Zusammenfassung
- Ein erfolgreicher RFC-5007-Reply kann Client-Daten, eine Liste weiterer Links oder ein leeres Ergebnis enthalten. Er ist kein Online-, Identitäts- oder Freigabenachweis.
- Belastbar wird die Aussage erst mit Serverabdeckung, Antwortvariante, Konfliktregel, lokaler Revision und einer getrennten Beobachtung der tatsächlichen Wirkung.
Im Lagebild steht ein erfolgreicher LEASEQUERY-REPLY. Daneben erscheint „Endgerät anwesend“. Zwischen diesen beiden Zeilen fehlen mehrere Belege.
RFC 5007 beschreibt einen schlanken Zugriff auf Bindungsinformationen eines DHCPv6-Servers. LEASEQUERY ist ausschließlich eine Abfrage und verändert weder Adresse oder Präfix noch die Bindung. Die Antwort ist eine Aussage über gespeichertes Serverwissen.
Beim On-Demand-Fall löst ein beobachtetes IPv6-Paket die Aktualisierung aus. Der Access Concentrator möchte wissen, welchem Client die Adresse derzeit vermietet ist. Das Paket ist eine Beobachtung, die Bindung eine administrative Zuordnung. Die zweite belegt weder die legitime Herkunft der ersten noch künftige Erreichbarkeit.
Erfolg hat drei Formen. OPTION_CLIENT_DATA aktualisiert den lokalen Bindungszustand. OPTION_LQ_CLIENT_LINK verweist auf mehrere Links, die einzeln abgefragt werden müssen. Fehlen beide Optionen, hat der Server keine Bindung gefunden—trotz erfolgreichem Austausch. Ein grüner Status darf Ergebnis, Arbeitsliste und Leere nicht zusammenlegen.
Auch Fehler sind keine universelle Abwesenheit. Lokale Policy entscheidet über einen anderen Server, eine korrigierte Anfrage, Multicast oder Abbruch. Ist der autoritative Server unbekannt, sollen alle bekannten oder konfigurierten Server befragt werden. Ein legitimer Abbruch ist keine vollständige Autoritätsabdeckung.
Mehrere Quellen können disjunkte Daten liefern, die zusammenzuführen sind. Überlappende Angaben desselben Typs und Werts gelten als Konflikt. Zwischen verschiedenen Servern soll die Angabe mit der jüngsten OPTION_CLT_TIME bevorzugt werden.
Die verifizierten Errata verhindern eine falsche Härte. Erratum 3763 entfernt die ursprüngliche Anweisung, Client-Daten ohne OPTION_CLT_TIME zu verwerfen. Ein Failover-Partner kann die Bindung besitzen, ohne die letzte Transaktion selbst gesehen zu haben. Liegt eine Antwort mit Zeit vor, ist sie vorzuziehen; ist nur die zeitlose Antwort verfügbar, darf sie angenommen werden. Erratum 4816 korrigiert den Optionsnamen zu OPTION_LQ_CLIENT_LINK.
Die Zeitoption misst den Abstand zur letzten Servertransaktion beim Erstellen der Antwort. Sie ist kein Lebenszeichen, keine Personenidentität und kein Autorisierungsergebnis. „Jünger als eine andere empfangene Servermeldung“ bedeutet nicht „jetzt online“.
Bei Prefix Delegation kann nach einem Neustart gerade der Verkehr ausbleiben, der die Abfrage auslösen soll, weil die Route noch nicht injiziert werden kann. RFC 5007 erwähnt einen antizipierenden Wiederaufbau, spezifiziert ihn aber nicht. RFC 5460 definiert später Bulk Leasequery, RFC 7653 Active Leasequery. Eine Punktabfrage ist weder Gesamtwiederherstellung noch fortlaufender Änderungsstrom.
Authentisierung begrenzt Teilnehmer, nicht die Bedeutung. Vertrauenswürdige Relays können untrusted Anfragen transportieren; Server können Relay-Anfragen verwerfen und selbst gegenüber vertrauenswürdigen Requestors Informationen einschränken. Ein böswilliger Server kann falsche Lease- oder Routingdaten liefern.
Negative Caches begrenzen Last. Sie halten fest, dass eine jüngste Abfrage keine Client-Daten ergab. Ohne Alter und Geltungsbereich werden sie leicht zur falschen Aussage, es gebe keine Bindung oder kein Gerät.
Ein Bindungsbeleg sollte enthalten:
- Auslöser, Abfragetyp, Adresse oder DUID und Linkkontext;
- erwartete autoritative Server und tatsächlich befragte Menge;
- Requests, Replies, Authentisierung, Relay, Retries und Stopgrund;
- genaue Antwortvariante und eingeschränkte Felder;
- Link-Fan-out und offene Folgeabfragen;
- Zusammenführung disjunkter Daten und Konfliktentscheidung;
- Vorhandensein von
OPTION_CLT_TIMEund angewandte Regel; - Negative Cache und Revision des lokalen Zustands;
- Routing-, Filter- oder Freigabeentscheidung und getrennt beobachtete Wirkung.
Das ist eine Governance-Empfehlung, keine verborgene RFC-Pflicht. Heng Lus Reality-Layer-Disziplin hält Serverdarstellung, Austausch, lokalen Zustand, Vollzug und Wirkung getrennt.
RFC 7513 verwendet Leasequery als mögliche Hilfe bei SAVI-Wiederherstellung, ohne aus einer Bindung eine menschliche Identität zu machen. Grundlagen stehen in RFC 3315, RFC 3633 und dem IPv4-Vorläufer RFC 4388. RFC 8415 und RFC 9915 heben die Evidenzgrenze einer erfassten Antwort nicht auf.
Quellen
- RFC 5007 — DHCPv6 Leasequery
- RFC 5007 — kanonischer Text
- RFC-Editor-Eintrag
- Errata zu RFC 5007
- IETF-Datatracker
- IETF-Datatracker-Verlauf
- RFC 3315 — DHCPv6
- RFC 3633 — Prefix Delegation
- RFC 4388 — DHCP Leasequery
- RFC 5460 — DHCPv6 Bulk Leasequery
- RFC 7513 — SAVI Framework
- RFC 7653 — DHCPv6 Active Leasequery
- RFC 8415 — DHCPv6
- RFC 9915 — DHCPv6
- IANA DHCPv6 Parameters
- Heng Lu — Running Code Primary
- Heng Lu — Minimum Initial Specification
- Heng Lu — On Reality Layers
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