Zusammenfassung
draft-ietf-dtn-bibe-00vom 7. September 2026 führt Bundle-in-Bundle Encapsulation als neues DTN-Arbeitsgruppendokument weiter. Der wiederbelebte Umfang betrifft Kapselung und Segmentierung, nicht das frühere Custody-Transfer-Verfahren.- Jedes kapselnde Bundle ist ein neu erzeugtes BPv7-Objekt. Seine Zustellung beweist weder gemeinsame Empfängerinstanz noch vollständige Reassemblierung oder Übergabe des inneren Bundles an den BPA.
- Statusberichte können die Decapsulation zeitlich umschließen, aber interne Ablehnung, Verdrängung und Ablauf nicht ausdrücken. Dafür braucht der Betreiber lokale Logs, Zähler und Konfigurationsnachweise.
Vier grüne Zustellmeldungen können mit keinem inneren Empfang zusammenfallen. Hat ein Endpoint zwei Mitglieder ohne feste Zuordnung, landen zwei Segmente bei der einen Decapsulation-Instanz und zwei bei der anderen. Beide besitzen echte, aber unvollständige Zustände. Beim Ablauf werden sie gelöscht. Der äußere Transport war erfolgreich; ein inneres Bundle wurde nie an einen BPA übergeben.
Genau diese Grenze macht Revision 00 operativ interessant. Der Entwurf wurde am 7. September als Dokument der DTN Working Group veröffentlicht, bleibt aber ein veränderlicher Internet-Draft. Der Status belegt koordinierte Arbeit, nicht RFC-Reife, endgültigen Konsens, Implementierung oder Interoperabilität.
BIBE behandelt das weiterzuleitende Bundle als undurchsichtige Oktettfolge. Es kann vollständig in einer Nutzlast liegen oder in mehrere äußere Nutzlasten geteilt werden. Der Einstiegsknoten erzeugt jedes äußere Bundle als neue Quelle; es ist keine veränderte Kopie des inneren Objekts. Ziel, Quelle, Erzeugungszeit, Lifetime, Report-to, Flags, Erweiterungen und Schutzregeln gehören zur äußeren Reise.
Diese Trennung ermöglicht Vertraulichkeit für das gesamte innere Bundle einschließlich seiner Adressen. Ein Zwischennetz kann Routing, Warteschlangen oder Sicherheitsregeln auf die äußere Hülle anwenden, ohne die inneren Bytes zu ändern. Auch der Transport zwischen unterschiedlichen BP-Versionen wird möglich.
Die Trennung schafft zugleich zwei Nachweisbücher. Äußere Zustellung bedeutet, dass die Nutzlast eine am Endpoint registrierte Decapsulation-Instanz erreicht. Innerer Empfang entsteht erst, wenn ein vollständiger Inhalt oder ein lückenlos reassemblierter Bytebereich dem BPA gemäß RFC 9171 präsentiert wird. Dazwischen liegen optionale Fähigkeiten, begrenzter Speicher und lokale Regeln.
Der Segmentierungsschwellenwert wird pro Endpoint vorkonfiguriert und begrenzt nur die inneren Bytes je Hülle. Primary Block, Erweiterungen, CBOR und BPSec müssen zusätzlich kalkuliert werden. Transfer ID, Gesamtlänge und Offset beschreiben die Teile. Die ID erhält Bedeutung zusammen mit äußerer Source Node ID und Destination EID; sie trägt keine Aussage über Reihenfolge, Alter oder Verlust.
Nach dem ersten Segment kennt BIBE kein Abbruchsignal. Stoppt der Sender, sieht die Gegenstelle dasselbe wie bei Verlust unterwegs. Teilzustand bleibt bis zum gemeinsamen Ablauf oder wird durch lokale Ressourcenpolitik früher entfernt. Solange der alte Transfer noch leben kann, ist die Wiederverwendung derselben ID für dasselbe Quell-Ziel-Paar gefährlich.
Die Reassemblierung verwirft inkonsistente Eingaben. Ein Bereich jenseits der Gesamtlänge ist fehlerhaft; wechselnde Gesamtlänge oder überlappende Bereiche mit verschiedenen Bytes machen den Transfer korrupt und löschen seinen Zustand. Identische Duplikate sind harmlos. Unterstützung für Segmentierung und Reassemblierung ist optional; eine Instanz ohne diese Fähigkeit muss segmentierte Nutzlasten verwerfen.
Auch eine fähige Instanz verspricht keinen unbegrenzten Speicher. Sie darf unvollständige Zustände vor dem Ablauf entfernen, um lokale Ressourcen zu schützen. Der innere BPA sieht dann nie ein Bundle. Der äußere Statusbericht bleibt korrekt, er enthält nur die interne Entscheidung nicht.
Endpoint-Affinität ist deshalb Teil der Funktionsfähigkeit. Ein Singleton-Endpoint erfüllt die Forderung. Auch ein Verfahren, das jedem Mitglied den kompletten Satz liefert, funktioniert. Unbestimmte Lastverteilung einzelner äußerer Bundles tut es nicht: Sie verteilt die Segmente und erzeugt mehrere unvollständige Zustände.
Der Entwurf definiert weder eigene Bestätigung noch Wiederholung. Am Eingang endet Forwarding mit der erfolgreichen Übergabe der neuen äußeren Bundles an das darunterliegende Netz. Zuverlässigkeit muss eine Convergence Layer, Wiederholung, ein getrenntes Custody- oder Acknowledgement-Verfahren oder die Anwendung liefern. Das IETF-126-Protokoll hält ausdrücklich fest, dass Custody Transfer aus der Wiederaufnahme entfernt wurde.
RFC-9171-Berichte bleiben diagnostisch nützlich, sofern sie objektscharf bleiben. Außen verfolgen sie Empfang, Weiterleitung, Löschung und Zustellung. Innen beginnen sie erst nach der BPA-Übergabe. Liegen alle äußeren Zustellberichte vor, aber kein erwarteter innerer Empfang, lässt sich der Fehler auf die Decapsulation statt auf den Transit eingrenzen.
Die Ursache bleibt lokal. Fehlende Reassemblierung, reservierte Payload-Form, abweichende Gesamtlänge, Konflikt, Speicherverdrängung und Ablauf passieren nach äußerer Zustellung und vor Existenz eines inneren Bundles. Der Entwurf erklärt, dass kein Statusbericht über eines der Objekte diese Vorgänge ausdrücken kann. Logs und Zähler am Ausgang müssen sie sichtbar machen.
Die gemeinsame Lifetime begrenzt, aber sie schützt nicht allein. Alle Hüllen eines Transfers laufen gleichzeitig und spätestens mit dem inneren Bundle ab. Danach kann Zustand verschwinden und die ID wiederverwendet werden. Weil der Sender den Zeitpunkt behauptet, kann ein fehlerhafter oder böswilliger Peer einen fernen Ablauf wählen und ein Segment zurückhalten. Der Empfänger braucht eine eigene Obergrenze.
Auch Vertrauen wird nicht vererbt. Schutz der äußeren Nutzlast authentisiert den Tunnel-Peer und kann gefälschte Segmente vor der Speicherbelegung stoppen. Er authentisiert nicht die im inneren Primary Block genannte Quelle. Und die gewünschte Opazität kann Prüfungen im Transit umgehen, weshalb der Ausgang die normale Eingangsprüfung auf das rekonstruierte Objekt anwenden muss.
Heng Lus Schichtenmodell verhindert den logischen Sprung. Working-Group-Status ist Koordination. Äußere Zustellung ist Beobachtung. Reassemblierung ist lokales Ergebnis. BPA-Empfang ist ein neuer Protokollfakt. Anwendung und Außenwirkung folgen später. Kein leicht sammelbarer Datensatz darf die Autorität des nächsten übernehmen.
Die belastbare Betriebsakte verbindet daher Quelle, Endpoint, Transfer ID, Ablauf, Bereiche, tatsächliche Empfängerinstanz, Ablehnungs- oder Verdrängungsgrund, Abschluss-Hash, innere Identität und BPA-Empfang. Vier Zustellberichte beweisen vier Nutzlasten am Tunnelrand. Erst die verbundene Kette beweist den Empfang des inneren Bundles.
Quellen
- IETF Datatracker — Bundle-in-Bundle Encapsulation
- Aktueller Arbeitsgruppenentwurf 00
- Protokoll der DTN Working Group auf der IETF 126
- Vorheriger Individual Draft
- Abgelaufener BIBE-CT-Entwurf
- RFC 9171 — Bundle Protocol Version 7
- RFC 9172 — Bundle Protocol Security
- RFC 9758 — Aktualisierung des ipn-URI-Schemas
- RFC 6169 — Sicherheitsfragen bei IP-Tunneln
- RFC 4459 — MTU und Fragmentierung bei Tunneln
- RFC 2473 — Generisches Packet Tunneling in IPv6
- Heng Lu — Running-Code Primacy
- Heng Lu — Minimum Initial Specification
- Heng Lu — Reality Layers
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