Zusammenfassung

  • AFRINIC begann am 21. Februar 2005 als voll funktionsfähiges Register für die afrikanische Region zu arbeiten; die ICANN-Anerkennung folgte erst am 8. April 2005.
  • Rechtlich blieben afrikanische LIRs bis zum 31. Dezember 2005 Mitglieder der RIPE NCC unter deren Standarddienstleistungsvereinbarung (SSA).

Der Übergang der Registrierungsdienste für Afrika von der RIPE NCC an AFRINIC wird häufig als einzelnes Ereignis erzählt. Die Quellenlage zeigt etwas anderes: eine gestaffelte Abfolge von Rechtstiteln, bei der die operative Verantwortung früher wechselte als die vertragliche. Genau diese Lücke — die vertragliche Nachlaufphase — ist der Gegenstand dieses Artikels.

Am 21. Februar 2005 nahm AFRINIC als voll funktionsfähiges Register für die afrikanische Region den Betrieb auf, in Vorbereitung auf die erwartete endgültige ICANN-Anerkennung im April [3][4]. Ab diesem Tag war die Operatorenpraxis afrikanischer LIRs eine AFRINIC-Angelegenheit: Der WHOIS-Dienst lief über whois.afrinic.net ab dem 22. Februar, das LIR-Portal der RIPE NCC war für afrikanische LIRs deaktiviert, und Anfragen wurden an die AFRINIC-Hostmaster umgeleitet. Umgekehrt wurden die Mitglieder der afrikanischen Region gebeten, während der Übergangszeit ab 14:00 Uhr am 21.

Februar 2005 keine bestehenden Whois-Einträge zu aktualisieren, und die Reverse-Zonen übertragener Objekte wurden am 21. Februar um 11:00 UTC eingefroren, sodass nserver-Änderungen sich nicht im Reverse-DNS widerspiegelten [6].

Rechtlich blieben die LIRs RIPE-NCC-Mitglieder

Die vertragliche Realität war in dieser Zeit eine andere. Nach der rückblickenden Darstellung der RIPE NCC selbst waren afrikanische LIRs bis zur endgültigen ICANN-Anerkennung rechtlich weiterhin Mitglieder der RIPE NCC, und alle Zuweisungen und Registrierungen erfolgten unter den Bedingungen der RIPE-NCC-Standarddienstleistungsvereinbarung (Standard Service Agreement, SSA) [1]. Der operative und der vertragliche Zustand liefen also auseinander — ein Zustand, der in den primären Instrumenten nicht als eigenständiges Rechtskonzept benannt wird, sich aber aus den dokumentierten Daten direkt ergibt.

Der IANA-Bericht vom 8. April 2005 hält fest, dass AFRINIC im Übergangszeitraum die volle Fähigkeit nachwies, bestehende RIR-Dienstvereinbarungen auf AFRINIC zu migrieren; welche einzelnen Instrumente das waren und wann sie unterzeichnet wurden, wird dort nicht aufgelistet [10]. Diese Lücke in der öffentlichen Dokumentation ist bemerkenswert: Die Anerkennungsentscheidung stützte sich auf eine Gesamtbewertung, während die vertraglichen Detailinstrumente — die SSA, die kurierierten AFRINIC-Verträge, die Datenübertragungsvereinbarung — als Volltexte nicht öffentlich auffindbar sind.

Kurierpost und Gebührenarrangement

Mit der endgültigen Anerkennung durch das ICANN-Board am 8. April 2005 (Resolution 05.25) [9] gingen alle Dienste von der RIPE NCC auf AFRINIC über, und die LIRs mussten einen Vertrag mit AFRINIC schließen. Praktisch geschah das bereits früher: Ab Januar 2005 erhielten LIRs im AFRINIC-Dienstgebiet einen AFRINIC-Vertrag per Kurier [1]. LIRs, die ihre Mitgliedsgebühr für 2005 bereits an die RIPE NCC gezahlt hatten, mussten für 2005 nichts an AFRINIC zahlen [1] — ein Arrangement, das die doppelte Vertragslage praktisch abfederte, ohne sie formal aufzulösen.

Die Finanzseite bestätigt den Mechanismus. Der Jahresbericht der RIPE NCC für 2005 (ripe-377) weist nicht verdienten Umsatz aus Mitgliedsbeiträgen afrikanischer Mitglieder am Jahresende 2004 in Höhe von 201 kEUR aus und stellt fest, dass eingegangene Zahlungen im Jahr 2005 an AFRINIC weitergeleitet wurden [2]. Dieselbe Quelle dokumentiert den rechtlichen Abschluss: Mit Wirkung zum 31.

Dezember 2005 beendete die RIPE NCC gemäß ihrer Satzung die Mitgliedschaft aller Mitglieder vom afrikanischen Kontinent; die SSA wurde für afrikanische Länder zum selben Datum gekündigt; alle Forderungen aus ausstehenden Dienstgebühren und alle Mitgliedsdaten gingen endgültig an AFRINIC über, das historische Daten zur Archivierung bei der RIPE NCC ließ [2].

Die Übertragungsbriefe und der Datenschutzrahmen

Auf der AFRINIC-2-Konferenz in Maputo am 26.–27. April 2005 unterzeichneten APNIC, ARIN und RIPE NCC Briefe, mit denen sie AFRINIC die formelle Autorität für die von ihnen zuvor betreuten Teile der Region übertrugen — einschließlich sämtlicher Registrierungs- und Abrechnungsdokumentation und der DNS-Verwaltung; zugleich trat AFRINIC dem NRO-MoU als Vollmitglied bei [12][14][11].

Für die Datenübertragung selbst hatte die RIPE NCC eine Geheimhaltungsvereinbarung sowie eine Vereinbarung mit AFRINIC geschlossen, nach der die übertragenen Daten nach den für die RIPE NCC geltenden Rechtsvorschriften erhoben, verarbeitet und übertragen werden sollten [1].

Was die gestaffelte Struktur bedeutet

Die chronologische Kette — vorläufige Zustimmung am 30. September 2004 [8][7], Betriebsübergang am 21. Februar 2005, Anerkennung am 8. April 2005, Übertragungsbriefe am 27. April 2005, Vertragsende am 31. Dezember 2005 — zeigt, dass vertragliche Autorität deutlich länger bei der RIPE NCC lag als operative Autorität.

Die RIPE NCC und AFRINIC evaluierten afrikanische Ressourcenanträge gemeinsam von September 2004 bis Februar 2005, mehr als 400 Anfragen; Anfang 2005 gingen alle Daten und Unterlagen zu Zuweisungen im afrikanischen Teil des RIPE-NCC-Dienstgebiets an AFRINIC über, mit wesentlicher Verwaltungssoftware, die gemeinsam von RIPE NCC und ARIN bereitgestellt wurde [2][6].

Diese doppelgleisige Struktur ist nicht nur historische Kuriosität. Sie zeigt, wie die RIR-Systeme einen Kontinentwechsel bewältigt haben: nicht durch eine einzige Rechtsurkunde, sondern durch eine Serie von Instrumenten, deren einzelne Glieder — die SSA, die kurierierten Verträge, die Übertragungsbriefe — heute nur noch second-hand dokumentiert sind. Für die gegenwärtigen Legitimitätsdebatten um AFRINIC ist die Lehre, dass vertragliche Kontinuität und operative Kontrolle getrennt gearbeitet haben und getrennt wieder zusammengeführt werden mussten — und dass die vertragliche Seite die mühsamere war.

Ein Vorbehalt gehört zur Ehrlichkeit der Analyse: Die ursprüngliche SSA von 2005, die kurierierten AFRINIC-Verträge, die Datenübertragungsvereinbarung und die Briefe vom 27. April 2005 liegen als Volltexte nicht vor; ihre Existenz, ihr Umfang und ihr Wortlaut sind nur über die Berichte von RIPE NCC, NRO, AFRINIC und IANA bekannt. Die Deutung, dass die gestaffelte Zeitlinie vertragliche Autorität getrennt von operativer Autorität fortbestehen lässt, ist redaktionelles Urteil — kein befindliches Instrument formuliert es ausdrücklich so.

Quellen