Zusammenfassung

  • GNN übertrug die redaktionelle Arbeit eines gedruckten Internetkatalogs ins Web und machte ausgewählte Verweise zu einem Wegweiser durch ein wachsendes Netz.
  • Tim O’Reilly erklärte 1995, das Team habe Anzeigen gewählt, weil Zugangsbeschränkung und Bezahlung technisch kaum praktikabel waren. Das Werbeverbot der NSFNET galt nur für deren Backbone.

Aus dem Katalog wurde ein Zugang

Frühe Internetverzeichnisse standen vor einer einfachen Aufgabe: Eine wachsende Adressliste half wenig, wenn niemand wusste, welches Ziel sich lohnte. O’Reilly & Associates hatte bereits The Whole Internet User’s Guide and Catalog veröffentlicht. Tim O’Reilly erinnerte sich später, dass aus einer Vorführung für eine Buchhandlung, die Leser mit den beschriebenen Online-Ressourcen verbinden sollte, ein eigenständiges Webprojekt wurde. In einem Essay vom Juni 1995 beschrieb er den Whole Internet Catalog als Verfahren, Websites zu ordnen und zu bewerten, damit sich Leser in einem noch fremden Informationsraum zurechtfanden.

GNN besaß die verlinkten Angebote nicht. Die Redaktion wählte sie aus und gab ihnen einen Zusammenhang. So verband das Projekt Publikation mit Navigation. Zum Einsatz kam Viola, eine frühe grafische Webumgebung. Die Unternehmensgeschichte datiert den Start auf 1993 und den Verkauf an AOL auf 1995.

Warum Werbung zum Modell wurde

O’Reillys Erklärung ist konkret: Zunächst dachte das Team über elektronische Bücher nach. Die damalige Technik konnte Zugriffe jedoch nicht zuverlässig begrenzen oder abrechnen. Deshalb setzte GNN auf Inhalte ohne Einzelzahlung und auf Finanzierung durch Anzeigen, ähnlich wie bei Zeitungen und Zeitschriften. Links, Zugriffsprotokolle und Informationsanfragen könnten außerdem Rückmeldungen über Leser liefern, schrieb er. Das waren Erwartungen an das Web von 1995 und kein Beleg für heutige Tracking-Werbung.

Das Modell verlegte den Zahlungspunkt. Leser konnten ohne unmittelbaren Kauf einsteigen; der Verlag trug die Kosten für Auswahl und Aufbereitung; Werbekunden finanzierten einen Teil davon. Damit Anzeigen interessant waren, mussten redaktionelle Glaubwürdigkeit und ein erkennbares Publikum zusammenkommen. Die Quellen beziffern weder GNNs Erlöse noch ihre Messmethoden oder den Anteil der Werbung am Wachstum.

Die NSFNET-Regel hatte einen klaren Geltungsbereich

RFC 1359 dokumentiert die 1992 veröffentlichte Nutzungsrichtlinie für den NSFNET-Backbone. Sie untersagt Werbung auf diesem Netzabschnitt. Zugleich stellt ihr Schluss klar, dass die Richtlinie nur für den NSFNET-Backbone gilt und angeschlossene Netze eigene Regeln haben können. Ein allgemeines Werbeverbot für das Internet war das nicht.

O’Reilly berichtete später von einer „Sondergenehmigung“ der NSF. In den geprüften Quellen findet sich kein Genehmigungsdokument; auch der konkrete Netzweg einzelner Zugriffe auf GNN ist nicht belegt. Die Aussage bleibt eine persönliche Erinnerung und ist von der schriftlichen Richtlinie zu trennen.

Was das Archiv noch hergibt

Bei einer Veranstaltung 1999 sagte O’Reilly, er habe wochenlang gesucht, bis er eine GNN-Broschüre von 1993 mit einer Anzeige fand; die ursprünglichen Webseiten seien bereits verschwunden gewesen. Die Broschüre ist hier durch seinen späteren Bericht überliefert, nicht durch ein geprüftes Exemplar. Das Computer History Museum bewahrt eine GNN-Anzeige von 1995 auf. Sie zeigt eine spätere Form, belegt aber nicht das Datum der Anzeige von 1993. Deshalb lässt sich GNN als frühes werbefinanziertes Webangebot beschreiben, ohne sie zur ersten Internetanzeige oder zum ersten anklickbaren Banner zu erklären.

HotWireds Start mit mehreren Bannern 1994 war ein anderes Ereignis.

GNN verband redaktionelle Auswahl, Verweise auf externe Ressourcen und Werbefinanzierung, als die Abrechnung von Webzugriffen schwierig blieb. Das ist ein frühes Geschäftsmodell am Rand des Webs, aber keine alleinige Ursprungserzählung für Onlinewerbung.

Quellen