Zusammenfassung
- Im Februar 1995 beschrieb ein Anbieter einen bestehenden UUCP-E-Mail-Dienst ohne dauerhafte Online-Verbindung; ein Internetknoten war noch im Aufbau. Im August erreichte ein Traceroute aus London Tiflis.
- Der permanente Anschluss machte die Verbindung einiger Institutionen sichtbar. Einen landesweiten Zugang belegt er nicht; Hochschulnetze und öffentliche Zugangspunkte folgten eigenen Zeitplänen.
Am 27. Februar 1995 schilderte George Kashia, Präsident des Tifliser Anbieters Mimosi Hard Ltd, ein Unternehmen, das bereits Kunden wie die US-Botschaft, USAID, die Vereinten Nationen und das Welternährungsprogramm bediente. E-Mails und Usenet-Konferenzen wurden über UUCP offline ausgetauscht. Kashia sagte, seine Firma installiere noch einen Internetknoten. USAID habe sie mit der Umsetzung eines Internetprojekts für Georgien beauftragt; der Knoten solle in zwei bis drei Monaten betriebsbereit sein. Das war die Darstellung des Anbieters selbst.
Sie hält dennoch einen Unterschied fest, den Erzählungen vom „ersten Anschluss“ oft verwischen: Internationaler E-Mail-Verkehr bestand schon vor einer permanenten, gerouteten Internetverbindung.
Der nächste klare Betriebsnachweis stammt vom 4. August. Olivier M. J. Crepin-Leblond leitete die Information von Tibor Gruber weiter, die erwartete vollständige Internetverbindung sei jetzt aktiv. Sein Traceroute vom Imperial College London erreichte crizia.sanet.ge in Tiflis nach 15 Hops. Bei diesem Test antwortete das Ziel nach etwa 756 Millisekunden. Die Hostliste nannte SANET-Rechner und mehrere Systeme unter parliament.ge. Das belegt einen funktionierenden Pfad und identifizierbare institutionelle Endpunkte an einem bestimmten Tag. Es ist weder eine Leistungsmessreihe noch ein Verfügbarkeitsnachweis oder eine Zählung georgischer Internetnutzer.
Ein Bericht von Radio Free Europe/Radio Liberty aus dem Jahr 1997 ordnet die Verbindung politisch und organisatorisch ein. Demnach verband ein USAID-Zuschuss aus dem Rule-of-Law-Programm, verwaltet von der Parliamentary Human Rights Foundation, das Parlament und weitere staatliche Stellen in Tiflis über eine Satellitenleitung mit dem Internet. Das war nicht das einzige Vorhaben. Open-Society-Organisationen installierten Geräte und schulten Nutzer; ein separates Programm von NATO und EU-INTAS unterstützte 1996 den permanenten Anschluss der Georgischen Akademie der Wissenschaften.
Anfang 1997 bereitete ein stiftungsfinanziertes Zentrum kostenlosen öffentlichen Zugang und Schulungen vor. Die späteren Programme zeigen, was der erste Anschluss allein nicht leistete.
Die Quellen ergeben keinen einzigen, zweifelsfreien Starttag. RFE/RL datiert den permanenten Anschluss auf den Sommer 1995. In einem Konferenzbeitrag von 2001 nennt der georgische Branchenvertreter Sandro Karumidze den Juli als Zeitpunkt der ersten Onlineverbindung; die erste georgische Website aus dem Projekt sei die des Parlaments gewesen. Die Nachricht vom 4. August dokumentiert dagegen eine konkrete Beobachtung: Die angekündigte Verbindung war von außen erreichbar. Der Juli kann den Projektstart meinen, der August den erfolgreichen externen Test.
Die Quellen belegen nicht, dass beide dasselbe administrative oder technische Ereignis bezeichnen.
Georgien wechselte also nicht auf einen Schlag von „offline“ zu „online“. Ein Anbieter konnte über UUCP E-Mails austauschen; ein von USAID unterstütztes Projekt konnte das Parlament und Behörden per Satellit anbinden; ein Traceroute aus London konnte einen SANET-Rechner erreichen. Forschungseinrichtungen und öffentliche Zugangspunkte benötigten weiterhin eigene Finanzierung, Geräte und Schulungen. Wer den ersten permanenten Anschluss als landesweiten Dienst bezeichnet, fasst verschiedene Zustände zu einem Meilenstein zusammen.
Seine historische Aussage ist enger und nützlicher: Eine funktionierende internationale Route begann mit einem kleinen, öffentlich erkennbaren institutionellen Perimeter.
Quellen: Mimosi-Hard-Anbieterbericht, 27. Februar 1995; Bericht zu Georgiens Verbindung und Traceroute, 4. August 1995; RFE/RL, „Georgia: Internet Making Inroads“, 1997; Sandro Karumidze, „Development of Internet in Georgia“, Konferenzbeitrag 2001.
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