Zusammenfassung
- Ein fertig angelegter Hetzner-Cloud-Server kostet, solange er existiert. Ausschalten erhält die zugeteilten Ressourcen; erst Löschen beendet deren Vorhaltung für diesen Server.
- Automatische Backups werden mit dem Server gelöscht. Snapshots können separat erhalten bleiben, enthalten aber keine angeschlossenen Volumes.
- Die Ersparnis während einer Pause muss gegen Aufbewahrung, Adresse, Wiederaufbau und die erneute Beschaffung von Kapazität gerechnet werden.
Der gefährlichste Satz am Ende eines kleinen Webprojekts lautet: „Das brauchen wir vielleicht nächstes Jahr wieder.“ Er enthält keine Bestellung, keinen Termin und meist auch keinen Preis. Trotzdem kann er eine Rechnung zuverlässig am Leben halten.
Man stelle sich eine Agentur nach einer jährlichen Fachmesse vor. Die Anmeldung ist geschlossen, die Website hat ihre Arbeit getan. Der Entwickler schaltet den Server aus. Für die Buchhaltung bleibt er erstaunlich wach. Bei Hetzner Cloud ist das die dokumentierte Abrechnung: Ein erstellter Server wird bis zur Löschung berechnet, unabhängig von seinem Stromzustand.
Hetzner begründet das mit der fortbestehenden Ressourcenzuteilung und dem dadurch schnellen Start. Der Kunde hat also nicht bloß ausgeführte Rechenarbeit gekauft. Er hält einen bereits zugeteilten Platz. Dass dort gerade niemand arbeitet, gibt ihn nicht an den Anbieter zurück.
Für die Agentur ist das eine brauchbare Leistung, wenn sie dem Kunden eine kurzfristige Wiederaufnahme versprochen hat. Teuer wird sie vor allem dann, wenn niemand bemerkt hat, dass diese Zusage weiterhin erbracht werden soll.
Das Archiv ist ein anderes Produkt
Für längere Auszeiten schlägt Hetzner vor, einen Snapshot zu erstellen, den Server zu löschen und später aus dem Snapshot einen neuen anzulegen. Auch ein Snapshot kostet Speichergebühren. Die Haltung eines Plattenzustands kann aber günstiger sein als die eines vollständigen Servers.
Damit ändert sich der Liefergegenstand: Aus einem vorhandenen System werden aufbewahrte Bestandteile für einen späteren Aufbau. Das kann genau richtig sein. Ein Kunde, der nur seine Veranstaltungsunterlagen bewahren will, braucht möglicherweise keine monatelang zugeteilte Maschine. Wer einen festen Öffnungstermin für die nächste Anmeldung verkauft, muss mehr vorbereiten.
Vor dem Löschen verdient das Wort Backup deshalb eine Nachfrage. Die Backup- und Snapshot-FAQ beschreibt automatische Backups als an den Server gebunden. Sie verschwinden mit ihm. Snapshots können erhalten bleiben; ein ausgewähltes Backup lässt sich vorher in einen Snapshot umwandeln.
Die Agentur muss wissen, welche Kopie nach ihrer geplanten Handlung tatsächlich noch existiert. „Es gibt doch Backups“ ist dafür eine zu große Sammelschublade. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt der Kopie. Die letzte Korrektur des Kunden wandert nicht nachträglich in einen früher aufgenommenen Plattenzustand.
Die Funktionsübersicht nennt eine weitere Grenze: Angeschlossene Volumes sind in diesen Backups und Snapshots nicht enthalten. Liegen die Messebilder auf einem separaten Volume, nimmt die Kopie der Systemplatte sie nicht mit. Die scheinbar einfache Archivierung braucht jemanden, der den tatsächlichen Aufbau kennt.
Genau diese Arbeit bleibt gern liegen. Der verantwortliche Entwickler steckt schon im nächsten Auftrag, die Dateien sind nur teilweise dokumentiert, die kleine Monatsrechnung stört weniger als eine mögliche Datenpanne. So wird die Ressourcenvorhaltung zugleich zum Abonnement auf eine vertagte Entscheidung.
Die Adresse kann bleiben und weiter kosten
Primary IPs werden getrennt vom Server verwaltet. Nach der zugehörigen Dokumentation bestimmt bei einer ungeschützten Adresse die automatische Löschoption, ob sie mit dem Server verschwindet. Ist die Option deaktiviert, bleibt die Adresse bestehen.
Eine behaltene Primary IPv4 wird auch ohne zugewiesenen Server berechnet. Primary IPv6 ist laut Abrechnungs-FAQ kostenlos. Nach einer Serverlöschung kann deshalb eine bewusst erhaltene Adresse auf der Rechnung stehen. Ob sie eine gute Investition oder ein vergessener Rest ist, entscheidet ihr Zweck.
Dieser Zweck hat einen Ort. Eine Primary IP lässt sich nur einem Server am selben Standort zuweisen. Die Agentur kann die vertraute Adresse aufbewahren, aber nicht beliebig dorthin tragen, wo beim nächsten Mal gerade eine Maschine verfügbar ist.
Auch beim Speicher ist Trennen nicht gleich Kündigen. Die Anleitung für die Hetzner Console führt das Abhängen und das Löschen eines Volumes als getrennte Schritte auf. Ein unverbundenes Volume kann weiterhin bestehen und Kosten verursachen. Die gelöschte Serverzeile ist kein Schlussstrich unter sämtliche Ressourcen des Projekts.
Ein Snapshot reserviert keinen Nachfolger
Eine Kopie kann vorliegen, während eine neue Kapazitätszuteilung noch aussteht. Die allgemeine Cloud-FAQ nennt Kontolimits, fehlende Ressourcen an einem Standort und vorübergehende Einschränkungen für bestimmte Kunden als mögliche Hindernisse beim Anlegen neuer Instanzen. Bestehende Server bleiben bei den beschriebenen vorübergehenden Einschränkungen im Projekt.
Damit lässt sich der Wert des ausgeschalteten Servers genauer benennen: Er hält eine bereits erfolgte Zuteilung. Wer ihn löscht, spart deren laufenden Preis und nimmt die erneute Beschaffung in den nächsten Arbeitsplan auf. Die gespeicherte Platte erledigt diesen Einkauf nicht.
Ein anderer Standort kann eine Ausweichmöglichkeit bieten. Die behaltene Primary IP bleibt jedoch an ihren Standort gebunden. Außerdem erläutert die Standortübersicht Preisunterschiede zwischen Netzwerkzonen. Ein altes Abbild bewahrt weder jedes Angebot noch jede Kombination aus Adresse und Standort.
Für eine interne Demonstration ohne festen Termin mag diese Flexibilität genügen. Bei einem veröffentlichten Veranstaltungsdatum hat Wartezeit einen anderen Preis. Die richtige Entscheidung hängt deshalb auch davon ab, was die Agentur ihrem Kunden für den Rückweg zugesagt hat.
Die Rechnung nach dem Abschied
Hetzner rechnet nachträglich für die erbrachte Leistung ab. Eine Rechnung nach der Löschung kann den vorherigen Zeitraum betreffen. Ihr Eingangsdatum beweist nicht, dass der entfernte Server weiter Kosten aufbaut.
Umgekehrt sollte die Buchhaltung nicht jeden kleinen Restbetrag zur letzten Rechnung erklären. Vielleicht existiert die IPv4-Adresse weiter, vielleicht ein Volume. Die Einzelverbrauchsübersicht erlaubt es, Ressource und Zeitraum der Entscheidung zuzuordnen. Erst dann zeigt sich, ob Vergangenes bezahlt oder Gegenwärtiges behalten wird.
Für unsere erfundene Agentur fehlen Inventar, Pausenlänge und Wiederaufbauzeit; erst damit lässt sich eine wirtschaftliche Löschschwelle bestimmen. Ein pauschaler Spartipp wäre schneller geschrieben als ausgerechnet.
Die saubere Offerte kennt drei Möglichkeiten: betriebsbereite Umgebung vorhalten, Material mit späterem Wiederaufbau archivieren oder den Auftrag vollständig beenden. Alle drei können ihren Preis wert sein. Schlechte Geschäfte entstehen, wenn die Agentur die dritte Variante berechnet und die erste verspricht.
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