Zusammenfassung

  • Ein Gastbeitrag bei Internet Society Pulse vom 24. September beschreibt, wie HERMES M-Lab-Tests mit dem jeweiligen früheren Zustand einer Nutzergruppe vergleicht.
  • Im Dashboard heißt die zugeordnete Stelle „Likely source“. Die Erläuterung bezeichnet sie ausdrücklich als Schlussfolgerung, nicht als Feststellung eines Verschuldens.
  • Einzelheiten eines Ereignisses sind erst nach Anmeldung und eigener BigQuery-Abfrage einsehbar; die Übersicht ist öffentlich.

Die wichtigste Beobachtung liegt zwischen Ausfall und Normalbetrieb: Datenpakete kommen noch an, doch die Verzögerung steigt. Loqman Salamatian schildert im September-Beitrag einen Fall mit Chicago und Cogent, bei dem die Latenz mehr als 200 Millisekunden über der Vergleichsbasis gelegen und die Route einen Umweg genommen habe. Das ist ein Beispiel der Forschenden. BTW hat daraus weder ein Fehlverhalten von Cogent noch eine konkrete Ersatzpflicht ermittelt.

HERMES nutzt von Menschen ausgelöste Tests, keine gleichmäßig gezogene Stichprobe aller Anschlüsse. Das Verfahren betrachtet Änderungen innerhalb derselben Netz- und Ortsgruppe gegenüber deren Vergangenheit; Pfadinformationen helfen anschließend, einen möglichen gemeinsamen Abschnitt einzugrenzen. M-Lab berichtete im August von ungefähr vier Milliarden ausgewerteten Tests über fünf Monate und etwa 65.000 erkannten Ereignissen. Diese Zahlen bezeichnen Datensatz und Erkennungsergebnis, nicht sämtliche Störungen des Internets. Ein vollständiges Verzeichnis tatsächlicher Vorfälle als Kontrollmaßstab gibt es laut dem Projekt nicht.

Gerade deshalb ist der Wechsel im derzeit als „staging“ gekennzeichneten Dashboard bemerkenswert. Die Spalte hieß zuvor „responsible entity“ und trägt nun den vorsichtigeren Titel „Likely source“, ergänzt um den Hinweis, dass keine Schuld festgestellt wird. In tiefer liegenden Hilfetexten tauchen weiterhin Formulierungen der Verantwortlichkeit auf. Wer nur das Ranking weitergibt, kann dessen Vorbehalt leicht verlieren. Die öffentlichen Übersichten und die Einzelansicht haben zudem unterschiedliche Zugangsbedingungen: Für Letztere ist ein Google-/M-Lab-Konto nötig, da BigQuery-Abfragen das Kontingent des Nutzers belasten.

Das ist kein Beleg dafür, dass die Daten grundsätzlich unzugänglich sind; es verändert aber die Nachprüfbarkeit einer schnellen öffentlichen Behauptung.

Auch technische Grenzen gehören zum Befund. Laut Leitfaden gibt es Rückweg-Traceroutes bei etwa einem Viertel der Tests. Der Pulse-Beitrag spricht davon, dass bei ungefähr der Hälfte der untersuchten problematischen Verbindungen Belege in beide Richtungen erforderlich waren. Die Bezugsgruppen sind verschieden. Hinzu kommen die aktuellen metro · ipinfo- und die älteren city · maxmind-Gruppierungen. Ein Sprung in einer Zeitreihe kann deshalb an der Einteilung liegen, ohne dass sich das Netz entsprechend geändert hat.

Daniel Kade empfiehlt, bei der Wiedergabe einer wahrscheinlichen Quelle stets Ereignisgruppe, Zeitraum, Vergleichsbasis, Pfadrichtungen, Gruppierungsverfahren und Korrekturstand mitzuführen. Das ist eine redaktionelle Empfehlung, keine Vorgabe von HERMES oder Internet Society. Das Projekt bietet Meldungen zu falschen Zuordnungen an. Eine solche Korrekturmöglichkeit ist mit einem frühen Hinweis vereinbar; sie widerspricht nur der Behandlung des Hinweises als endgültigem Urteil.

Quellen