Zusammenfassung

  • RIPE-Vorschlag 2026-03 nennt sich Klarstellung, streicht aber den IPv6-Absatz, der die Verlängerung an Bemühungen in gutem Glauben knüpft.
  • Der Entwurf ergänzt außerdem eigene Abschnitte zu Audits und zur Schließung eines LIR, die im heute veröffentlichten RIPE-738 fehlen.

RIPE hat die IPv6-Akte mit „Klarstellung“ beschriftet. Beim Öffnen ist der Absatz zum guten Glauben weg; dafür stehen zwei neue Schubladen bereit: Audit und Schließung.

Die geltende Richtlinie RIPE-738 behandelt IPv6-Adressen als Nutzungslizenzen mit regelmäßiger Verlängerung. Abschnitt 4.1 sagt: Bemüht sich ein Inhaber in gutem Glauben um die Kriterien, werden Lizenzen im Allgemeinen verlängert. RIPE behält sich die Nichtverlängerung vor, wenn die Adressen zweckwidrig genutzt oder Pflichten bösgläubig missachtet werden. Bei der Verlängerung gilt die dann aktuelle Richtlinie. RIPE-738

Version 1.0 des Vorschlags 2026-03 streicht den gesamten Absatz. Der am 19. Oktober veröffentlichte Text soll den Lebenszyklus nach der Zuteilung klarer beschreiben und die IPv6-Formulierungen an IPv4 angleichen. Laut Begründung sind die Compliance-Regeln seit 2002 unverändert; die ursprüngliche Absicht solle bestehen bleiben. Der Vorschlag

Der neue Text enthält zugleich Abschnitte, die RIPE-738 heute nicht hat. Abschnitt 9 beschreibt das Auditmandat und verweist auf die Audit-Aktivitäten des RIPE NCC. Abschnitt 10 nennt drei Gründe, aus denen das RIPE NCC ein LIR schließen kann: offene Zahlungen, eine erhebliche Zeit ohne Kontakt oder wiederholte Verstöße gegen die Community-Regeln. Im veröffentlichten RIPE-738 enthält Abschnitt 9 die Referenzen; danach folgen Anhänge. Die Änderung steht im Haupttext.

Audits sind nicht neu. RIPE-694 aus dem Jahr 2018 beschreibt unterstützte, ausgewählte und durch Beschwerden ausgelöste Audits. Das Dokument verlangt konkrete Fristen, verbietet endlose Prüfungen und hält fest, dass eine verspätete Auskunft zur Beendigung des betreffenden Servicevertrags führen kann. Der Entwurf von 2026 verankert Audit und Schließung zusätzlich in der IPv6-Richtlinie. RIPE-NCC-Auditaktivitäten

Ein Verlängerungsmaßstab verschwindet; Audit und Schließungsgründe kommen hinzu. Wie diese Änderungen denselben praktischen Effekt bewahren, erklärt der Vorschlag nicht. Auch „erhebliche Zeit“ und „wiederholte Verstöße“ erhalten keine messbare Schwelle. Genau diese Formulierungen entscheiden, wann ein Datenproblem zum Schließungsverfahren wird.

Die Diskussion läuft bis zum 17. November. Danach entscheiden Antragsteller und Arbeitsgruppenvorsitz, ob der Entwurf überarbeitet, weitergeführt oder zurückgezogen wird. RIPE-Verfahren zur Politikentwicklung

Quellen