Zusammenfassung
- Im RFC-10054-Beispiel braucht der Standort mit der schnellsten Berechnung Ende zu Ende 22,4 ms; der mit dem schnellsten Netz 23,4 ms. Beide verfehlen das beispielhafte 20-ms-Ziel.
- Ein dritter Standort kombiniert 5 ms Rechenzeit mit 5 ms Netzzeit und kommt laut Dokument auf 19,4 ms. Das sind Szenarioannahmen, keine Feldmessungen.
Bei Cloud-VR zählt eine Frist vom Moment der Bewegung bis zum fertigen Bild: 20 ms. Der schnellste Prozessor verliert. Im Beispiel von RFC 10054 verarbeitet Standort 1 ein Bild in 4 ms – der beste Rechenwert der drei. Sein überlasteter Netzpfad fügt jedoch 9 ms hinzu; die vollständige Verzögerung von Bewegung bis Anzeige beträgt laut RFC 22,4 ms. Das beispielhafte Budget liegt bei 20 ms. Die isoliert beste Kennzahl führt zu einer Auswahl, die das Ziel verfehlt.
Eine Auswahl nur nach Netzlatenz funktioniert ebenfalls nicht. Standort 2 hat mit 4 ms den leichtesten Netzpfad, benötigt unter hoher Last aber 10 ms für die Berechnung. Die angegebene Gesamtlatenz beträgt 23,4 ms. Standort 3 ist in beiden Werten unauffällig: 5 ms Rechenzeit und 5 ms Netzzeit. Zusammen ergeben sie 19,4 ms – als einziger Wert unter der 20-ms-Grenze des Beispiels. Drei oder vier Millisekunden entscheiden in diesem Szenario, ob die Anforderung erfüllt wird.
Genau dieses Problem beschreibt „Computing-Aware Traffic Steering“. Eine Dienstinstanz ist nicht automatisch passend, weil sie nahe liegt oder Rechenkapazität frei hat. Nutzer erleben die ganze Kette: Geräteverarbeitung, Transport, Rendering am Server und Rückweg. RFC 10054 teilt die 20 ms in Sensorabtastung (unter 1,5 ms), Bildschirmaktualisierung (7,9 ms), Rendering (5,5 ms) und Hin- und Rückweg im Netz (5,1 ms). Rechenleistung und Netz verbrauchen jeweils einen erheblichen Teil. Wer nur eine Seite optimiert, kann den falschen Standort wählen.
RFC 10054 ist ein Informational-Dokument mit Problemstellung und Anforderungen; seine Szenarien sind auf eine einzelne administrative Domäne beschränkt. Es belegt nicht, dass eine konkrete Installation diese Logik bereits nutzt. Die operative Aussage ist enger: Das Auswahlkriterium muss das Ende-zu-Ende-Ziel des Dienstes treffen und darf sich nicht mit der hübschsten Dashboard-Spalte begnügen.
Source: IETF RFC 10054.
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