Zusammenfassung

  • Wenn eine Website wieder erreichbar ist, erklärt die aktuelle Routingtabelle nicht, ob eine Route während der Störung fehlte.
  • RIPE NCC schlug 1999 vor, BGP-Ankündigungen ausgewählter Standorte zu sammeln und zentral zu speichern, damit Betreiber vergangene Routenänderungen untersuchen konnten.
  • Das Archiv konnte die Sicht seiner konfigurierten Peers belegen, aber weder das ganze Internet abbilden noch die tatsächliche Weiterleitung bestätigen.

Wenn die Website wieder lädt, bleibt die Ursache offen

RIPE-200 führt eine Nutzermeldung an: Eine Website war zuvor nicht erreichbar. Wenn sie bei der späteren Prüfung wieder lädt, erklärt die aktuelle Routingtabelle den früheren Zustand nicht. Für die Fehlersuche macht es einen Unterschied, ob mehrere Netze die Route verloren hatten oder ob ein einzelner Messpunkt sie nicht sah. Das Routing Information Service (RIS) sollte deshalb BGP-Beobachtungen von mehreren Standorten speichern. BGP ist das Protokoll, über das Netze Routen austauschen.

Der Tätigkeitsplan von RIPE NCC für 2000 sagt, dass RIS schon seit Jahren vorgesehen war, aber wegen knapper Zeit und Ressourcen kaum vorankam. 1999 arbeitete ein Netzwerktechniker in der Gruppe für neue Projekte erstmals hauptberuflich daran. Der Plan datiert den Arbeitsbeginn auf Juli 1999. Das war der Projektstart, kein Nachweis für einen öffentlichen Dienst in diesem Monat.

Ziel war, Routinginformationen zwischen autonomen Systemen an mehreren wichtigen Austauschpunkten zu sammeln, zu speichern und Internetanbietern historisch verfügbar zu machen. RIPE-200 nannte die Untersuchung intermittierender Fehler, von Routenänderungen und den Vergleich mit Richtlinien aus dem Internet Routing Registry. Das konnte eine Analyse unterstützen, entschied aber nicht über die Rechtmäßigkeit einer Route oder die Zustellung von Paketen.

Jeder Sammler sah einen Ausschnitt

RIPE-200 beschrieb einen zentralen Server bei RIPE NCC und entfernte Sammler an einer begrenzten Zahl zentraler Standorte. Sie konnten direkt an einem Austausch-LAN peeren oder Multihop-BGP zu nahen Netzen nutzen. Gespeichert werden sollten zeitgestempelte Ankündigungen und Routingtabellen mit Präfixen, Ursprungs-AS, sichtbaren AS-Pfaden, weitergegebenen Attributen, Fehlern und regelmäßigen Dumps. Die Daten sollten zentral abrufbar sein.

Für den Anfang waren ungefähr zehn Sammler vorgesehen; Überschneidungen zwischen ihren Beobachtungen waren einkalkuliert. Ein Prototyp zeigte, dass BGP-Daten gesammelt werden konnten, machte aber auch die Speicherung und Indexierung zum Problem. Die Leistung der Datenbank blieb offen, und frühe Speicherberechnungen waren Schätzungen für spätere Überarbeitung, keine Produktionsmessungen.

Der Nutzen des Archivs lag im Vergleich zwischen Zeitpunkten und Standorten. Eine empfangene Ankündigung belegte jedoch nur, was ein bestimmter Peer einem Sammler über eine Sitzung an einem Ort mitteilte. Sie zeigte weder alle Netzentscheidungen noch sämtliche Weiterleitungspfade oder die Zustellung an Nutzer. Eine archivierte Route bewies keine weltweite Erreichbarkeit.

Der Plan war kein bereits ausgerollter Weltdienst

Die offiziellen Unterlagen trennen Entwurf und Lieferung. Der Plan für 2000 hoffte auf eine frühe Beta und sah bis Jahresende einen regulären Dienst für Mitglieder vor. Das Protokoll von RIPE 35 hält fest, dass der Vorschlag im Oktober 1999 fertiggestellt, bei RIPE 34 vorgestellt und zur Rückmeldung geöffnet wurde. Diese Schritte belegen Planung und Beratung, nicht die Installation jedes Sammlers oder die Einhaltung aller Termine.

Die Ambition einer integrierten Routenansicht muss mit der Technik gelesen werden: ausgewählte Standorte und Peers, gespeicherte Ankündigungen und Abfragewerkzeuge. Die heutige RIS-Dokumentation beschreibt Daten je Sammler. Die meisten sehen Peers an angeschlossenen Austausch-LANs; einige Multihop-Sammler reichen weiter. Das erklärt die Datenart, aber nicht die Zahl der Sammler 1999.

Der historische Beitrag des RIS war, Routingbeobachtungen dauerhaft und vergleichbar zu machen. Seine Zuständigkeit endete bei der Beobachtung: Das Archiv half, Ankündigungen teilnehmender Peers zu rekonstruieren, sprach aber nicht für alle Netze und entschied nicht, welche Route sie akzeptieren sollten.

Quellen: RIPE-200, RIPE NCC Routing Information Service; RIPE-197, RIPE NCC Activities & Expenditure 2000; offizielles Protokoll von RIPE 35; Rohdaten-Dokumentation des RIPE RIS;RFC 1771, offizieller Text zu BGP-4.