Zusammenfassung

  • Der Recovery Graph nach RFC 9912 fasst die möglichen DetNet-Pfade eines Flows samt Nutzungsmetadaten zusammen. Er ist ein Potenzial, nicht der tatsächlich durchlaufene Paketpfad.
  • Ein PLR entscheidet für einzelne Pakete oder kurze Folgen deutlich schneller als der Controller. Bei losen Graphen oder verteilten PLRs kann das Ende-zu-Ende-Ergebnis bekannt sein, ohne dass ein Knoten den vollständigen aktuellen Pfad melden kann.

Im illustrativen Prüfbericht lagen zwei Belege nebeneinander: Der Controller hatte Version 17 des Recovery Graph installiert, und das Paket war rechtzeitig am Egress angekommen. Dazwischen fehlte die Geschichte. Eine Funkstörung hatte eine lokale Umschaltung ausgelöst, ein nachgelagerter PLR hatte sie geändert, und ein Teil des Pfads lag in einem undurchsichtigen Netz. Beide Belege waren wahr; keiner ersetzte die fehlenden Entscheidungen.

Genau diese Grenze macht RFC 9912 sichtbar. Das Dokument erschien im April 2026. Der RFC-Editor-Informationssatz bezeichnet es als Informational im IETF-Stream: IETF-Konsens, aber keine Internet-Standards-Track-Spezifikation. Es erweitert die DetNet-Architektur aus RFC 8655 für verdrahtete und drahtlose Segmente mit vorübergehendem Verlust, gemeinsamem Spektrum und begrenzter Energie.

Ein Recovery Graph vereinigt die endliche Menge zulässiger DetNet-Pfade eines Flows und Nutzungsmetadaten. Er kann verzweigen und wieder zusammenlaufen. Er ist dennoch kein realer Pfad. Beim Durchlauf erlebt ein Paket den Pfad, den ein Point of Local Repair zu diesem Zeitpunkt auswählt. Das nächste Paket kann anders laufen. Der Graph belegt vorbereitete Optionalität, nicht die ausgeführte Route.

RFC 9912 trennt drei Zeitskalen. Der Controller berechnet und pflegt Pfade und Ressourcen; RFC 9938 beschreibt zentrale, verteilte und hybride DetNet-Controller-Architekturen. Diese Ebene kann Mittelwerte über Minuten oder Stunden verwenden und Millisekunden bis Sekunden benötigen. Die RAW-Schleife entscheidet auf der Pfadauswahlskala. Der PLR schaltet in Mikrosekunden bis Millisekunden für ein Paket oder eine kurze Folge. Anschließend führt das Forwarding aus.

Lokale Geschwindigkeit ist keine unbeschränkte Vollmacht. Der PLR darf nur Optionen und Ressourcen innerhalb des vorinstallierten Graphen nutzen. Der Controller definiert den Rahmen; der lokale Knoten wählt im Ereignis. Wer beides als „Controllerentscheidung“ speichert, verliert die tatsächliche Autorität.

Die Schleife folgt Observe, Orient, Decide, Act. RAW OAM beobachtet Links, sichtbare Hops und Ende-zu-Ende-Zustellung. Die Orientierung verbindet aktuelle Werte, Historie, Vorhersagen und Controllerwissen. Der PLR entscheidet. PREOF sowie untere Schichten mit ARQ oder FEC replizieren, eliminieren, ordnen oder wiederholen.

Messverfahren haben unterschiedliche Aussagekraft. RFC 9551 unterscheidet In-Band-OAM mit derselben Link-, QoS- und PREOF-Behandlung vom Out-of-Band-Test, der abweichen kann. RFC 7799 trennt aktive, passive und hybride Methoden. RFC 9378 behandelt In-situ-OAM im Nutzverkehr. Aktive Probes können ungenutzte Segmente prüfen, belasten aber knappe Ressourcen; Pakettelemetrie beschreibt den beobachteten Durchlauf, nicht stille Alternativen.

Bei einem strikten Graphen beobachtet und kontrolliert RAW das relevante Verhalten Ende zu Ende. Ein loser Graph kann ein nicht beobachtbares Nicht-RAW-Netz enthalten. Dann bleiben Zustellquote und Latenz messbar, aber interne Hops und Ursache verborgen. Im Funkzugangsbeispiel der RFC ist der erste Hop sichtbar, der anschließende Tunnel jedoch abstrakt. Ein korrektes Ergebnismaß ist damit noch kein vollständiger Ursachennachweis.

Verteilte PLRs verschärfen das Problem. RFC 9912 lässt Entscheidungen nach einer Veränderung zu und erklärt ausdrücklich, dass die abhängige Kombination so groß werden kann, dass kein Knoten den aktuellen DetNet-Pfad melden kann. Rekonstruktion braucht daher Graphversion, PLR-Identität und Zeit, Paketmarkierung, OAM-Grenze und Zustellergebnis.

Auch das konfigurierte Ziel ist kein Leistungsbeleg. PDR, maximale Verlustserie, begrenzte Latenz, Jitter, Reihenfolge und Kopienzahl können Ziele sein. RFC 9450 beschreibt RAW-Anwendungsfälle, RFC 9913 geeignete Funktechniken. Beide liefern Bedarf und Fähigkeit, keine Messung einer benannten Installation.

Die Schutz- und Wiederherstellungssprache aus RFC 4427 ordnet Mechanismen. Redundanz verbraucht trotzdem Spektrum, Zeit, Batterie und Ordnungsarbeit. Zwei gezeichnete Pfade können Strom, Funkstörung, Standort, Hardware oder Underlay teilen. Getrennte Linien beweisen keine unabhängigen Ausfallbereiche.

Die Auswahl verändert zudem ihre eigenen Folgemetriken. Verkehrsverlagerung ändert Last, Latenz und Zustellrate; schnelle lokale Reaktionen können schwingen und müssen gedämpft werden. Ein Angreifer kann eine billige Funkoption stören, bezahlten Zugang erzwingen, ARQ/FEC erhöhen, Batterien leeren oder Stau verlagern. Pfadauswahl ist damit auch Kosten- und Anreizsteuerung.

Die Errata-Suche zu RFC 9912 meldete beim Evidenzstopp keine Treffer. Das ist Dokumentstatus, keine Implementierungsprüfung.

Heng Lus Running-Code Primacy verlangt die ausgeführte Entscheidung hinter dem Diagramm. Minimum Initial Specification hält den gemeinsamen Rahmen klein und lokale Wahl explizit. Reality Layers trennt Möglichkeit, Auswahl, Beobachtung, Ursache und Dienstannahme.

Der Belegsatz muss Graphhash und Optionen, strikte oder lose Grenzen, Statistikfenster, PLR und Trigger, Paketumfang, alte und neue Markierung, PREOF, Reaktion der unteren Schicht, OAM-Typ, Kosten und Ergebnis erhalten. Der Controller belegt, was möglich war. Erst Entscheidungen und Pakete belegen, was geschah.

Quellen