Zusammenfassung

  • HKMAs ART-Plan bündelt KI-Aufsichtshinweise für Banken, die Qualität von Trainingsdaten und Tests agentischer KI.
  • In mehr als 60 Prozent der Anwendungsfälle der zweiten Sandbox-Runde wurde agentische KI erkundet. Das ist eine Quote für Experimente, keine Kennzahl für Banken oder Produktivsysteme.

Analyse

Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) stellte am 15. Oktober ihren Rahmen ART — Accountability, Resilience and Trust — für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz durch Banken vor. Die Mitteilung beschreibt mehrere Schritte; die konkreten Aufsichtsregeln für agentische KI sollen erst in einem späteren Diskussionspapier behandelt werden. Sie kündigt weder ein neues KI-Gesetz an noch behauptet sie, dass das geplante Agenten-Regime bereits gilt.

Die Behörde nennt drei laufende Stränge. Sie habe aktualisierte Aufsichtshinweise für den verantwortungsvollen KI-Einsatz herausgegeben, gestützt auf Erfahrungen aus der zweiten Runde ihres GenAI Sandbox. Außerdem kündigte sie gemeinsam mit Hong Kong Cyberport Management Company Limited und der Universität Hongkong eine Plattform zum Austausch von Trainingsdaten an. Die Sicherung der Datenqualität sei dabei ein Gestaltungsprinzip. Hinzu kommen weitere Tests agentischer KI über GenAI Sandbox++.

Einen Starttermin, Zugangsbedingungen oder technische Anforderungen für die Plattform nennt die Mitteilung ebenso wenig wie einen Zeitplan für das Diskussionspapier.

Die oft zitierte Marke von mehr als 60 Prozent muss eng gelesen werden. Laut HKMA erprobten mehr als 60 Prozent der Anwendungsfälle aus der zweiten Runde agentische KI, darunter automatisierte Planung und mehrstufige Aufgaben innerhalb definierter Grenzen und Kontrollen. Die Behörde nennt weder den Nenner noch die Zahl der erfolgreich bewerteten Versuche oder der produktiv eingesetzten Fälle. Im Oktober 2025 hatte sie für die zweite Runde zunächst 27 Anwendungsfälle aus 20 Banken und von 14 Technologiepartnern ausgewählt.

Diese Zahl beschreibt die damalige Auswahl; sie belegt nicht, dass genau diese 27 Fälle die Berechnungsgrundlage der Quote von 2026 waren.

Die bestehenden Regeln sind ein wichtiger Vergleichspunkt. Bereits das KI-Rundschreiben von 2019 machte Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen für KI-gestützte Entscheidungen verantwortlich. Es verlangte außerdem klare Zuständigkeiten in den drei Verteidigungslinien, risikogerechte Erklärbarkeit, hochwertige Daten, Modellvalidierung, Prüfprotokolle und die Kontrolle externer Anbieter. Die HKMA teilt mit, dass sie aktualisierte Hinweise herausgegeben habe, verlinkt das Dokument aber nicht und erläutert die Änderungen nicht.

In ihrem Regelwerk wird das Rundschreiben von 2019 weiterhin als aktuell geführt; die neue Mitteilung erklärt es nicht für abgelöst.

Agentische Systeme können Daten, Werkzeuge und Abläufe nutzen, um mehrere Schritte zu planen und auszuführen. Der Wechsel von einem begrenzten Test in einen realen Bankprozess ist deshalb auch ein Governance-Wechsel: Zuständigkeit, erlaubte Fähigkeiten, überprüfbare Aktionsnachweise sowie eine Möglichkeit zum Stoppen oder Begrenzen müssen geklärt sein. Für das spätere Diskussionspapier nennt die HKMA eine an der Absicht ausgerichtete Verantwortlichkeit, ein Register wesentlicher Agenten und Eingriffsmechanismen. Das sind vorgeschlagene Themen, noch kein veröffentlichter Kontrollstandard.

ART beschreibt damit eine Abfolge: Hinweise und Tests laufen bereits, die Dateninfrastruktur ist angekündigt, die besonderen Aufsichtsdetails für Agenten folgen erst noch.

Quellen