Zusammenfassung
- RFC 9872 empfiehlt, das NAT64-Synthesepräfix über die PREF64-Option in Router Advertisements nach RFC 8781 zu beziehen.
- Damit bleiben Präfix, Lebensdauer, Zugangsnetz und Pfad zum Übersetzer miteinander verbunden.
Die kritische Entscheidung fällt vor dem ersten übersetzten Paket. Der Host kennt das IPv4-Ziel, braucht aber für die synthetische IPv6-Adresse ein Präfix, das der NAT64-Übersetzer dieses Netzes bedient. Ein formal gültiges Präfix aus einem anderen Kontext erzeugt eine gültige, aber womöglich unerreichbare Adresse.
RFC 9872 verlegt diese Konfiguration an den Netzanschluss. Endpunkte sollen PREF64 zuerst aus Router Advertisements beziehen; NAT64-Betreiber sollen es dort bereitstellen. Das DNS-Verfahren aus RFC 7050 bleibt verfügbar, wenn die Option fehlt oder nicht verarbeitet werden kann.
Das Signal trägt Gültigkeit und Geltungsbereich
RFC 8781 weist PREF64 den Neighbor-Discovery-Optionstyp 38 zu. Die Option enthält Präfixbits, einen Längencode und eine Lebensdauer in Acht-Sekunden-Einheiten. Null zieht das Präfix zurück. Eine kürzere Lebensdauer als die des Standardrouters wird nicht empfohlen, weil sonst der Weg noch gültig erscheint, während das Präfix bereits abgelaufen ist.
Der Host behandelt PREF64 als Information des Netzes, in dem es empfangen wurde, und ordnet es gegebenenfalls der Provisioning Domain zu. Mehrere Präfixe mit positiver Lebensdauer sind möglich; unterschiedliche Erkennungsquellen sollten jedoch nicht vermischt werden. Bei Multihoming muss der synthetisierte Verkehr zum passenden Upstream und dessen Übersetzer gelangen.
DNS kann aus einem anderen Netz antworten
RFC 7050 fragt einen DNS64-Resolver nach einem besonderen IPv4-Namen und gewinnt das Präfix aus synthetischen AAAA-Antworten. Verschlüsseltes DNS, VPN oder manuelle Konfiguration können den Resolver aus dem Zugangsnetz verlagern. Zudem bleiben DNS-Ergebnisse gemäß TTL im Cache, während ein Router Advertisement ein neues Präfix oder eine Rücknahme direkt am Link signalisieren kann.
Die Empfehlung steht in RFC 9872, das Optionsformat in RFC 8781, das DNS-Verfahren in RFC 7050. RFC 6052 und RFC 7915 definieren Adressformat und Übersetzung. Sie belegen keine heutige Verbreitung oder Verfügbarkeit.
Die PREF64-Erkennung authentisiert weder das Router Advertisement noch beweist sie Erreichbarkeit, Einführung oder Leistung des Übersetzers. Ebenso macht sie das Well-Known Prefix aus RFC 6052 nicht in jedem NAT64-Netz gültig. Für alle fünf Aussagen sind eigene Nachweise nötig.
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