Summary
- RIPE-815 verlangt für Nutzer unabhängiger Internetnummern dauerhaft einen Vertrag mit einem sponsoring LIR oder direkt mit der RIPE NCC. Kennt die RIPE NCC das Vertragsende und besteht nach zehn Arbeitstagen kein Ersatz, benachrichtigt sie die Kontakte im Register. Zehn Arbeitstage nach dieser Nachricht ohne Vertrag beginnt die Deregistrierung.
- Der frühere Sponsor kann bestreiten, dass sein Vertrag beendet wurde. Die RIPE NCC akzeptiert den neuen Sponsoringvertrag mit einer vom Endnutzer unterschriebenen Bestätigung, die genau diese Frage beantwortet.
- Der Beginn der Deregistrierung führt in ein eigenes Schließungsverfahren mit amtlicher Benachrichtigung, einer möglichen vierwöchigen Antwortfrist und einer bedingten Dreimonatsphase. Es kann Maintainer-Rechte, Warnungen, Reverse Delegation und von der RIPE NCC ausgestellte RPKI-Zertifikate betreffen.
Der Netzbetreiber sieht weiterhin Ankündigungen für seinen Präfix. Kunden erreichen ihre Dienste. Doch der LIR, der die unabhängigen Ressourcen vertraglich betreut, hat die Beziehung beendet. Im Router steht davon nichts. In der Akte der RIPE NCC beginnt eine Frist, die für die Registrierung entscheidend werden kann.
Das aktuelle Dokument RIPE-815 fordert von jedem Endnutzer unabhängiger Ressourcen eine fortbestehende Beziehung zu einem sponsoring LIR. Endet sie aus irgendeinem Grund, muss die RIPE NCC informiert werden. Der Endnutzer kann mit einem anderen LIR oder direkt mit der RIPE NCC einen Vertrag schließen. Der alte Sponsor soll das Ende möglichst vorab melden. Ist der Wechsel bereits erfolgt, legt der neue LIR seinen unterzeichneten Vertrag vor und meldet die Änderung; die RIPE NCC unterrichtet den bisherigen Sponsor.
Wenn dieser der Beendigung widerspricht, verlangt die RIPE NCC eine klare Erklärung desjenigen, dessen Ressourcen betroffen sind. Der Vertrag des neuen LIR wird mit einer vom Endnutzer unterschriebenen Bestätigung akzeptiert, die festhält, ob die alte Vereinbarung beendet wurde. Der frühere Dienstleister kann Einwände vorbringen, aber nicht allein bestimmen, welchen Vertrag sein Kunde geschlossen oder beendet hat. Diese Unterschrift ist das entscheidende Beweisstück für die Nachfolge, lange bevor aus dem Streit ein Registerproblem wird.
Die erste Uhr läuft, sobald die RIPE NCC vom Ende des Sponsorings erfährt. Besteht nach zehn Arbeitstagen noch keine neue Vertragsbeziehung, schreibt sie nach RIPE-815 an die E-Mail-Adressen des Endnutzers im einschlägigen RIPE-Database-Objekt. Die Nachricht fordert innerhalb von zehn Arbeitstagen ab Zustellung einen Vertrag mit einem neuen sponsoring LIR oder eine direkte Vereinbarung mit der RIPE NCC. Bleibt auch diese Frist ohne Vertrag, beginnt sie die Deregistrierung der unabhängigen Nummernressourcen nach dem gesonderten Schließungsverfahren. Dieser zweite Termin ist der Start eines Vorgangs, kein festes Löschdatum für den Präfix.
Ein veralteter Registerkontakt kann die gesamte zweite Phase unsichtbar machen. Die Nachricht geht an die gespeicherten Adressen, nicht an einen beliebigen Netzverantwortlichen, der die Route beobachtet. Liegt das Postfach beim ausscheidenden Sponsor oder bei einem ehemaligen Mitarbeiter, verliert der Endnutzer womöglich Zeit. Die Möglichkeit eines direkten Vertrags mit der RIPE NCC macht den Sponsor rechtlich ersetzbar. Praktisch braucht es einen Empfänger, einen Zeichnungsberechtigten und ein einreichbares Dokument.
Wie die Deregistrierung abläuft, steht in Abschnitt B.2.2 der Schließungsregel. Die RIPE NCC schickt allen registrierten Kontakten eine amtliche Mitteilung über Gründe und Verfahren. Das Mitglied soll den Endnutzer sofort informieren. Antwortet das Mitglied binnen vier Wochen, erhält der Endnutzer drei Monate für die nötigen Maßnahmen. Währenddessen muss er die Ankündigung der Ressourcen einstellen und darf keine neuen Ankündigungen vornehmen. Die RIPE NCC beschränkt die Maintainer-Angaben auf ihren eigenen Maintainer, versieht die Datenbankobjekte mit einer Warnung und widerruft Zertifikate aus ihrem RPKI-Dienst. Nach Ablauf der Phase werden die Ressourcen deregistriert.
Bleibt eine Antwort des Mitglieds innerhalb von vier Wochen aus, nennt das Verfahren mögliche Eingriffe: Maintainer beschränken, Warnungen setzen, Reverse Delegation zurückziehen, beim Upstream-Provider einem möglichen Hijacking nachgehen, Zuweisungs- und Route-Objekte löschen und RIPE-NCC-RPKI-Zertifikate widerrufen. Die Aufzählung beschreibt Befugnisse unter Bedingungen, keinen einzigen Abschaltvorgang. Die RIPE NCC darf die Dreimonatsphase in angegebenen Fällen auch bei einer Antwort auslassen, etwa bei zuvor unangekündigten Ressourcen oder bei falschen Unterlagen, Betrug und Auditverweigerung.
Innerhalb der vier Wochen kann der Betroffene Belege vorlegen oder Schiedsverfahren beantragen; dann werden die Objekte bis zur Entscheidung gesperrt und mit einer Warnung versehen.
Die beiden Zehn-Arbeitstage-Fristen führen also zum Beginn eines Verfahrens. Sein Ausgang hängt von weiteren Nachrichten, Reaktionen und Ausnahmen ab. Wer aus ihnen ein pauschales „in zwanzig Tagen ist die Adresse weg“ macht, übersieht die nachfolgenden Schritte. Wer auf die mögliche Dreimonatsphase vertraut, als gelte sie immer, kann den neuen Vertrag zu spät vorbereiten.
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