Zusammenfassung

  • RFC 9581 definiert die CBOR-Tags 1001, 1002 und 1003 für erweiterte Zeit, Dauer und Zeitraum sowie Felder für Skala, Klasse, Genauigkeit, Varianz, Unsicherheit und erklärte Garantie.
  • Auflösung ist nicht Messgenauigkeit. Ohne Identität, Referenz, Synchronisations- und Holdover-Zustand sowie monotone Korrelation beweist ein Zeitwert weder Kausalfolge noch Frist oder Anwendungsabschluss.

Die beiden Ereignisse lagen laut Protokoll 600 Nanosekunden auseinander. Das war weniger als die Unsicherheit beider Uhren und deutlich weniger als der unbekannte Erfassungsweg. Trotzdem sortierte das Auswertungssystem sie endgültig.

RFC 9581 macht solche Grenzen ausdrückbar. Tag 1001 trägt erweiterte Zeit, 1002 eine Dauer und 1003 einen Zeitraum. RFC-Editor-Eintrag, Datatracker, Historie und Errata belegen Herkunft und Status der Spezifikation. Sie attestieren keine konkrete Betriebsuhr.

Ein gültiger Decoder beweist die Form

Die Map von Tag 1001 enthält genau einen vorzeichenlosen Basiszeitschlüssel. Schlüssel 1 nutzt POSIX-artige Sekunden, 4 und 5 Dezimalbruch oder Bigfloat. Negative Schlüssel ergänzen Bruchteile und Metadaten. Unbekannte negative oder Textschlüssel sind elective und müssen ignoriert werden. Unbekannte positive Schlüssel sind Basis oder critical und müssen einen Fehler auslösen.

Die IANA-CBOR-Register stabilisieren die Zahlen; RFC 8949 liefert das Datenmodell. Parserkonformität sagt aber nichts über den emittierenden Prozess, Authentisierung, Oszillator, Zeitquelle oder letzten erfolgreichen Abgleich.

Das RFC-Beispiel zeigt Mikrosekundenauflösung bei einer Millisekunde Unsicherheit. Die Stellenzahl beschreibt die Darstellung, nicht die Kenntnis des Ereignisses.

Garantie ist Inhalt, nicht Selbstbeweis

Die Zeitskala unterscheidet UTC mit POSIX-Epoche und TAI mit PTP-Epoche. Ohne Schlüssel gilt UTC. Schlüssel 13 ist critical; negative Varianten sind elective. Ein Empfänger kann damit den Zahlenwert behalten und unverstandenen Kontext verlieren.

Clock Class, Clock Accuracy und Offset-Scaled Log Variance stammen aus dem PTP-Umfeld, das auch RFC 8575 modelliert. -7 trägt erweiterte Unsicherheit für k=2, -8 eine erklärte maximale Abweichung. RFC 9581 nennt eine absolute Garantie theoretisch unerreichbar, unterstützt ihre Darstellung aber für Systeme wie RFC 3161.

Die Map nennt nicht den Garantiegeber, die Kalibrierkette, den Grandmaster, die Pfadverzögerung, das letzte Sync-Ereignis, Holdover oder Alarmzustand. RFC 5905 definiert NTP; der NIST-Zeitdienst zeigt eine operative Quelle außerhalb des Payloads; BIPM/JCGM beschreibt Messunsicherheit. Ein Wert unter -7 beweist diese Ableitung nicht.

Zeitzone ist Darstellungsabsicht

-10 und 10 transportieren Zeitzonenhinweise, -11 und 11 Suffixinformationen nach RFC 9557. Sie helfen der Anzeige. Sie belegen weder physischen Standort noch Rechtsraum. Beim Übergang auf POSIX-Basis kann der ursprüngliche numerische Offset verlorengehen.

Zone, Auflösung und Wanduhrabweichung können zugleich Eigenschaften des Emitters verraten. Wer Zeit für Freshness oder Gültigkeit nutzt, muss deshalb Verständnispolitik, ignorierte Schlüssel und Offenlegungsrisiko festhalten.

Ein Zeitraum ist kein Leistungsnachweis

Tag 1003 enthält Start und Ende oder einen Endpunkt plus Dauer. Genau zwei logische Elemente sind vorhanden. Das beweist die Struktur, nicht dass Arbeit an diesen Punkten begann und endete. Für SLA-Erfüllung braucht es Annahme, Verarbeitung und Ergebnis der Anwendung.

Die Beweiskette umfasst kanonische CBOR-Bytes, Parserentscheidung, authentisierte Emitteridentität, Quelle und Skalenrealisierung, letzten Sync, Holdover, Offset und Delay, Qualitätsableitung, Wanduhr und monotonen Zähler, Erfassungsverzug, Collector-Eingang und Anwendungsergebnis. Erst dann lassen sich Unsicherheitsintervalle vergleichen.

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Quellen