Zusammenfassung

  • Im Oktoberbericht der RIPE NCC stehen für September 2.173.440 transferierte IPv4-Adressen, 919.808 mehr als im August. Zugleich warteten 806 LIRs auf zurückgewonnene Adressen; der Erste bereits 487 Tage.
  • Transfers ändern die Inhaberschaft vorhandener Ressourcen. Die Warteschlange wird aus zurückgekehrten, nach einer Quarantäne wieder zuteilbaren Adressen gespeist, in Portionen von je einem /24.

Auf der einen Seite gehen Millionen Adressen von Hand zu Hand; auf der anderen sitzt der erste Antragsteller seit 487 Tagen. Der Mitgliederbericht der RIPE NCC vom 23. Oktober liefert beide Werte. Der Widerspruch verschwindet, sobald man die beiden Bücher trennt: das Transferregister und den Pool zurückgewonnener Adressen.

Laut Transferbeschreibung der RIPE NCC wird eine bereits vergebene Ressource vom bisherigen auf einen neuen Halter übertragen. Die RIPE NCC genehmigt und dokumentiert den Vorgang. Die 2.173.440 zählen Adressen, keine Verträge und keine gezahlten Preise. Ein transferierter Block landet dadurch nicht im Vorrat für den nächsten Wartenden.

Die IPv4-Warteschlange erhält Adressen aus Rückgaben und Deregistrierungen. Nach einer Quarantäne werden sie nach Reihenfolge vergeben. Ein berechtigtes LIR ohne frühere IPv4-Zuteilung der RIPE NCC kann pro LIR-Konto genau ein /24 mit 256 Adressen bekommen. Voraussetzung ist, dass genügend zusammenhängender Raum zurückkommt. Eine Zuteilung wird ausdrücklich nur für diesen Fall in Aussicht gestellt. Der Transfermarkt füllt den Pool nicht automatisch.

Der Septemberbericht nannte für August 1.253.632 transferierte Adressen, 786 wartende LIRs und 476 Tage Wartezeit an der Spitze. Im Oktoberbericht liegt das Transfervolumen um 919.808 höher, die Warteschlange um 20 LIRs und die Wartezeit des Ersten um 11 Tage. Die zwei Stichtage sagen nicht, wie viele zurückgewonnene /24 in diesem Zeitraum ausgegeben wurden. Sie reichen aber, um einen Transferrekord als schlechte Antwort auf die Frage nach neuer Zuteilung zu erkennen.

Wer eine neue IPv4-abhängige Infrastruktur plant, muss zwei Wege kalkulieren. Der Antrag auf einen zurückgewonnenen /24 verschafft einen Platz in der Reihe. Die Übernahme von Bestand erfordert einen abgebenden Halter und eine andere Prüfung. Die RIPE NCC führt in beiden Fällen das Register; sie macht daraus keinen zusätzlichen IPv4-Vorrat.