Zusammenfassung
- LACNIC will eine ROA-Abdeckung von mindestens 80 Prozent zur Voraussetzung für weitere Zuteilungen an bestehende Organisationen machen.
- Die Begründung nennt regionale Anteile gültiger Routen; geprüft würden die jeder antragstellenden Organisation zugeteilten Ressourcen.
Die 80-Prozent-Schwelle würde an einem bestimmten Schalter greifen: wenn eine Organisation bei LACNIC weitere Nummernressourcen beantragt. LAC-2026-3 soll gültige Route Origin Authorizations als zusätzliches Kriterium für spätere Zuteilungen einführen. Der Vorschlag befindet sich vom 21. Oktober bis 4. November 2026 in der ersten Konsensbewertung und ist weiterhin in Diskussion.
Der Entwurf verlangt, dass gültige ROAs mindestens 80 Prozent der IPv4- und IPv6-Ressourcen abdecken, die LACNIC der Organisation zugeteilt oder zugewiesen hat. LACNIC soll die Einhaltung mit den dafür angemessen erscheinenden betrieblichen Verfahren prüfen. Laut Folgenabschätzung sollen Mitglieder, die weitere Ressourcen beantragen, ihren Bestand über MiLACNIC prüfen und RPKI für bislang nicht abgedeckte Ressourcen aktivieren.
Eine ROA ist eine signierte Erklärung des Inhabers eines Adressblocks. Sie autorisiert ein autonomes System, Routen für bestimmte Präfixe zu annoncieren. Netzbetreiber gleichen BGP-Ankündigungen mit diesen Angaben ab. LACNICs 2025 veröffentlichte Studie weist für Lateinamerika und die Karibik 46,10 Prozent gültige IPv4-Routen und 60,87 Prozent gültige IPv6-Routen aus.
Diese regionalen Werte zeigen nicht, wie viele Organisationen die vorgeschlagenen 80 Prozent erreichen würden. Der Anteil gültiger Routen in der Region ist keine Verteilung der ROA-Abdeckung des von LACNIC zugeteilten Adressbestands jedes einzelnen Mitglieds. Daraus folgt weder, ob ein konkreter Antragsteller die Schwelle erreicht, noch wie viele Mitglieder sie erreichen, noch ob IPv4 und IPv6 getrennt bewertet werden. Das Wort Abdeckung macht aus verschiedenen Nennern keine gleiche Kennzahl.
Die Folge träfe den Antragsteller. Im Entwurf wäre die Einhaltung Voraussetzung für jede spätere Zuteilung. Neue Mitglieder, Mitglieder ohne Antrag auf weitere Ressourcen, Legacy-Ressourcen und nicht von LACNIC bezogene Ressourcen sind laut Folgenabschätzung ausgenommen. Die Schwelle käme also dann ins Spiel, wenn ein bestehendes Mitglied wachsen will.
Version 1 lässt die Rechenregeln offen. Gelten die 80 Prozent jeweils für IPv4 und IPv6 oder für einen gemeinsamen Bestand? Wie zählt eine aggregierte ROA, die einen großen Block abdeckt, wenn die angekündigten Routen spezifischer sind? Welcher Stichtag entscheidet? Und wo kann ein Antragsteller eine strittige Berechnung korrigieren lassen? Der Entwurf überlässt LACNIC die Wahl geeigneter Prüfmechanismen, legt diese Details aber nicht selbst fest.
Das ist keine reine Frage der Benutzeroberfläche. Das Registrierungsteam soll die Abdeckung vor der Freigabe weiterer Ressourcen prüfen; die Methode beeinflusst also, wer die Zugangsvoraussetzung erfüllt. Eine nachrechenbare Formel, eine sichtbare Liste der erfassten Ressourcen und ein Korrekturweg würden die Regel für Mitglieder und LACNIC-Mitarbeiter berechenbarer machen. In der ersten Konsensbewertung lässt sich noch klären, was die 80 Prozent tatsächlich zählen.
Quellen: LACNIC-Vorschlag LAC-2026-3; Status und Zeitplan; LACNIC-Studie zur RPKI-Nutzung 2025; LACNIC-Verfahren zur Politikentwicklung; RFC 9582; RFC 9319; LACNIC-FAQ zu RPKI.
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