Zusammenfassung

  • Am 28. September 2016 verursachten Tornados Schäden an 275-kV-Leitungen; fünf Fehler und sechs Spannungseinbrüche innerhalb von rund zwei Minuten lösten bei neun Windparks eine anhaltende Leistungsabgabe von 456 MW in unter sieben Sekunden aus.

  • Nach dem Trip des Schutzes am Heywood-Interconnector fiel das gesamte Netz von South Australia um 16:18 Uhr aus; AEMOs Abschlussbericht vom März 2017 listete 19 Empfehlungen.

  • Am 15. Juni 2022 setzte AEMO selbst alle Spotmärkte des National Electricity Market aus, nachdem die gezielte Kapazität am 14. Juni nahe 5 GW erreicht hatte.

  • Der unabhängige AER-Bericht vom 14. Dezember 2022 beschrieb das Verhalten mehrerer Erzeuger als rücksichtslos, stellte aber zugleich fest, dass die Regeln keine zivilrechtliche Sanktion für die einschlägige Vertragsklausel vorsehen.

  • Die Nachbesserung bleibt überwiegend prozedural: Empfehlungen, Regeländerungen und ein noch laufendes Kompensationsverfahren statt durchgesetzter Sanktionen.

Zwei Ereignisse, eine Institution

AEMO ist simultaneously Marktoperator und Systembetreiber des National Electricity Market. Genau diese Doppelrolle macht die Institution zum Prüfstein für die Frage, wer Prävention und Erkennung kontrolliert: Bei der Marktsuspension 2022 entschied AEMO über die eigenen Befugnisse nach der Regel 3.14.3 des National Electricity Rules – ein externer Direktor war nicht beteiligt.

Der 28. September 2016

Laut AEMOs Integrated Final Report vom März 2017 beschädigten Tornados mit Windgeschwindigkeiten von 190 bis 260 km/h Übertragungsleitungen. In rund zwei Minuten um 16:16 Uhr traten fünf Fehler und sechs Spannungseinbrüche auf. Neun Windparks im Norden des Bundesstaates reagierten auf die mehrfachen Spannungseinbrüche mit einer anhaltenden Leistungsreduktion: 456 MW gingen in unter sieben Sekunden verloren, dazu 42 MW kurzzeitig. Der Schutzmechanismus des Heywood-Interconnectors sprach an, South Australia wurde inselisiert, und um 16:18 Uhr fiel das gesamte Netz aus.

Der Abschlussbericht fand, dass die Turbinen die Störungen an sich überstanden hätten; der Ausfall war auf eine Steuereinstellung zurückzuführen, die auf mehrfache Störungen reagierte. Nach dem Ereignis vorgenommene Änderungen der Turbinensteuerung beseitigten nach AEMO-Angaben das Wiederholungsrisiko für dieselbe Anzahl von Störungen. Der Bericht listete 19 Empfehlungen: sieben neue, drei bereits umgesetzt, acht in Arbeit.

Die Regeländerung als systemische Antwort

AEMOs 2017 eingereichter Regeländerungsvorschlag zu den Generator-Technikstandards verband das Ereignis explizit mit dem Bedarf an Änderungen der National Electricity Rules, damit Erzeugungsanlagen mehrere Spannungsstörungen überstehen können. Die Konsultationspapiere der AEMC von 2018 zu den Generator Technical Performance Standards bestätigen, dass das Ereignis Schwächen der bestehenden Einstellungen offenlegte.

Der 15. Juni 2022: AEMO suspendiert den eigenen Markt

Nach NER 3.14.3 darf AEMO den Spotmarkt aussetzen, wenn ein regelkonformer Betrieb unmöglich ist – nicht aber allein wegen des Erreichens der Preiskappe, einer Weisung oder einer Intervention nach Regel 3.12. Am 14. Juni 2022 musste AEMO nach Angaben des CEO Daniel Westerman rund 5 GW Erzeugung anweisen. Um 14:05 Uhr am 15. Juni 2022 setzte AEMO selbst alle regionalen Spotmärkte aus. Der Bericht zählt 483 weisungsbezogene Teilnehmerbenachrichtigungen; die reguläre Preisbildung lief ab 4:00 Uhr am 23. Juni wieder, die formelle Aufhebung folgte um 14:00 Uhr am 24. Juni 2022.

Der unabhängige Befund

Der unabhängige Market-Events-Bericht der AER vom 14. Dezember 2022 fand, dass mehrere Erzeuger Kapazität ohne Rücksicht auf das Gesamtsystem zurückzogen – als rücksichtslos beschrieben. Zugleich stellte die AER fest, dass der Test auf vernünftigen Grund und das Fehlen einer zivilrechtlichen Sanktion für Verstöße gegen NER 4.8.9(c2) die Durchsetzung erschwerten; der Hauptbehelf war die Aberkennung von Kompensation. Die AER dokumentierte auch spätes Rebidding, unzureichende PASA-Angaben und mangelhafte Dokumentation. Sie fand gleichfalls, dass AEMO und Erzeuger trotz dieses Verhaltens eng zusammenarbeiteten, um Lastabwürfe zu vermeiden.

AEMO selbst räumte ein, dass seine Erklärung eines manifest falschen Eingangswerts am 23. Juni 2022 nicht dem einschlägigen NER-Verfahren folgte, und beschrieb Probleme bei der Verwaltung von Weisungseinschränkungen, die seine automatisierten Systeme nicht mehr bewältigen konnten.

Kompensation als offene Wunde

Berechtigte Markt-Suspension-Claimants erhalten Kompensation nach NER 3.14.5A(d) und 3.14.5B, die Kosten tragen vor allem die Einzelhändler. AEMOs Kompensationsupdates vom 15. August 2022 und 6. Juni 2023 sowie das AEMC-Konsultationspapier von 2023 zeigen, dass der Prozess lange nach dem Ereignis lief. Die Empfehlungen von AEMO selbst blieben überwiegend interne Verfahrensmaßnahmen.

Was darüber hinausgeht

Für dieses Thema liegt kein früherer BTW-Basistext vor. Die Vergleichsbasis ist der benannte Nachbarkorpus: AEMOs eigener Integrated Final Report vom März 2017 und der Suspensionsbericht von 2022, der unabhängige AER-Bericht vom 14. Dezember 2022 sowie die Regeländerungs- und Kompensationspapiere der AEMC. Der Erkenntnisgewinn dieses Textes ist die zusammengelesene Verantwortlichkeitsbilanz: was ein Regulierungsbericht und ein Betreiberbericht gemeinsam darüber aussagen, wer Prävention und Erkennung kontrollierte.

Quellen