederholung.

Ein gerade abgeschlossener Plan musste noch kaum Belastung aushalten; ein früh abgeschlossener stand länger im Einsatz. Wenn bis zum Berichtstag kein Signal auftaucht, landen beide in denselben 87,5 Prozent. Ohne Altersklassen kann der Leser eine kurze Ruhephase nicht von einer haltbaren Verbesserung trennen. Aus „mehr als 70“ lässt sich zudem ein Wert mit einer Nachkommastelle nicht nachrechnen.

Die übrigen Zahlen betreffen andere Grundgesamtheiten. ICANN eröffnete im Zeitraum mehr als 650 Untersuchungen gegen Vertragspartner und schloss mehr als 570 ab. Bei ungefähr 66 Prozent der abgeschlossenen Fälle führte dies zu Maßnahmen, die Missbrauch stoppten, bei 8 Prozent zu einer Störung; in 21 Prozent legten Vertragspartner Belege dafür vor, dass keine verwertbaren Hinweise bestanden. ICANN erließ acht Vertragsverletzungsanzeigen und beendete eine Registrar-Akkreditierung wegen Verstößen gegen DNS-Missbrauchspflichten. Das sind Fall- und Sanktionszahlen, keine Rückfallquote für Abhilfepläne. Die Vertragsänderung von 2024 verlangt bei verwertbaren Hinweisen zügige, angemessene Schritte zum Stoppen oder Stören des Missbrauchs; sie schreibt nicht die automatische Sperre jeder gemeldeten Domain vor.

Pläne können im informellen oder formellen Verfahren entstehen. ICANN veröffentlicht nur solche aus dem formellen Teil und beziffert den öffentlichen Anteil der abgeschlossenen Pläne nicht. Die rollierenden Zwölfmonatsberichte zeigen Beschwerde- und Durchsetzungstrends, nicht den Verlauf jedes Plans. Eine anonymisierte Tabelle mit Beginn, Beobachtungszeit, Rückfallkriterium und Status würde die Quote überprüfbar machen, ohne Betroffene oder vertrauliche Akten offenzulegen.