Zusammenfassung
- Der höchste nutzbare Generic-Metric-Wert hält einen Link als letzten Ausweg in der Flex-Algorithm-Berechnung; er zieht ihn nicht zurück.
- Fehlt die von der gewinnenden FAD verlangte Nicht-IGP-Metrik, wird der Link entfernt. Fehlt dagegen nur der Bandbreiten- oder Verzögerungsbeleg eines Constraints, entfernt genau diese Regel ihn nicht.
- Ein belastbarer Beleg nennt Feldpräsenz, Herkunft, explizite oder abgeleitete Metrik, konsumierende Regel, ersten Pruning-Grund, berechnete Topologie und getrennte Laufzeitbeobachtungen.
Die Wartungsanweisung war scheinbar eindeutig: Alle Metriken auf den Höchstwert setzen, dann ist der Router aus dem Verkehr. Die meisten Pfade wichen aus. Einer blieb.
Das ist als Gedankenexperiment kein Protokollfehler. Ohne kürzere Alternative bleibt ein Link mit Höchstmetrik als letzter Ausweg nutzbar. Die Änderung hat ihn unattraktiv gemacht, nicht gelöscht. Auf derselben Konsole kann eine fehlende Metrik tatsächlich zum Löschen führen. Ein anderer fehlender Wert lässt den Link jedoch die nächste Prüfregel erreichen. „Rot“ ist kein Rechenzustand.
RFC 9843, seit September 2025 Standards Track und im RFC-Editor-Datensatz dokumentiert, aktualisiert RFC 9350. Die Textfassung und XML-Fassung definieren Generic Metrics, Mindestbandbreiten- und Höchstverzögerungs-Constraints, eine Bandwidth Metric sowie automatische Berechnung für IS-IS und OSPF. Das beweist gemeinsame Semantik, aber weder Einführung noch einen realen Pfad.
Höchstwert heißt letzter Ausweg
Für IS-IS ist 0xFFFFFF die höchste nutzbare Generic Metric, für OSPF 0xFFFFFFFF. Ein solcher Link bleibt nach RFC 9843 als Last-Resort-Link im Algorithmus. Bei Wartung kann er Verkehr auf günstigere Alternativen verdrängen und zugleich Restkonnektivität bewahren, wenn keine Alternative existiert.
Deshalb ist die Aussage „maximal gesetzt und damit isoliert“ unhaltbar. Wer Isolation verlangt, muss einen Mechanismus und ein Ergebnis nachweisen, die den Link aus der relevanten Berechnung entfernen. Der Änderungsbeleg braucht Metriktyp, FAD, betroffene Advertisements, Wert, Neuberechnung und beobachtete Alternativpfade.
RFC 1195 und RFC 2328 bilden die getrennten Grundlagen von IS-IS und OSPF. RFC 5305 und RFC 3630 definieren Traffic-Engineering-Attribute. Für Metriktypen mit einem Altmechanismus bleibt dieser maßgeblich; eine doppelte Generic-Metric-Darstellung wird ignoriert. Der Herkunftspfad ist Teil der Gültigkeit.
Fehlt die ausgewählte Metrik, fehlt die Vergleichsbasis
Die gewinnende Flexible Algorithm Definition legt Metriktyp, Berechnungsart und Constraints fest. RFC 9350 ordnet an, einen Link zu prunen, wenn die ausgewählte Metrik nicht die gewöhnliche IGP-Metrik ist und für den Link nicht angekündigt wurde. Null darf nicht angenommen werden.
Das verhindert eine fatale Umkehrung: Ohne Wert darf der am schlechtesten belegte Link nicht zum billigsten werden. Ebenso wenig darf ein Herstellerdefault die gemeinsame Topologie bestimmen. Abwesenheit ist hier ein Mangel an zwingender Recheneingabe.
Automatische Bandwidth-Metric-Berechnung ist ein ausdrücklich gewählter Ersatzpfad. Fehlt die explizite Metrik, kann sie aus der angekündigten Link Bandwidth abgeleitet werden. Fehlt auch diese Bandbreite, muss der Link für diese Berechnung entfernt werden. Ein Datenmodell muss deshalb zwischen „explizit fehlt, abgeleitet vorhanden“ und „nicht berechenbar“ unterscheiden.
Fehlt dem Constraint der Beleg, bleibt die Frage offen
FAEMB vergleicht die angekündigte Maximum Link Bandwidth mit einer Mindestanforderung. Ein vorhandener Wert unterhalb der Grenze führt zum Pruning. Fehlt die Bandbreitenanzeige, darf der Link nicht aufgrund dieses Constraints entfernt werden; spätere Regeln werden trotzdem ausgeführt.
FAEMD vergleicht Min Unidirectional Link Delay mit einem Höchstwert. RFC 8570 und RFC 7471 liefern den Verzögerungskontext. Ein zu hoher vorhandener Wert schließt aus. Ein fehlender Wert tut es unter dieser Regel nicht.
Das ist kein bestandener Test. Es ist ein Test ohne auswertbare Prämisse. Wer „konform“ schreibt, verwandelt fehlende Evidenz in positive Evidenz. Wer „geprunt“ schreibt, erfindet ein Fail-Closed-Verhalten. RFC 9479 und RFC 9492 zeigen außerdem, dass ein Link-Attribut im richtigen Anwendungskontext stehen muss; bloße Existenz an anderer Stelle reicht nicht.
Ein Betreiber darf vor Aktivierung lokale Vollständigkeit verlangen. Diese Zulassungsregel muss aber als zusätzliche Betreiberentscheidung ausgewiesen werden. docs/heng-lu-note.md liefert dafür die Architektur: Im gemeinsamen Layer stehen nur die deterministischen Interoperabilitätsregeln. Schwellen, Risikotoleranz und Einführungszeitpunkt bleiben lokal und werden erst durch laufenden Code real.
Zentral berechnete Kapazität ist keine aktuelle Last
Beim Referenzbandbreitenverfahren wird ein Referenzwert durch die Linkbandbreite geteilt. Granularität verhindert, dass kleine Kapazitätsänderungen die Metrik ständig wechseln lassen. Das Schwellenverfahren ordnet Bandbreitenbereichen vorgegebene Metriken zu. Beide gleichzeitig machen die FAD ungültig; eine Referenz von null macht das betreffende Sub-TLV unbrauchbar.
Eine explizite Bandwidth Metric hat Vorrang. Im Interface Group Mode werden parallele Links konsistent behandelt. Haben alle eine explizite Metrik, werden die Einzelwerte verwendet. Hat nur ein Teil eine, werden diese Teilangaben ignoriert und alle Werte automatisch berechnet. RFC 8668 und RFC 9356 erklären den Kontext von Layer-2-Bundle-Mitgliedern: Ausfälle einzelner Komponenten können die aggregierte Kapazität verändern.
RFC 9843 grenzt die Aussage ausdrücklich ein. Die Verfahren basieren auf Gesamt- beziehungsweise Maximalbandbreite und aktualisieren die Metrik nicht aus dem tatsächlichen Verkehrsfluss. Sie ersetzen nicht die dynamische Sicht einer Path Computation Element-Architektur nach RFC 4655. Eine niedrige Kapazitätsmetrik ist kein Beleg für aktuell freien Durchsatz.
Der Beleg muss den Entscheidungsweg bewahren
RFC 8919 und RFC 8920 liefern Kontext für IS-IS- und OSPF-Flex-Algorithm-Definitionen. Ein Beleg speichert die gewinnende FAD, Herkunft, Version, Berechnungs- und Metriktyp sowie die geordnete Constraint-Liste. RFC 2119 und RFC 8174 begrenzen die normative Bedeutung der Schlüsselwörter.
Pro Link gehören dazu: Präsenzbit für ausgewählte Metrik, Bandbreite, Verzögerung und Anwendungskontext; Rohwert, Einheit, Alter, Fragment oder LSA; explizite, abgeleitete oder fehlende Herkunft; Referenz, Granularität oder Schwellentabelle; Interface-Gruppe; Auflösung von Duplikaten und ungültigen Kombinationen; erste Pruning-Regel oder vollständiges Überleben. SPF-Ausgabe, FIB-Beobachtung, Paket und Dienstresultat folgen als getrennte Beweise.
Die Gegenprobe verändert jeweils nur eine Bedingung. Höchstwert ohne Alternative: Link bleibt. Ausgewählte Metrik fehlt: Link geht. Automatik ohne Link Bandwidth: Link geht. FAEMB- oder FAEMD-Evidenz fehlt: Diese Regel entfernt ihn nicht und bescheinigt nichts. Teilmetriken in einer Parallelgruppe: ignorieren und einheitlich ableiten. Beide Automatikmethoden: FAD ignorieren.
Interoperabilität bedeutet nicht gleiche Ampelfarbe. Sie bedeutet gleichen Grund aus gleichen Eingaben.
Grenzen
Kein Router, Produkt, Herstellerdefault, Algorithmus, Schwellenwert, Link, Delay, Bereich oder Wartungsvorgang wurde getestet. Keine FIB, kein Paket, keine vermiedene Überlast und kein SLA-Ergebnis wurde beobachtet. Standards Track beweist keine Implementierung. Eine berechnete Topologie beweist keinen benutzten Pfad.
Die belastbare Aussage bleibt: Der Höchstwert erhält den letzten Ausweg. Eine fehlende erforderliche Metrik kann entfernen. Ein fehlender Constraint-Beleg entfernt unter dieser Regel nicht. Wer die konsumierende Regel nicht aufzeichnet, zeichnet die Entscheidung nicht auf.
Quellen
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