Zusammenfassung
- RIPE NCC meldete bei RIPE 93, dass experimentelle Parquet-Dateien mit RIS-Updates jetzt stündlich statt einmal täglich erzeugt werden. Die ursprüngliche Planung sah für diese abgeleiteten Daten ein 14-tägiges Kurzzeitarchiv vor.
- Das rohe MRT-Archiv bleibt als langfristige Quelle erhalten. Für eine spätere Wiederholung derselben SQL-Auswertung muss ein Team die konkreten Parquet-Dateien, ihre Schemaversion und die Abfrage innerhalb des kurzen Fensters sichern.
Eine Route ändert sich um zwei Uhr. Wann kann ein Analyst die passende Datei lesen? Der Name hour=02 beantwortet diese Frage nicht. Im öffentlichen RIS-Verzeichnis erschien die entsprechende Parquet-Datei für den 28. Oktober um 03:06 UTC. Die beiden vorangegangenen Stunden waren um 01:06 und 02:09 veröffentlicht worden. Auch der 27. Oktober enthält 24 einzelne Dateien mit aufeinanderfolgenden Veröffentlichungszeiten. Für den Betrieb ist das der entscheidende Fortschritt: Die vorbereiteten Daten kommen, während die Untersuchung läuft.
Vor einem Jahr sah die Sache anders aus. Ties de Kock stellte bei RIPE 91 einen Versuch vor, der RIS-Routingdaten als Parquet aufbereitet: täglich eine vollständige Routingtabelle, dazu Update-Dateien mit Stundenbezug. Auf einer Folie stand zugleich, die automatische Veröffentlichung werde erst noch folgen. Eine Stunde im Dateinamen war also zunächst eine Einteilung des Inhalts, kein Lieferversprechen. Am 27. Oktober 2026 berichtete Robert Kisteleki bei RIPE 93, die Dateien würden nun jede Stunde und nicht mehr einmal am Tag generiert. Die aktuellen Verzeichniseinträge zeigen, wie diese Taktung im jüngsten Stichprobenfenster aussieht.
RIS sammelt BGP-Beobachtungen an seinen Route Collectors. Das Rohmaterial liegt als MRT vor. Laut RIPE-NCC-Dokumentation entstehen Update-Segmente alle fünf Minuten und vollständige Tabellenansichten alle acht Stunden. Diese Dateien bewahren die Beobachtungen, verlangen aber Arbeit: passende Collector-Dateien finden, herunterladen, parsen und auswerten. Parquet bietet eine zweite, für SQL und Datenanalyse einfacher nutzbare Ebene. De Kock führte 2025 eine Auswertung vor, die statt mehr als zehn Minuten nur Sekunden dauerte. Das war ein Ergebnis seiner Demonstration, keine allgemeine Laufzeitgarantie.
Eine schnellere Tür ist noch kein großes Archiv. Die Folien von 2025 setzten für die Parquet-Tabellen und -Updates ein Aufbewahrungsfenster von 14 Tagen. Bei der Prüfung am 28. Oktober begann die Tagesliste des Monats am 14. Oktober; im September-Verzeichnis lagen keine Dateien. Das passt zur veröffentlichten Kurzzeitregel. Aus einem Verzeichnisausschnitt lässt sich kein interner Löschlauf ableiten. Wohl aber eine klare Entscheidung für Nutzer: Die bequem abfragbare Ableitung muss zeitnah gesichert werden, wenn sie später selbst als Eingabe gebraucht wird.
Man stelle sich eine Auswertung über eine kurzzeitige Änderung des Upstreams vor. Eine Netzbetreiberin veröffentlicht den Befund heute und bekommt im Januar eine Rückfrage zur Wahl der Collector, zu Lücken in den Stunden und zum SQL-Filter. Ein Bild der Kurve reicht dann nicht. Hat sie die Dateien samt Prüfsummen, den v0-Schemapfad und die Abfrage behalten, kann sie die Rechnung wiederholen. Ohne dieses Paket kann sie aus MRT neu arbeiten. Das kostet Zeit und eröffnet die Gefahr, beim zweiten Durchlauf unbemerkt eine andere Auswahl zu treffen.
RIPE NCC hatte für den Versuch mindestens 18 Monate Produktion, eine Fortsetzungsentscheidung nach zwölf Monaten und bei Schemaänderungen drei Monate Parallelbetrieb des alten Formats angekündigt. Kisteleki sagte nun, die Nutzung durch Forschende reiche für die Fortsetzung aus. Eine Nutzerzahl veröffentlichte er nicht. Der Pilot hat damit Rückhalt; für die Beweiskette einer konkreten Untersuchung zählt weiterhin die Lebensdauer ihrer Eingaben.
RIPE NCC hat die Zeit bis zur ersten Antwort verkürzt. Die Zeit bis zur ersten ernsthaften Gegenfrage bleibt unberechenbar. Wer den neuen Stundentakt verwendet, sollte deshalb die Daten des untersuchten Stundenfensters gleich mitnehmen. Der schnellste Befund ist wenig wert, wenn später nur noch sein Screenshot übrig ist.
Quellen: RIPE-93-Vortrag und offizielle Folien; RIPE-91-Vortrag und Originalfolien; RIS-Verzeichnisse vom 27. und 28. Oktober; MRT-Dokumentation.
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