Zusammenfassung

  • DE-CIX zufolge stieg der Verkehr am Chicagoer IX binnen zwölf Monaten um fast 300 Prozent, überschritt im August erstmals 1 Tbit/s in der Spitze und erreichte Rang zwei im lokalen Markt.
  • Die Zahlen beschreiben Nachfrage, angeschlossene Kapazität und Standortzugang. Sie belegen weder einen physisch unabhängigen Weg für jeden Teilnehmer noch eine getestete Ausweichroute.

Am 13. Oktober teilte DE-CIX mit, dass der Verkehr an seinem sechs Jahre alten Internet Exchange in Chicago im Vorjahr um fast 300 Prozent gewachsen sei. Das Unternehmen bezeichnet den IX als zweitgrößten im Chicagoer Markt. Laut seiner Darstellung stieg der nordamerikanische Rang bei PeeringDB zwischen 2023 und 2026 von 58 auf 29. Das ist die von DE-CIX PeeringDB-Daten zugeschriebene Einordnung, keine hier unabhängig neu berechnete Rangliste.

Laut Unternehmen überschritt der IX im August 2026 erstmals einen Spitzenwert von 1 Tbit/s. Mehr als 85 Netze seien „verbunden und im Anschluss“; die angeschlossene Kapazität liege über 8 Tbit/s. Die Plattform ist nach Angaben des Betreibers über 18 Rechenzentren im Großraum Chicago erreichbar, darunter Partnerstandorte.

Das sind Anzeichen für eine wachsende Interconnection-Option, doch die Kennzahlen messen Unterschiedliches: Ein Spitzenwert ist eine momentane Verkehrsrate; angeschlossene Kapazität bezeichnet bereitgestellte Kapazität; die Zahl der Netze sagt weder etwas über den Austausch jedes Teilnehmers noch über die Unabhängigkeit seiner Wege aus.

Der öffentliche PeeringDB-Eintrag zu DE-CIX Chicago bietet einen nützlichen, aber älteren Vergleichspunkt. Er weist 84 Peers, 96 Verbindungen, 51 offene Peers und eine Gesamtkapazität von 6,3 T aus; als letzte Aktualisierung nennt er den 6. August 2024. Ein gemeinsamer Messzeitpunkt mit den Angaben von 2026 ist nicht bestätigt. Auch müssen diese Felder nicht dieselbe Abdeckung haben wie „verbunden und im Anschluss“ oder „angeschlossene Kapazität“ in der DE-CIX-Mitteilung. Sie sind daher kein Datenabgleich für Oktober 2026.

PeeringDB beschreibt sich als von Nutzern gepflegte Interconnection-Datenbank; für die aktuellen Eigenangaben von DE-CIX bleibt deren Mitteilung die Quelle.

DE-CIX sagt, seine Plattform erstrecke sich über 18 Rechenzentren und biete Zugang zu Inhalts-, Cloud-, KI-, Carrier- und Unternehmensnetzen. Vizepräsident Ed d’Agostino meint, ein zweiter großer neutraler IX könne die Pfadvielfalt erhöhen und den Wettbewerb fördern. Das ist ein plausibler Entwurfsvorteil, aber kein Nachweis, dass ein Teilnehmer den Ausfall eines Standorts, eines Metro-Transporteurs, eines Kabelkanals, einer Stromversorgung oder einer Route-Server-Abhängigkeit übersteht. Der IX verbindet Netze; jedes Netz behält seine eigene Routing-Policy. Die physischen Dienste zum IX können dennoch gemeinsame Ausfallpunkte haben.

Die entscheidende Prüfung gilt dem einzelnen Teilnehmer. In welchen Rechenzentren stehen seine Router? Nutzen zwei Leitungen unterschiedliche Gebäude, Hauseinführungen, Metro-Carrier und Strompfade? Werden Routen über Route-Server, bilaterale Sitzungen oder beides gelernt? Liefert die zweite Sitzung eine nutzbare Alternative, wenn der Haupttransport ausfällt? Die Mitteilung beantwortet das nicht und behauptet auch nicht, jeder Teilnehmer habe einen redundanten Anschluss.

Die Nachricht belegt, dass mehr Netze einen Anschluss wählen und die Metro-Reichweite der Plattform gewachsen ist. Das macht den zweiten großen IX in Chicago prüfenswert. Ob Pfadvielfalt dort besteht, wo Betreiber sie brauchen, bleibt offen. Eine Marktoption wird erst dann zu einer betrieblichen Alternative, wenn ein Netz sie über einen unabhängigen Weg erreicht und unter Belastung tatsächlich nutzen kann.

Quellen