Zusammenfassung
- Im prädiktiven Modus können FBU, HI/HAck, Tunnel und Puffer fertig sein, während der Mobile Node noch am Previous Access Router hängt. Diese Quittungen belegen Vorbereitung, nicht Präsenz am neuen Link.
- Link-Anbindung, DAD oder alternative NCoA-Zuweisung, UNA-Verarbeitung, Pufferfreigabe, reguläres Mobile-IPv6-Binding, Paketempfang und Anwendungsergebnis brauchen jeweils eigene Nachweise.
Der Zeitgewinn entsteht vor dem Ortswechsel
FMIPv6 soll IP-Schritte vorziehen, die einen Wechsel verlangsamen würden, wenn sie erst danach beginnen. Ein Mobile Node erfährt, welcher Router zu einem möglichen Access Point gehört, bildet eine voraussichtliche Care-of-Adresse und autorisiert die Umleitung. Der neue Router kann Pakete aufnehmen, bevor das Gerät dort funkt.
Das ist der gewünschte Mechanismus. Es ist zugleich der Grund, warum ein grünes Tunnel-Symbol so leicht zur falschen Aussage „Handover abgeschlossen“ wird. RFC 5268 optimiert ausdrücklich nicht die eigentliche Link-Umschaltung. Auch das Funksignal, das die Vorhersage auslöste, liegt außerhalb des Protokolls.
RFC 5568 hat RFC 5268 abgelöst und ist für heutige Implementierungen heranzuziehen. Die Kontrollfrage bleibt: Welcher Teil wurde vorbereitet, und welcher spätere Beleg zeigt, dass die erwartete Bewegung tatsächlich stattfand?
AR-Info liefert Zielkoordinaten, keinen Aufenthaltsnachweis
Mit RtSolPr fragt der Mobile Node seinen bisherigen Router nach einem oder mehreren AP-IDs. PrRtAdv liefert dazu AR-Info: Link-Layer-Adresse, IP-Adresse und ein Präfix des möglichen neuen Routers. Daraus kann eine prospektive NCoA entstehen.
Der Link-Layer-Trigger, der diesen Access Point auswählte, ist nicht Gegenstand der Spezifikation. Das Gerät kann anders entscheiden, die Assoziation kann scheitern oder die Bewegung kann ausbleiben. „Kandidat aufgelöst“ ist deshalb ein korrekter Status; „Gerät befindet sich am NAR“ ist es nicht.
Jeder Versuch braucht eine eigene Generation. Wiederholte Bewegungen können denselben Access Point und dasselbe Präfix verwenden. Ohne Generationsschlüssel wird eine alte Vorbereitung zum scheinbaren Beweis für ein neues Ereignis.
FBack kann noch auf dem alten Link eintreffen
Im prädiktiven Ablauf sendet der Mobile Node den FBU an den PAR, bevor er wechselt. Der FBU fordert die Bindung von PCoA und erwarteter NCoA sowie die Umleitung an. Die FMIPv6 Binding Authorization Data belegt die Berechtigung für die bisherige Adresse.
Danach tauschen PAR und NAR HI und HAck aus. Der NAR kann die vorgeschlagene NCoA annehmen, ersetzen oder ablehnen. Trifft FBack noch am alten Link ein, weiß der Mobile Node, dass die Vorbereitung bearbeitet und der Tunnel angestoßen wurde. Über die Funkumschaltung sagt die Nachricht nichts.
Der reaktive Modus macht die Grenze sichtbar. Kommt das Gerät zuerst am neuen Link an oder verließ es den alten Link ohne FBack, sendet es dort UNA und sendet beziehungsweise wiederholt den FBU. Ohne FBack kann es nicht wissen, ob der frühere Antrag verarbeitet wurde.
Auch HI/HAck ist nur eine Router-zu-Router-Disposition unter einer außerhalb der Spezifikation eingerichteten Security Association. Sie schützt die Infrastrukturvorbereitung, erkennt aber nicht die physische Anwesenheit des Geräts.
Eine NCoA besitzt eine Herkunftsgeschichte
Die aus dem Präfix gebildete NCoA ist zunächst ein Vorschlag. Der NAR kann Duplicate Address Detection durchführen, den Wert akzeptieren oder in HAck/FBack eine andere Adresse zuweisen. Nach der Ankunft kann NAACK noch einen Konflikt anzeigen und einen weiteren FBU für die Ersatzadresse verlangen.
RFC 5268 hält die Kollisionswahrscheinlichkeit für möglicherweise sehr klein, nicht für null. DAD darf nur aufgrund einer ausdrücklichen Einsatzregel entfallen, etwa bei kontrollierter Adressvergabe. Eine Vorhersage beweist keine Eindeutigkeit; RFC 4862 beschreibt die einschlägige Adressgrenze.
Ein prüfbares Modell trennt lokal vorgeschlagene, durch DAD geprüfte, vom Router zugewiesene, nach Attachment angekündigte und später tatsächlich gebundene Adresse. Es hält auch das DAD-Ergebnis oder die Ausnahmeentscheidung fest. Ein einziges Feld NCoA lässt einen verworfenen Vorschlag fälschlich weiterwirken.
UNA öffnet die Weiterleitung, bestätigt aber keinen Empfang
RFC 5268 benennt die Schwäche selbst: Der Tunnel allein garantiert nach dem Attachment keinen Paketempfang, wenn der NAR die Anwesenheit des Mobile Node nicht erkennt.
Nach erfolgreicher Link-Verbindung sendet der Mobile Node eine Unsolicited Neighbor Advertisement mit gelöschtem Override-Bit. Der NAR kann dadurch einen Proxy-Eintrag entfernen oder einen unvollständigen Neighbor-Cache-Eintrag auf STALE setzen. Erst dann werden getunnelte und gepufferte Pakete freigegeben.
UNA ist damit starke Attachment-Evidenz. Sie belegt jedoch weder, dass jedes Paket gespeichert wurde, noch dass die Host- oder Anwendungsschicht es erhielt. Link-up, UNA, Cache-Übergang, Pufferfreigabe, ausgesendete Pakete, Empfang und Anwendungssignal bilden eine Kette, keine austauschbaren Synonyme.
Pufferung kann Verlust verschieben
Pakete können vor dem Gerät am NAR eintreffen und ohne Puffer verlorengehen. Im reaktiven Fall können sie weiter am PAR ankommen, bis der FBU verarbeitet ist. Pufferung verkleinert dieses Fenster, führt aber Kapazitäts- und Taktfragen ein.
Ein schlagartiges Leeren kann Router, Funklink oder Endgerät überlasten und neue Verluste, Jitter und Stau erzeugen. RFC 5268 beschreibt ein Standardverfahren, das sich an der ursprünglichen Ankunftsrate orientiert und zunächst höchstens fünf Pakete direkt hintereinander erlaubt.
Aufnahme, gespeicherter Bereich, Overflow, Freigabetrigger, Drain-Rate, gesendeter Bereich und Empfang sind getrennte Messwerte. Ein leerer Puffer belegt nur, dass der Router nichts mehr darin hält.
RFC 5568 markiert auch eine Protokollgeneration
Der Nachfolger änderte das Wire-Format: HI und HAck waren in RFC 5268 ICMPv6-Nachrichten; RFC 5568 verwendet Mobility-Header-Nachrichten. Eine aktuelle Implementierung darf das alte Format nicht senden, auch wenn sie empfangene Alt-Nachrichten aus Kompatibilitätsgründen interpretieren kann.
Eine Aufzeichnung namens „HI“ bleibt ohne Format und Generation mehrdeutig. RFC 5268 ist wertvolle historische Evidenz für die Trennung von Vorbereitung und Ankunft, aber keine Grundlage für das alte Encoding.
Nach dem Attachment bleibt außerdem das gewöhnliche Mobile IPv6 maßgeblich. Prädiktive Vorbereitung ersetzt weder Binding Update noch Return Routability und schafft keine dauerhafte Binding-Autorität nach RFC 6275.
Laufender Code ist die Abfolge der Grenzen
Lu Hengs Running-Code Primacy lenkt vom Produktwort „nahtlose Mobilität“ auf den tatsächlichen Ablauf: Kandidat, Proxy Advertisement, prospektive Adresse, FBU-Autorisierung, Router-Disposition, Tunnel und Puffer, Link-Attachment, UNA, Adressbestätigung, Drain, Binding, Empfang und Anwendung.
Die Realitätsebenen dürfen sich nicht gegenseitig vertreten. Vorhersage ist keine Vorbereitung, Vorbereitung kein Attachment, Attachment keine Adresseindeutigkeit, Weiterleitungsfähigkeit keine Zustellung und Zustellung keine Anwendungskontinuität.
Fast Handover gewinnt Zeit, weil eine Ebene vorausläuft. Vertrauenswürdig bleibt es nur, wenn dieser Abstand sichtbar ist und jede Erfolgsaussage auf Generation, Modus, Adressherkunft und die zuletzt belegte Grenze zurückgeführt werden kann.
Quellen
- RFC 5268: Mobile IPv6 Fast Handovers
- RFC-Editor-Eintrag zu RFC 5268
- RFC 5568: aktueller Nachfolger
- RFC 4861: Neighbor Discovery for IPv6
- RFC 4862: IPv6 Stateless Address Autoconfiguration
- RFC 6275: Mobility Support in IPv6
- IANA Mobility Parameters
- Lu Heng: Running-Code Primacy
- Lu Heng: On Reality Layers
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