Zusammenfassung

  • Version 2 des RIPE-Vorschlags 2026-01 vom 12. Oktober würde qualifizierten Inhabern das erste ASN ohne Bedarfsbegründung zuteilen lassen; die Routing-Policy soll nach Beginn der Nutzung registriert werden.
  • Laut RIPE NCC informiert der Antragstellende bei der Bewilligung, doch eine proaktive Kontrolle des späteren Eintrags ist nicht vorgesehen. Die Review-Phase läuft bis zum 10. November.

Der Eintrag folgt auf den Antrag

RIPEs Vorschlag zum ersten ASN hat nun zwei Zeitpunkte. Version 2, veröffentlicht am 12. Oktober, würde für eine begrenzte Gruppe von Erstanträgen die Bedarfsbegründung streichen und den Routing-Policy-Eintrag auf später verschieben: Er soll erfolgen, sobald das zugeteilte ASN genutzt wird. Die Mitteilung zur Review-Phase der Address Policy Working Group bezeichnet dies als wichtigste Änderung gegenüber Version 1.

Der Unterschied ist praktisch relevant. Die geltende Regel verlangt die Routing-Policy bereits bei der ASN-Anfrage und setzt mehrere externe Anbindungen des Netzes voraus. Die vorgeschlagene Ausnahme bedeutet nicht, dass „jeder ein ASN beantragen kann“. RIPE NCC legt sie in seiner Folgenabschätzung als Regel für rechtmäßige Inhaber eines direkt vom Register verteilten Präfixes aus. Dauerhafte Policy-Transfers sowie Fusionen und Übernahmen sind eingeschlossen, vorübergehende Transfers oder Zuweisungen dagegen nicht.

Nach dieser Auslegung darf der Antragsteller noch kein ASN halten oder nur Legacy-ASNs beziehungsweise über vorübergehende Regelungen erhaltene ASNs besitzen.

Für dieses erste qualifizierte ASN müsste die Routing-Policy zum Antragszeitpunkt noch nicht in der RIPE-Datenbank stehen. Der Entwurf sagt, sie solle eingetragen werden, sobald das ASN genutzt wird. Die bestehenden Anforderungen an weitere ASNs blieben bestehen: Ein Multihoming-Netz benötigt eine neue externe Routing-Policy, und bereits gehaltene ASNs müssen in Gebrauch sein. Die Erleichterung betrifft damit den ersten Antrag, nicht ein allgemeines Recht, Kennungen anzusammeln.

Die Folgenabschätzung beschreibt auch den Übergang nach der Bewilligung. RIPE NCC Registration Services will Antragstellende bei der Genehmigung über den späteren Datenbankeintrag informieren, erwartet aber keine proaktive Überwachung der Einhaltung, sobald das ASN aktiv ist. Eine aktuelle Policy kann bei Audits, Registry-Prüfungen oder einem späteren Antrag auf ein weiteres ASN dennoch verlangt werden. Das NCC will außerdem die ASN-Bereinigung fortsetzen und etwa wiederholte Beantragungen mit anschließender Rückgabe oder Übertragung eines ersten ASN nachverfolgen.

Das ist eine vorgeschlagene Änderung des Zeitpunkts und der Absicherung eines Eintrags, kein Beleg dafür, dass ein heutiger Inhaber eine Route nicht dokumentiert hat. RIPE NCC erwartet etwas mehr ASN- und IPv6-PI-Anträge, keine wesentlichen Folgen für Fragmentierung oder Aggregation, einen mittleren Softwareaufwand für Formularänderungen und die Erfassung der Ausnahmen sowie geringe Auswirkungen auf die RIPE-Datenbank. Es handelt sich um bedingte Prognosen auf Grundlage verfügbarer Daten, nicht um beobachtete Ergebnisse.

Vorschlag 2026-01 befindet sich weiterhin in der Review-Phase. Die Mitteilung vom 12. Oktober bittet bis zum 10. November um Kommentare; anschließend entscheiden die Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, ob ein grober Konsens besteht. Bis dahin sind weder der neue Weg zum ersten ASN noch der spätere Eintrag geltende Policy.

Quellen