Zusammenfassung
- Matteo Liberato sagte auf der RIPE 93, .kids erfülle seinen Auftrag zum Schutz von Kindern nicht. In der Fragerunde schilderte er einen defekten Meldeweg und ein Formular, das pro Einsendung nur eine Domain annimmt.
- ICANNs Transaktionsdatei für Juni 2026 zählt 7.176 registrierte .kids-Domains. Die öffentlichen Monatsberichte zeigen weder erkannte Bedrohungen noch die ergriffenen Maßnahmen, obwohl der Vertrag verlangt, diese Angaben festzuhalten und ICANN auf Anfrage bereitzustellen.
Analyse
Die Registrierungszahl wächst. Ob die Schutzarbeit mitwächst, steht in einer anderen Akte.
Matteo Liberato brachte diese Frage am 27. Oktober in die Security-Sitzung der RIPE 93. Der Forscher der Universität Twente stellte eine Längsschnittstudie zu .kids für den Zeitraum von Mai 2022 bis März 2026 vor. Sein Fazit laut offiziellem Transkript: Die Endung habe ihren Sicherheitsauftrag verfehlt.
Im anschließenden Austausch wurde das Problem konkret. Liberato sagte, ein Meldeweg für Missbrauch habe nicht funktioniert; er habe DotKids Foundation als Betreiber informiert. Nach seiner Darstellung meldete die Stiftung, eine Route sei wiederhergestellt worden, eine andere blieb jedoch unbrauchbar. Das Formular verlangte pro Fall einen Domainnamen, einen Screenshot und eine Erklärung. Liberato sagte, er habe für ungefähr 300 Domains eine Sammelmeldung angefragt. Die Antwort, die er auf der Bühne wiedergab: Ein entsprechendes System werde bearbeitet. Das Transkript dokumentiert seine Schilderung, kein unabhängiges Ticketsystem.
Der ICANN-Vertrag für .kids enthält einen messbaren Auftrag. Der Betreiber muss regelmäßig technische Analysen zu Sicherheitsbedrohungen durchführen und Statistiken über erkannte Bedrohungen und daraus folgende Maßnahmen führen. Diese Berichte sind während der Vertragslaufzeit aufzubewahren und ICANN auf Anfrage bereitzustellen. Dieselbe Spezifikation verlangt klare, veröffentlichte Registrierungsregeln. Sie ordnet in diesem Absatz keine Veröffentlichung der Bedrohungs- und Maßnahmenstatistik an.
Das öffentliche .kids-Archiv von ICANN enthält monatliche Transaktions- und Aktivitätsberichte, die erst drei Monate nach dem Berichtsmonat erscheinen. Die Juni-Datei 2026 zählt 7.176 Domains. Im Juni 2023 waren es 3.785. Das entspricht 3.391 zusätzlichen Einträgen oder rund 89,6 Prozent Wachstum. Gemessen werden Registrierungen, nicht aktive Nutzung, kindgerechte Inhalte oder die Durchsetzung von Regeln.
Die CSV ist auf den Registerbetrieb zugeschnitten. Sie weist Registrar, neue Registrierungen, Verlängerungen, Transfers, Löschungen, Wiederherstellungen und Registrierungsversuche aus. Ein Feld für Bedrohungen, Meldungen, Compliance-Entscheidungen oder Bearbeitungszeiten fehlt. Die öffentliche Tabelle zeigt, wie groß .kids ist. Sie zeigt nicht, wie die Sicherheitsprüfung arbeitet.
Die Aussagekraft endet genau dort. Der Vertrag verlangt die Aufbewahrung der Berichte und erlaubt ICANN, sie anzufordern. Im geprüften öffentlichen Archiv gibt es keine Zeitreihe zu den Sicherheitsergebnissen. Daraus lässt sich weder ableiten, dass DotKids die internen Prüfungen ausgelassen hat, noch dass ICANN keine Berichte erhalten hat. Feststellbar ist, dass die Monatsberichte diese Ergebnisse nicht sichtbar machen.
Der Vertrag unterstützt außerdem die Beteiligung von Kindern an der Internet-Governance. Beteiligung bringt Erfahrung und Perspektive in die Debatte; sie überträgt nicht automatisch die operative Kontrolle. DotKids Foundation betreibt das Register, ICANN überwacht den Vertrag. Zwischen diesen Zuständigkeiten braucht es einen funktionierenden Meldekanal und nachvollziehbare Entscheidungen.
Eine öffentliche Auswertung muss keine Kinder, Domaininhaber oder Ermittlungen offenlegen. Monatliche Aggregate könnten Bedrohungskategorien, eingegangene Meldungen, geprüfte Fälle, Maßnahmen, Bearbeitungsdauer und offene Fälle zeigen; personenbezogene Angaben und kleine Gruppen blieben verborgen. Der Prüfauftrag ist vertraglich festgelegt. Für Leser fehlt eine Ansicht der Ergebnisse.
Der konkrete Beleg, der diese Einschätzung ändern würde, ist eine veröffentlichte, anonymisierte Reihe zu Bedrohungen und Maßnahmen oder ein öffentlicher ICANN-Nachweis, wo diese Ergebnisse bereits erscheinen. Bis dahin bedeutet mehr .kids-Domains nur mehr Registrierungen, nicht nachgewiesenen Schutz.
Quellen
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