Zusammenfassung
- AFPUB-2026-GEN-003-DRAFT01 will bereits angekündigte Termine anderer RIRs, der IETF, ICANN und ISOC meiden, Überschneidungen mit weiteren Internetveranstaltungen möglichst vermeiden und Ort sowie Datum ein Jahr vorher veröffentlichen, sofern das nicht unmöglich ist.
- Das AFRINIC-38-PPM ist für den 18. November 2026 angesetzt und überschneidet sich mit einer Woche des IETF 127.
Ein Kalender wirkt neutral, solange niemand dieselbe Woche beansprucht. Sobald das geschieht, entscheidet jemand, was als Kollision gilt, wessen Termin Vorrang hat und wer „unvermeidbar“ sagen darf. AFRINICs Vorschlag für die Termine seiner Public Policy Meetings (PPMs) benennt das Problem, lässt die entscheidende Rolle aber unbesetzt.
Der Entwurf AFPUB-2026-GEN-003-DRAFT01 fordert, bereits angekündigte Treffen der „Schwesterorganisationen“ zu meiden: andere regionale Internet-Registries, IETF, ICANN und ISOC. Auch weitere Internetveranstaltungen sollen nach Möglichkeit nicht kollidieren. Datum und Ort sollen grundsätzlich ein Jahr vorher feststehen, außer wenn das nicht zu vermeiden ist. Das schafft Planbarkeit, aber noch keinen Ablauf für den Streitfall.
Das AFRINIC-38-PPM soll am 18. November 2026 in Kapstadt stattfinden. IETF 127 läuft vom 14. bis 20. November in San Francisco. Ein Tag liegt in beiden Zeiträumen. Die veröffentlichten Termine überschneiden sich am 18. November. Wer an diesem Tag live über afrikanische Nummernpolitik berät, kann eine parallele Sitzung in San Francisco nicht zugleich live verfolgen. Das AFRINIC-Treffen ist hybrid und offen; laut Veranstaltungsseite können Remote-Teilnehmer alle Sitzungen verfolgen und unter denselben Bedingungen mitdiskutieren.
In der RPD-Debatte stehen zwei plausible Einschätzungen nebeneinander. AFRINIC-Vertreter erklärten, Kapstadt sei in derselben Woche wie das Africa Tech Festival und das South Africa Peering Forum gewählt worden, weil viele Personen ohnehin anreisen würden. Andere verwiesen auf die IETF-Überschneidung und die begrenzte Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Die RPD-Debatte hält unterschiedliche Prognosen fest.
Wird jede Überschneidung zum Veto, kann die Regel gemeinsame Reisen und mehrere Veranstaltungen auf einer Reise erschweren. Bleibt jede Überschneidung eine lockere Ausnahme, heißt „Koordination“ am Ende nur, dass der erste Buchende gewinnt. Eine Ankündigung ein Jahr im Voraus hilft bei der Planung. Sie beantwortet nicht, wer nachgibt.
AFRINICs Policy-Verfahren kennt bereits klare Verantwortungsstufen: offene Diskussion auf der RPD-Liste, Konsensbewertung durch die PDWG-Co-Vorsitzenden beim PPM, ein getrenntes Last Call, Verfahrensratifikation durch den Vorstand und Umsetzung durch die Mitarbeitenden. Eine Kalenderregel sollte ebenso nachvollziehbar sein. Sie braucht eine Konfliktdefinition, benannte Prüfkriterien, eine zuständige Stelle für Ausnahmen und eine öffentliche Entscheidungsnotiz.
Praktisch könnte die Regel zunächst den Konflikt nach Datum und Uhrzeit definieren. Bleibt eine Überschneidung bestehen, veröffentlichen die Organisatoren eine konkrete Begründung: kein verfügbarer Veranstaltungsort, reale regionale Reisebeschränkungen, ein unverrückbarer externer Termin oder ein anderer belegbarer Zwang. „Soweit vernünftigerweise möglich“ hilft nur, wenn dokumentiert wird, was für wen möglich war.
AFRINIC hat keine Zahl veröffentlicht, wie viele Personen an den überschneidenden Tagen tatsächlich betroffen sind. Diese Zahl würde zeigen, ob das Problem vor allem im Reisen oder in konkurrierenden Tagesordnungen liegt.
Der Entwurf trifft den richtigen Ausgangspunkt: Unbekannte Termine lassen sich nicht koordinieren. Jetzt muss AFRINIC benennen, wer koordiniert, wer Ausnahmen freigibt und welche Gründe öffentlich werden. Sonst erhält der Kalender eine Regel, während die tatsächliche Entscheidungsmacht unsichtbar bleibt.
Quellen
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