Zusammenfassung
- Am 1. Januar 1992 öffnete der Wellington City Council einen Teil von City Net für die Öffentlichkeit. Per Einwahl gab es E-Mail, Usenet, Chat, Internet-Dateien und kommunale Informationen.
- Im April 1993 meldete Richard Naylor rund 1.200 registrierte Nutzer; Verzögerungen bei der Registrierung und Verbindungsprobleme begrenzten den Dienst bereits.
- Ein datierter Gopher-Menübildschirm zeigt Satzungen, Ausschussunterlagen und Wahlergebnisse. Die überlieferten Quellen belegen jedoch weder, dass Gopher und City Net ein einziges System waren, noch dass alle aufgeführten Dokumente abgerufen wurden.
Der aufschlussreichste Hinweis auf die frühe Internetgeschichte Wellingtons ist kein Anspruch auf Vorrang. Es ist ein praktisches Eingeständnis: Die Mitarbeiter mussten erst überzeugt werden, dass sich der kleine Aufwand für die Veröffentlichung kommunaler Informationen lohnte.
Im April 1993 beschrieb Richard Naylor, Leiter des Computer Services beim Wellington City Council, City Net als einen öffentlichen Versuchsbetrieb, der am 1. Januar 1992 begonnen hatte. Einwohner konnten sich per Modem einwählen und E-Mail, das Ratsforum NOTES, Usenet-Nachrichten, Internet-Chat, Dateitransfer und Datenbanken nutzen. Es entstand kein fertiges digitales Bürgerportal. Die öffentliche Nutzung kam zu Computern und einer Datenleitung hinzu, die der Rat ohnehin für seine Arbeit einsetzte.
Eine andere Momentaufnahme findet sich in einem Konferenzband von 1993. Steve Cisler veröffentlichte einen Screenshot des Wellington-City-Council-Gopher-Menüs mit dem Datum 28. November 1992. Darin stehen kommunale Satzungen neben CityNet, Ausschussunterlagen, Sitzungsterminen, Wahlergebnissen und Richtlinien. Das Bild zeigt, wie Ratsinformationen in einem Internet-Menü geordnet wurden. Es erklärt nicht, wie jeder Eintrag abgerufen wurde, und belegt nicht, dass Gopher-Server und Einwahldienst dieselbe Oberfläche teilten.
Zwei Wege durch die kommunale Datenverarbeitung
In Naylors Darstellung war City Net ein Dienst, den man per Modem anwählte. Im NOTES-Bereich lagen der Übergangs-Flächennutzungsplan und die Satzungen. Außerdem veröffentlichte das System öffentliche Bekanntmachungen, Neuerscheinungen der Bibliothek, Veranstaltungen sowie Informationen über Wellington und Neuseeland. E-Mail, Diskussionen und Dateitransfer gehörten ebenfalls dazu.
Gopher bot einen anderen Weg. RFC 1436 vom März 1993 beschreibt ein Protokoll, mit dem Nutzer Menüs durchlaufen konnten, während Dokumente auf verschiedenen Servern lagen. Der Wellington-Screenshot macht kommunale Informationen als navigierbares Angebot im größeren Netz sichtbar. Er ist ein Beleg für die Menüstruktur, kein Nutzungsprotokoll.
Diese Unterscheidung ist wichtig. City Net verband lokalen öffentlichen Zugang mit Internetdiensten. Das Gopher-Menü machte Ratsunterlagen über das Internet sichtbar. Beide gehörten zum selben kommunalen Informationsprojekt, doch die verfügbaren Unterlagen rechtfertigen es nicht, den einen Dienst als anderen Namen für den zweiten zu behandeln.
Auch „kostenlos“ braucht eine genaue Einordnung. Naylor sagte, der grundlegende Zugang bleibe kostenlos und die Öffentlichkeit rufe beim Rat an, sodass diesem keine Telefonkosten entstünden. Der Computer erledigte jedoch weitere kommunale Aufgaben, und der Rat bezahlte eine Datenleitung zur Victoria University für seine tägliche Arbeit. Der öffentliche Zugang nutzte vorhandene Infrastruktur; ein kostenfreies Netz war es nicht.
Ein Dokument konnte weiter reichen als sein Amt
Der Übergangsplan und die Satzungen standen in NOTES. Der Gopher-Screenshot listet Satzungen und Richtlinien außerdem getrennt im Ratsmenü. Damit konnten Leser eine lokale Regel abrufen, ohne beim Amt eine Papierkopie anzufordern. Naylor beschrieb auch monatliche Veröffentlichungen: öffentliche Bekanntmachungen, Veranstaltungen, Bibliotheksmaterial und lokale Informationen. Leser im Ausland baten teils um Versand per E-Mail, weil die üblichen drei bis vier Tage Verzögerung zu lang waren.
Transparenz entstand dadurch nicht automatisch. Naylor zufolge mussten die Beschäftigten erst überzeugt werden, ihre Unterlagen vorzubereiten. Der Computer konnte Dateien übertragen, doch jede Abteilung musste sie veröffentlichungsfähig machen. Der Rat hatte Sitzungsprotokolle und Berichte ausprobiert; eine breitere Veröffentlichung blieb eine organisatorische und aufklärende Aufgabe.
Ein Usenet-Verzeichnis vom Februar 1993 zeigt den Einwahldienst aus einer alltagsnäheren Perspektive. Es führt CityNET als öffentliches Angebot mit einer Wellingtoner Telefonnummer, Registrierungspflicht, VAX-Menüs, Usenet, E-Mail, FTP und Telnet auf. Der Verfasser vermerkt Stau auf einer einzigen Leitung, an der mindestens sieben Modems warteten. Das ist kein offizieller Leistungsbericht, zeigt aber, dass ein vorhandenes Menü noch keinen problemlosen Zugang bedeutete.
Die Grenze lag auch in der Organisation
Naylor schätzte die Nutzerzahl im April 1993 auf etwa 1.200 und die Zahl der Neuregistrierungen auf rund 100 pro Monat. Die Bearbeitung der Registrierungen bezeichnete er als größten Engpass. Manche Nutzer hätten je nach Zugangsweg Schwierigkeiten, eine Verbindung herzustellen. Die Zahl beschreibt Registrierte, nicht aktive Sitzungen, Haushalte oder erfolgreiche Anrufe.
Die Wirtschaftlichkeit war lokal organisiert. Der Computer wurde bereits für Ratsaufgaben genutzt, die Internetleitung diente der täglichen Arbeit, und der Zeitaufwand für Mitarbeiter sei gering, schrieb Naylor. Der Rat registrierte Nutzer und ermutigte sie, einander zu helfen. Die Wiederverwendung vorhandener Mittel ermöglichte den Versuch ohne ein separates kommerzielles Netz; der Zugang hing dadurch aber von freien Kapazitäten, wenigen Modems und einer manuellen Registrierungsschlange ab.
Auch die Ausbaupläne zeigten eine Grenze. Öffentliche Terminals in Zweigbibliotheken sollten Menschen ohne Heimmodem erreichen, wurden wegen fehlender Finanzierung aber zurückgestellt. Der Bibliothekskatalog blieb wegen rechtlicher Fragen unzugänglich. Naylor erwog, für klar kommerzielle Informationen später Gebühren einzuführen, während die Basisdienste kostenlos bleiben sollten. In seinem Text von 1993 sind das Vorhaben und Einschränkungen, kein Nachweis späterer Umsetzung.
Die Quellen tragen eine begrenzte Schlussfolgerung. Wellington öffnete ein kommunales Computersystem für Einwohner und ordnete öffentliche Unterlagen in einem Internet-Menü. Dazu nutzte die Stadt vorhandene Computer und Verbindungen, ohne die Zugangskosten zu beseitigen. Die Reichweite hing davon ab, ob Einwohner vom Angebot erfuhren und sich registrierten, ob eine Leitung frei war, ob das Modem verband und ob die zuständige Abteilung Unterlagen vorbereitete.
Heng Lus Note 65, „Running-Code Primacy“, dient hier lediglich als redaktioneller Prüfmaßstab: Was belegen die Unterlagen als laufenden Betrieb, und was beschreibt eine Institution nur als Vorhaben? Der öffentliche Testbetrieb, die aufgeführten Dienste, das datierte Gopher-Menü und die Nutzerzahl sind dokumentiert. Bibliotheksterminals und mögliche Gebühren für kommerzielle Inhalte blieben in den zitierten Quellen Pläne.
Quellen
- Richard Naylor, „Community Computing“, AUUGN 14(5), April 1993
- Steve Cisler, „Community Computer Networks“, Konferenzband 1993
- „List of New Zealand BBSs for February 1993“, Usenet, 19. Februar 1993
- RFC 1436, „The Internet Gopher Protocol“, März 1993
- „Godzone“, WIRED, November 1995
- Lu Heng, „Running-Code Primacy“, Note 65 — ausschließlich redaktionelle Perspektive
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