Zusammenfassung
- Am 25. Februar 1993 schlug Marc Andreessen das optionale Element
IMGvor. Das erforderlicheSRCsollte ein Bitmap oder Pixmap bezeichnen, das der Browser abruft und an dieser Stelle im Dokument anzeigt. - Ein Bild konnte eingebettet sein, ohne selbst ein Link zu sein. Sollte es anklickbar sein, konnte ein
A-Element das Bild umschließen und ein eigenes Navigationsziel festlegen. HTML 2.0 übernahm diese Kombination und definierteALTals Textalternative.
Andreessens Vorschlag handelte nicht davon, Bilder auf Bildschirmen zu erfinden. Er behandelte eine engere Frage: Wie lässt sich eine Grafik an einer bestimmten Stelle eines HTML-Dokuments referenzieren, ohne ihre Dateiadresse zugleich als Ziel eines Hyperlinks zu verwenden? Am 25. Februar 1993 schlug Marc Andreessen auf der Mailingliste WWW-TALK eine knappe Lösung vor: ein eigenes Element namens IMG.
Das Element war optional und benötigte SRC="url". Der Browser sollte versuchen, das angegebene Bitmap oder Pixmap über das Netz abzurufen und dort darzustellen, wo das Element im Dokument stand. Ein End-Tag war nicht nötig. Die Markierung platzierte damit eine externe Bildressource im Textfluss, ohne sie selbst zum Navigationsziel zu erklären.
Ob ein Bild anklickbar war, entschied eine zweite Markierung. Andreessen erklärte, IMG könne innerhalb eines Ankers stehen. Dann reagierte das Bild bei einer Aktivierung wie verknüpfter Text. Außerhalb eines Ankers zeigte es lediglich ein Bild; ein Ziel legte es nicht fest. Autoren konnten also ein Bild in einen Absatz setzen oder es zum sichtbaren Inhalt eines Links machen.
Am folgenden Tag fragte Jim Davis, warum das Attribut SRC statt HREF hieß, und regte an, auch den Inhaltstyp anzugeben. Andreessen wollte HREF nicht mit einer zusätzlichen Bedeutung belasten: Es sollte das Ziel des Ankers bezeichnen. SRC benannte dagegen die abzurufende Ressource. In einer Konstruktion wie <A HREF="ziel"><IMG SRC="bild"></A> ließen sich beide Beziehungen ausdrücken, ohne sie zu vermischen.
Das war mehr als eine Frage der Benennung. Dasselbe Bild konnte ohne Interaktion angezeigt, mit einer Erläuterungsseite verknüpft oder mit verschiedenen Zielen wiederverwendet werden. Ein geändertes Linkziel erforderte keine neue Bildadresse. Umgekehrt musste eine Grafik im Dokument den Leser nicht zu ihrer Quelldatei schicken.
Auf der Mailingliste wurde jedoch auch diskutiert, ob ein eigenes Element für Bilder zu eng gedacht war. Am 1. März plädierte Dave Raggett dafür, allgemeinere externe Medien mit MIME-Typen und Formataushandlung zu betrachten. Im März befasste sich Guido van Rossum mit dem Umfang von Mechanismen wie INCLUDE oder EMBED, einschließlich der Frage, wie sich rekursive Einbettungen begrenzen ließen. Ein allgemeines Modell konnte mehr Medientypen erfassen, warf aber zusätzliche Fragen zu Typen, Layout, Verschachtelung und dem Verhalten nicht kompatibler Browser auf. Das Archiv belegt die Kontroverse, aber keine einzelne Nachricht als endgültige Entscheidung.
Andreessens Vorschlag überließ einen Teil der Kompatibilität den Browsern. Er nannte XBM und XPM als nützliche Formate, wollte die unterstützten Formate aber den Browsern überlassen. Konnte X Mosaic ein Format nicht interpretieren, sollte es ein Standard-Bitmap als Platzhalter anzeigen. Andreessen schrieb außerdem, die Funktion laufe intern bereits in X Mosaic und sei für diesen Browser erforderlich. Das ist eine ihm zugeschriebene Aussage zum internen Implementierungsstand. Sie belegt weder den Zeitpunkt der ersten öffentlichen Version noch die Nutzerzahl oder die Gründe für die Übernahme durch andere Browser.
1995 ging es auch darum, was Leser sehen sollten, wenn ein Bild nicht verarbeitet werden konnte oder sollte. In Diskussionen der HTML-Arbeitsgruppe im Juni wurde erwogen, wann ein User-Agent den Text aus ALT anstelle der in SRC genannten Ressource verarbeiten könne, etwa wegen technischer Einschränkungen oder einer Nutzerpräferenz. Teilnehmende unterschieden zudem zwischen einem fehlenden ALT-Attribut und einem ausdrücklich leeren Wert. Die Definition einer Alternative garantierte nicht, dass Autoren hilfreiche Beschreibungen bereitstellten.
Der im November 1995 veröffentlichte RFC 1866, HTML 2.0, normierte IMG sowie die Attribute SRC, ALT, ALIGN und ISMAP. SRC bezeichnete den URI der Bildressource; ALT lieferte Text, der anstelle des Bildes verwendet werden konnte. Der RFC stellte außerdem klar, dass ein IMG-Bild selbst kein Anker war. Eine wesentliche Grafik sollte über ein A-Element referenziert werden, eine unwesentliche konnte mit IMG eingebunden werden. Das Beispiel des RFC setzte IMG dennoch in ein A-Element: Das Bild erzeugte nicht selbst die Navigation, konnte aber der anklickbare Inhalt eines Links sein.
Der Standard machte auch die Weiterentwicklung sichtbar. Andreessens Vorschlag hatte 1993 Bitmap und Pixmap genannt und die Formatunterstützung den Browsern überlassen. RFC 1866 stellte fest, dass in der Praxis meist GIF oder JPEG verwendet würden. Ein CONTENT-TYPE-Attribut für IMG führte er nicht ein: Das Element benannte eine Ressource, und der Browser entschied anhand des erhaltenen Formats, ob er sie darstellen konnte. ALT bot einen Ersatzweg, blieb in der DTD jedoch optional.
Die historische Veränderung war deshalb nicht einfach „Das Web bekam Bilder“. Der Vorschlag machte das Bild zu einer separat adressierbaren Ressource, die im Dokument erscheinen konnte, ohne die Bedeutung eines Hyperlinks zu übernehmen. Der spätere Standard bewahrte diese Kombination und beschrieb die Grenze zwischen Anzeige und Aktivierung ausdrücklich. Die Quellen tragen diese konkrete Designgeschichte; sie belegen nicht, dass IMG allein das Web populär machte, Mosaic der erste grafische Browser war oder jede Implementierung gleich funktionierte.
Quellen
- Marc Andreessen, „proposed new tag: IMG“, 25. Februar 1993
- Jim Davis und Marc Andreessen über
SRC,HREFund Inhaltstypen, 26. Februar 1993 · Andreessens Antwort - Dave Raggett über allgemeine Medienbehandlung, 1. März 1993 · Guido van Rossum über den Umfang von Einbettungen, 13. März 1993
- Daniel Connolly zur Formulierung von
ALT, 1. Juni 1995 · Robert Lilley zu Alternativtext, 2. Juni 1995 - RFC 1866, Hypertext Markup Language — 2.0, November 1995
Mitgliederbriefing
Detaillierter Profilkontext
Melden Sie sich mit der richtigen Mitgliedschaftsstufe an, um das vollständige Briefing und die Quellennotizen freizuschalten.
Nur für Strategic Circle
Strategic Circle
Offen für alle Leser. Schalten Sie Profil-Briefings nach Beitritt und Anmeldung frei.
Strategic Circle beitretenNur für Leadership Alliance
Leadership Alliance
Für qualifizierte Inhaber von IP-Assets und Management; melden Sie sich an, um Leadership-Alliance-Briefings freizuschalten.
Leadership Alliance beitreten

