Zusammenfassung

  • Der Selective Directed Broadcast Mode aus RFC 1770 verband die Directed-Broadcast-Adresse eines Netzes mit einer IPv4-Option, die bis zu neun konkrete Empfänger aufführte.
  • Er vermied eigenen Gruppen-Steuerverkehr, wiederholte dafür die Auswahl in jedem UDP-Datagramm und hing von einem Broadcast-Verhalten ab, das später standardmäßig gesperrt wurde.

RFC 1770 erschien im März 1995 als Informational-Dokument, nicht als Internetstandard. Ausgangspunkt waren dünn besetzte Empfängergruppen in taktischen militärischen Netzen mit extrem knapper Bandbreite. Zusätzliche Nachrichten zur Pflege einer Gruppe hätten genau diese Ressource beansprucht. SDBM versprach unzuverlässige UDP-Zustellung; notwendige Zuverlässigkeit samt Bestätigungen blieb Sache der Anwendung.

Der Sender sortierte die Zielhosts nach Netzkennung. Für jedes Netz erzeugte er mindestens ein Datagramm, dessen gewöhnliches IPv4-Zielfeld die Directed-Broadcast-Adresse dieses Netzes enthielt. In der Option standen die vollständigen Adressen der tatsächlich gemeinten Hosts. Mehr als neun Empfänger in einem Netz erforderten mehrere Datagramme.

Die Neunergrenze ergab sich aus dem Kopf. IPv4 ließ höchstens 40 Oktette für Optionen. Type und Length belegten zwei, jede Adresse vier: Length = 2 + 4 × Anzahl der Adressen. Der Typ setzte das Copy-Bit auf eins, die Klasse auf null und die Optionsnummer auf 21; daraus wurde der Dezimalwert 149. Weil die Liste über die Zustellung entschied, musste sie in jedes Fragment kopiert werden.

Transitrouter verwendeten die normale IPv4-Verarbeitung. Erst der unmittelbar mit dem Zielnetz verbundene Router traf eine besondere Entscheidung. Auf einem broadcastfähigen Medium konnte er einmal senden und die Hosts filtern lassen. Ohne lokalen Broadcast erzeugte er für jeden Eintrag ein Paket. Bot Layer 2 eine zuverlässige Mehradresszustellung, konnte er einen entsprechenden Rahmen verwenden.

Ein Host verarbeitete das Datagramm nur weiter, wenn er seine eigene Adresse in der Option fand. Die äußere Adresse rief das Netz, die innere Liste wählte die Gäste. Damit stand auch die Transportgrenze fest: SDBM nutzte UDP. TCPs Punkt-zu-Punkt-Verbindungen passten nicht zu einer Broadcast-Zieladresse.

Die fehlende Gruppenverwaltung beseitigte weder Zustand noch Aufwand. Die Liste wurde mit den Daten wiederholt, der Sender teilte sie nach Netz und Kapazität, der letzte Router übersetzte sie in die lokale Übertragung, und Hosts konnten einen Link-Broadcast empfangen, nur um ihn abzulehnen. Das folgt aus dem Verfahren; RFC 1770 bezifferte den Tausch nicht und behandelte Sicherheitsfragen ausdrücklich nicht.

RFC 2644 änderte 1999 die Voraussetzung: Empfang und Weiterleitung netzgerichteter Broadcasts mussten nun standardmäßig abgeschaltet sein. Der BCP verwies auf Smurf-Verstärkung und hielt zugleich am Ingress-Filtering fest. Daraus folgt nicht, dass diese Änderung allein SDBM beendete. Den belegbaren Abschluss liefert RFC 6814. Er erklärte 2012, die Option sei nie breit eingesetzt und der Ansatz aufgegeben worden, stufte Wert 149 offiziell als deprecated ein und verschob RFC 1770 nach Historic.

SDBM zeigt, dass eingesparte Koordination nicht verschwindet. Wenn kein dauerhafter Gruppenstatus geführt wird, reist die Auswahl in jedem Paket mit und muss an anderer Stelle ausgeführt werden.

Quellen